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Sowjetischer Modernismus
Das Erbe von Alma-Ata Teil I

Zentrales Staatliches Historisches Museum der Republik Kasachstan (Architekten Yu. Ratyshnyj, Т. Eraliev, D. Dosmagambetov, 1978 -1985)
Zentrales Staatliches Historisches Museum der Republik Kasachstan (Architekten Yu. Ratyshnyj, Т. Eraliev, D. Dosmagambetov, 1978 -1985) | © aus dem Privatarchiv von E. Malinowskaya

Welche Rolle spielte das architektonische Erbe der Stadt Almaty aus der Epoche der Sowjetmoderne für die Entwicklung der nationalen Schule und die Werke der sowjetischen Baukunst? Welche Bedeutung hatte es für den weltweiten Modernismus?

Von Malinowskaja, Jelisaweta Grigorjewna

ARCHITEKTUR DES SOWJETISCHEN MODERNISMUS.
1955-1991. ALMATY

Im Rahmen dieser Analyse soll dargestellt werden, welche Rolle das architektonische Erbe der Stadt Almaty aus der Epoche der Sowjetmoderne für die Entwicklung der nationalen Schule und die Werke der sowjetischen Baukunst spielte sowie, was das letzte Jahrzehnt betrifft, welche Bedeutung es für den weltweiten Modernismus hatte. Lange Zeit wurde in der Wissenschaft auf die etablierte terminologische Unterscheidung zurückgegriffen, nach der bis 1955 die „Stalinistische Neoklassik“ vorherrschte und darauf eine Abkehr von architektonischer Überladenheit und eine Umorientierung bei den Baukonzepten folgten.

Es gab keine „klare“ architektonische Benennung der Phasen, diese wurden nur in die zeitliche Systematik der „1960-1970er“ und der „1980-1990er Jahre“ gefasst. Obgleich damit die genannten Perioden auch qualitativ definiert wurden, fehlte eine stilistische Konkretisierung. Die Situation änderte sich grundlegend durch das großangelegte Forschungsprojekt der Gesellschaft „Lokaler Modernismus“ (Wien, ab 2004). Österreichische Forscher hatten sich das Ziel gesetzt, folgende Frage zu untersuchen: Gab es eine schöpferische Unabhängigkeit der sowjetischen nationalen Schulen (außer Russland) oder existierte stets eine Unterordnung unter die Hauptstadt? Diese Arbeit fand ihren Abschluss im 19. Internationalen Architektur-Kongress und einer Reihe von Ausstellungen (Wien 2012, Istanbul 2013).

Es folgten Projekte (Ausstellungen, Konferenzen), die von anderen Kuratorengemeinschaften in Leipzig, Moskau und Petersburg initiiert wurden (2013). Die Architektur der Sowjetrepubliken in Sao Paulo und Venedig (2014) wurde in den Kontext der Architektur von Regionen gestellt, die sich lange an der Peripherie des fachlichen und wissenschaftlichen Interesses befanden: Länder Südostasiens, Lateinamerikas, Indiens und Nordafrikas. In allen genannten Ausstellungen wurden Fotos der wichtigsten Objekte Almatys gezeigt. Die wissenschaftliche Diskussion machte deutlich, dass der Modernismus nicht zu einer Vereinheitlichung und stilistischen Klischees geführt hatte und beleuchtete die in diesen Ländern fortlebenden nationalen Traditionen.
Hotel „Zhetysu“ (Architekten E. Dyatlov, Kim-Dosen, V. Ishchenko, Konstruktionsingenieure Yu. Skrinskij, A. Tambulidi, 1957) Hotel „Zhetysu“ (Architekten E. Dyatlov, Kim-Dosen, V. Ishchenko, Konstruktionsingenieure Yu. Skrinskij, A. Tambulidi, 1957) | © aus dem Privatarchiv von E.Malinowskaya

Vorgeschichte. Die Architektur Almatys zu Beginn der 1930er Jahre – Geschichte und Vision

Innerhalb nur eines Jahrzehnts war das provinzielle Städtchen zur Hauptstadt der Republik geworden und folgte damit einem beispiellosen sozialen und kulturellen Programm.
 
Es entstand ein Netz an administrativen Behörden, Kultur- und Bildungseinrichtungen und Wohnkombinaten. An den unionsweiten Wettbewerben um die Bauobjekte für Alma-Ata nahmen führende Architekten Moskaus und Leningrads teil. Bedeutend aufgrund seiner Ergebnisse war der Wettbewerb der Moskauer Architekturgesellschaft MAO (56 Projekte 1927) um den Bau des Hauses der Regierung. 
 
Sieger war Moissei Ginsburg, der es schaffte, stilistische und formale Methoden des Konstruktivismus mit den Techniken des asiatischen Hausbaus (Wohnkomplexe) – die Übereinstimmung des gestalterischen Funktionalismus mit der Logik der inneren Struktur – miteinander zu vereinen. Dieses Gebäude wurde trotz nachfolgender Umbauten in die Liste der 100 Meisterwerke des Architektur-Weltkulturerbes des 20. Jahrhunderts aufgenommen.
Haus der Regierung (Architekten M. Ginsburg, F. Milinis, Ingenieur W. Orlowskij, 1927 bis 1931) Haus der Regierung (Architekten M. Ginsburg, F. Milinis, Ingenieur W. Orlowskij, 1927 bis 1931) | © aus dem Privatarchiv von E. Malinowskaya Der Bau in Alma-Ata wurde sowohl für avantgardistische Strömungen als auch für die „Traditionalisten“ zu einem einzigartigen Übungsfeld schöpferischer Experimente, mit denen eine neue Bautypologie, theoretische und stilistische Doktrinen erprobt wurden. Sie alle orientierten sich auch an dem Erbe dieser Region. Die architektonische Praxis dieser Jahre besaß eine visionäre Kraft, die die technisch-ästhetischen Ideale der Architektur der Republik der 1960er Jahre vorwegnahm.

  Teil II - 1960er bis 1980er

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