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Sowjetischer Modernismus
Das Erbe von Alma-Ata Teil III

Gebäude der Parteiaufklärung („Partpros“) (Architekten Yu. Ratushnyj, T. Eraliev, О. Balykbaev, 1977-1981
Gebäude der Parteiaufklärung („Partpros“) (Architekten Yu. Ratushnyj, T. Eraliev, О. Balykbaev, 1977-1981 | © aus dem Privatarchiv von E. Malinowskaya

Welche Rolle spielte das architektonische Erbe der Stadt Almaty aus der Epoche der Sowjetmoderne für die Entwicklung der nationalen Schule und die Werke der sowjetischen Baukunst? Welche Bedeutung hatte es für den weltweiten Modernismus?

Von Malinowskaja, Jelisaweta Grigorjewna

Die Architektur des Modernismus –
von den 1960er bis zu den 1980er Jahren

Das gestalterische Konzept des Palastes der Republik kennzeichnete den Beginn einer Epoche, in der man Gebäude mit individuell-farblichen gestalterischen Merkmalen bevorzugte. Die architektonische Fachwelt strebte in der Erkenntnis der Schwächen des bloßen Funktionalismus als einziger Methode danach, der Baukunst ihre fachliche und stilistische Freiheit wiederzugeben. Das Motto der Zeit war „Kreieren, und nicht Bauen“. Eine für jedes Objekt unterschiedliche Formensprache wurde zu einer verbreiteten Erscheinung, so zum Beispiel waren bei den Hotelgebäuden folkloristische („Otyrar“, Architekten S. Kochanowitsch, M. Kabylbajewa, Ing. B. Zigelman 1981) und postmodernistische Elemente vertreten („Kazachstan“, Architekten L. Uchobotow, Ju. Ratuschnyj, A. Antschugow, W. Kaschtanow, Ing. N. Matwijets, T. Schunusow, A. Dejew 1978; „Dostyk“, Architekten Ju. Ratuschnyj, T. Eraliew, D. Dosmagambetow, W. Sacharow 1983). Die Erbauer des Gebäudes des Historischen Museums (Architekten Ju. Ratuschnyj, Z. Mustafina, P. Rsgalijew 1978.1985) spielten mit Metaphern der regionalen Architektur. Dieser Ansatz ist wohl begründet, denn das Museum ist mit der Kultur der Kasachen verbunden. Sowohl die architektonischen Merkmale des Bauwerks (einer Festungsanlage vergleichbar) als auch seine Innenräume demonstrieren einen gewissen Symbol-Komplex nationaler Traditionen.
KIMEP-Gebäude (Architekten B. Woronin, Konstr. N. Nikonowa, G. Belousowa, E. Osolina 1978) KIMEP-Gebäude (Architekten B. Woronin, Konstr. N. Nikonowa, G. Belousowa, E. Osolina 1978) | © aus dem Privatarchiv von E. Malinowskaya Retrospektive Manöver eines ähnlichen, eindeutig „touristischen“ Objekts sind untrennbar mit aktuellen Bauwerken verbunden, die die Besonderheiten des Architektur-Erbes des 20. Jahrhunderts ausdrücken. Die Baumeister des Gebäudes KIMEP füllten den Stil des Konstruktivismus mit neuem Leben (Architekten B. Woronin, Konstr. N. Nikonowa, G. Belousowa, E. Osolina 1978). Die formalen Methoden der russischen Avantgarde-Architektur zeigten sich auch in den harten Elementen des Eingangsbereichs, die die funktionale Struktur der Grundlage des Saals des Partpros-Hauses (Arch. Ju. Ratuschnyj, T. Eraliew, O. Balykbajew 1977-1981) offenbarten. Die symbolische räumlich-planerische Lösung (Galaxis-Spirale), eine populäre Strömung der Weltarchitektur ab Anfang der 1920er Jahre, verband sich mit den Techniken der Klassik (Ehrenhof, Fassaden- und Kuppelelemente) im Palast der Schüler (Architekten W. Kim, A. Zujew, T. Abildajew, Ingenieure Ju. Loktjew, N. Wernaja, N. Srednikow 1979-1983).

Deutlich wird das gleichwertige Interesse am regionalen Erbe und am klassischen europäischen Erbe im Bauwerk des Kasachischen Äuesow-Theaters (Architekten O. Bajmursajew, A. Kajnarbajew, M. Schaksylykow, Ingenieure. A. Brochowitsch, M. Plachotkow 1980). Das flächige und plastische Dekor, das an die geschnitzten Terrakotta-Fliesen des Nationalheiligtums, das Aischa Bibi-Denkmal, erinnert, ist auf der Grundlage eines Raster-Designs angefertigt, das alle ornamentalen Strukturen bestimmt. Die Abwandlungen des Rasters schaffen eine Dekor-Vielfalt aufgrund weniger Ausgangselemente. Deutlich wird nicht die „Transplantation“ der Methoden, sondern deren aktive Aneignung und Bearbeitung in der Struktur der künstlerischen Erscheinungen der Moderne.
Badehaus „Arasan“ (Architekten  W. Chan, M. Ospanow, Konstr. W. Tschetschelow, K. Tulebajew 1983) Badehaus „Arasan“ (Architekten W. Chan, M. Ospanow, Konstr. W. Tschetschelow, K. Tulebajew 1983) | © aus dem Privatarchiv von E. Malinowskaya Das Badehaus „Arasan“ (Architekten W. Chan, M. Ospanow, Konstr. W. Tschetschelow, K. Tulebajew 1983) offenbart den Zusammenhang national-regionaler und weltweiter kultureller Archetypen anhand hauptsächlich funktionaler Merkmale: das Erlebnis orientalischer Bäder und römischer Themen in einer Synthese mit finnischen und russischen Traditionen. Das hochmoderne Gebäude, schwierig hinsichtlich seiner technischen Parameter und einzigartig in allen seinen Bestandteilen, ist ein Beispiel für die Neuinterpretation der Standardtypologie im Namen der funktionalen Vollendung des Objekts, ein Heil- und Wellness-Komplex. Dies und das großartige gestalterische Konzept verleihen dem Gebäude einen so wichtigen Platz im sozio-kulturellen Kontext der Stadt, ohne Anzeichen moralischen Alterns erkennen zu lassen.

Die planerisch-bauliche Praxis der Stadt Almaty stellt eine Vielfalt kultureller „Schnittstellen“ und deren „Symbiose“ dar, was die Komplexität und Differenziertheit stilistischer Strömungen und die Mannigfaltigkeit der Ausgangsformen der Architektur der 1980er-1990er Jahre erklärt. Das Erbe des Modernismus, das in der postsowjetischen soziokulturellen Wirklichkeit von der Zerstörung bedroht ist, erfüllt eine wichtige und notwendige Aufgabe bei der Erfassung und Erforschung der ab Mitte der 1950er Jahre bis zum Zerfall der UdSSR errichteten Bauten und Komplexe der Stadt. Die Architektur der Stadt Almaty nimmt mit ihrer Führungsrolle in der Epoche des sowjetischen Modernismus einen besonderen Platz bei der Erforschung der architektonischen Praxis dieser Jahre ein und macht erneut deutlich, dass die Problematik der Wahrung ihres Erbes hochaktuell ist.

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