50 Jahre deutsch-koreanisches Anwerbeabkommen
Der koreanische Kumpel in Westdeutschland

Bergwerk
Foto (Ausschnitt): © Jurec / pixelio.de

Die wenigsten Deutschen wissen es: Etwa 18.000 Südkoreaner sind in den 1960er- und 1970er-Jahren nach Westdeutschland immigriert, und zwar nicht aus politischen, sondern aus staatlich-wirtschaftlichen Gründen.

Zwar begann Südkorea sich seit den 1960er-Jahren zu einer Exportnation zu entwickeln, doch hatten der Zweite Weltkrieg und vor allem die Zeit nach dem Korea-Krieg deutliche Spuren im Land und bei der Bevölkerung hinterlassen. Als die Wirtschaft vermehrt auf Export setzte, verbesserte sich die Situation, allerdings war die Umstellung für die Regierung so teuer, dass Korea seine Auslandsschulden nicht bezahlen konnte. Eines besaß Korea jedoch: Arbeitskräfte. Aus dem Grund wurden 1963 erstmals vorwiegend Bergarbeiter und Krankenschwestern nach Deutschland geschickt. Nachdem die Bergleute zunächst von privaten Firmen nach Deutschland geholt worden waren, wurde schließlich 1963 ein Abkommen bezüglich des Bergbaus zwischen Südkorea und Westdeutschland geschlossen, da Deutschland händeringend ausgebildetes Personal für Minen suchte. Allerdings waren die wenigsten koreanischen Bergarbeiter wirklich in diesem Beruf ausgebildet. Vielmehr versuchten Studenten, ehemalige Angestellte und andere Menschen mit durchaus akademischer Ausbildung ihr Glück. Sie sahen in der Tätigkeit als Bergarbeiter nicht nur die Möglichkeit, Geld für ihre Familien zu verdienen, sondern auch ihren Horizont zu erweitern. Grundlage hierfür war auch, dass die meisten Südkoreaner ein eher positives Bild von Deutschland hatten. Insgesamt kamen rund 8.000 Bergarbeiter nach Westdeutschland.

Heutzutage fallen die koreanischen Mitbewohner in der deutschen Gesellschaft kaum auf, doch diese Assimilation verlief nicht von Anfang an reibungslos. Die größten Schwierigkeiten lagen anfangs natürlich in der Sprachbarriere. Auch lebten viele eher zurückgezogen, in der Sehnsucht nach der zurückgelassenen Familie. Da Familienzusammenführungen oft schwierig waren, Flüge und Telefon sehr kostspielig, wurden Familien oft für lange Zeit auseinander gerissen. Der hohe Bildungsgrad der koreanischen Bergarbeiter im Vergleich zu anderen „Gastarbeitern“ stellte ein weiteres Problem dar, da sich die koreanischen ihren deutschen Kumpel intellektuell überlegen fühlten und sich nicht ohne weiteres deren oftmals harschen Führungsstil unterwerfen wollten. Von Seiten Deutschlands wurde es den Immigranten aber auch nicht leicht gemacht, sich dort einzugewöhnen. Zum einen gab es Arbeitsplatzbeschränkungen und im Gegensatz zu den anderen Gastarbeitern erfolgte nach dem Ablauf des Arbeitsvertrages die sofortige Abschiebung. Etwa die Hälfte der Bergarbeiter wollte jedoch in Deutschland bleiben. Daher heirateten viele von ihnen koreanische Krankenschwestern, da diese schon früher eine Aufenthaltserlaubnis zugesprochen bekamen.

Die Arbeit wurde nach Leistung bezahlt, allerdings war diese körperlich so anstrengend, dass die meisten Bergleute nur den Mindestlohn verdienen konnten. Ein weiteres Problem war die gravierende Situation in den Unterkünften. Auf engstem Raum, es gab oftmals nur eine Toilette für 120 Menschen, drei Duschen und eine Küche. Hier lebten die Männer ein karges und von Konflikten durchzogenes Leben. Eine eigene Wohnung zu finden, stellte außerdem aufgrund der Sprachprobleme ein augenscheinlich unüberwindbares Hindernis dar. Es wurden kaum Sprachkurse angeboten und in ihrer Freizeit hatten sie nicht viel Zeit, um privat Deutsch zu lernen. Es wurden zwar von der koreanischen Botschaft Dolmetscher angeboten, doch da die Regierung in Korea zu der Zeit eine Militärdiktatur regierte, war das Misstrauen gegenüber der Regierung sehr hoch. Außerdem tat die koreanische Regierung nichts, um die Situation der Bergleute in Deutschland zu verbessern.

Der Unmut über die Lebenssituation entlud sich schließlich 1979, als durch die weltweite Wirtschaftskrise Deutschland sich gezwungen sah, seine „Gastarbeiter“ auszuweisen. Damit wollten sich die Bergarbeiter allerdings nicht abfinden und es kam zu Arbeitsniederlegungen und Streiks. Die Maßnahmen zeigten Erfolg und den koreanischen Immigranten wurden mehr Rechte zugesichert. Viele Bergleute nutzten daraufhin die Möglichkeit, sich weiterzubilden und ließen sich oftmals im Bereich Chemie oder Metall umschulen.

In Südkorea bekamen die emigrierten Bergarbeiter kaum eine positive Reaktion auf ihr Tun. Im Gegenteil. Obwohl sie einen großen Teil zu einer stabilen Währung beitrugen, indem sie Geld von Deutschland nach Korea überwiesen, wurde ihnen wenig Anerkennung gezollt, am wenigsten von der Regierung. Obgleich sie große Strapazen auf sich nahmen und in ein völlig fremdes Land zogen, weit entfernt von Freunden und Familie, hatten sie bei ihrer Rückkehr große Wiedereingliederungsprobleme. Die Bergarbeiter wollten nach ihrer Rückkehr häufig nicht im koreanischen Bergbau arbeiten, da dort die Zustände wesentlich schlechter waren als in Deutschland.

In Deutschland wurde das Wir-Gefühl der Koreaner gestärkt durch die fehlende Akzeptanz in der Mittelschicht und die Distanzierung zur Arbeiterschaft. Dies trug dazu bei, dass sich eine starke Gemeinschaft entwickelte und ein dichtes Netz von koreanischen Selbstorganisationen entstand. Nichtsdestotrotz ist es jedoch so, dass die Geschichte der koreanischen Immigranten in Deutschland weitestgehend unbekannt ist, was daran liegen könnte, dass die koreanischen Einwanderer eine Minderheit innerhalb der ethnischen Minderheiten in Deutschland darstellen.

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