Barrierefreie Stadt

Gesellschaft
Eine Stadt, die allen offensteht

Die Stiftung Eurasien in Zentralasien (EFCA), Partner des Goethe-Instituts in Kasachstan, hat im Rahmen des Projekts „Barrierefreie Stadt“ eine Online-Konferenz organisiert, die vom 24.-26. Februar 2021 stattgefunden hat. 

Ziel des Projekts ist eine Verstärkung des allgemeinen Bewusstseins in ihrer Mobilität eingeschränkter Bevölkerungsgruppen (zum Bespiel Menschen mit Behinderung, Eltern mit kleinen Kindern, Kinder im Alter bis sieben Jahre, Verletzte, Schwangere und ältere Menschen), Expert*innen und aktiver Bürger*innen bezüglich der Problematik einer Barrierefreiheit sozialer Objekte und das Finden möglicher Lösungswege.
 
Da der Tätigkeitsfokus des Goethe-Instituts unter anderem auf einer Kultur der Gleichstellung liegt, was die Schaffung gleicher Bedingungen für alle – also auch von Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten – meint, haben wir die Stiftung dadurch unterstützt, Expert*innen für Inklusion und universelles Design aus Deutschland zu dieser Konferenz einzuladen.
 
Holger Dieterich, Vorstandsmitglied der nichtkommerziellen Organisation „Sozialhelden e.V.“ und Mitgründer der Online-Karte Wheelmap, auf der man Orte für bewegungseingeschränkte Bürger*innen finden und markieren kann, teilte seine Arbeitserfahrung im Bereich Inklusion mit den Teilnehmenden der Konferenz. Er hatte Wheelmap 2010 gemeinsam mit Raul Krauthausen, einem deutschen Sozialunternehmer und Aktivisten für die Rechte von Menschen mit Behinderung, auf Basis der Daten von OpenStreetMap erstellt. Unter dem Link https://wheelmap.org  können Menschen auf der ganzen Welt neue Orte auf der Karte finden oder hinzufügen und diese anhand des internationalen Ampelsystems (grün bedeutet, dass das Objekt voll rollstuhlgerecht, gelb, dass es teilweise und rot, dass es nicht rollstuhlgerecht ist) in ihrer Nutzbarkeit für Rollstuhlfahrer*innen bewerten. Aktuell kann man auf der Karte 2,3 Millionen Cafés, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele andere für Menschen mit Behinderung zugängliche öffentliche Orte in verschiedenen Ländern finden. Täglich kommen mehr als 300 neue Einträge dazu. Die kostenlose App Wheelmap kann man auf mobilen Endgeräten mit iOS und Android installieren.

Holger Dieterich berichtete davon, welche Schwierigkeiten bei der Ausarbeitung der Karte zu bewältigen waren, von der Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und der Weiterbildung von Freiwilligen. Denn die „Sozialhelden“ organisieren auch das jährlich stattfindende Programm Wheelmap-Botschafter*innen, das Interessierten die Möglichkeit bietet, Teil eines internationalen Netzwerks von Expert*innen für Barrierefreiheit zu werden. Der deutsche Experte interessierte sich auch für die Online-Karte „Barrierefreies Kasachstan“ (https://doskaz.kz/ ), die von EFCA sowie den Stiftungen „Tandau“ und „Ereksche Tandau Schelek“ erstellt wurde. Wir hoffen, dass sein Interesse in eine Zusammenarbeit von „Sozialhelden“ und EFCA mündet.
 
Weiter hielt Thomas Bade, Geschäftsführer des Instituts für Universal Design (München), auf der Konferenz den Vortrag „Internationale Erfahrungen im Bereich der Anwendung von Universal Design“. Er engagiert sich schon seit mehr als 15 Jahren für die Popularisierung von Universal Design in der Geschäftswelt, Wissenschaft und Gesellschaft. Besonders beindruckend war seine Vorstellung der Arbeitsergebnisse des Instituts: Ein Glas mit einer innenliegenden Membran, aus dem man trinken kann, ohne den Kopf in den Nacken zu legen; ein Teller, den man nicht kippen muss, um an die letzten Reste des Essens zu gelangen; eine Steckdose mit eingebautem USB-Anschluss; eine Tasse mit einer Öffnung im Henkel, wodurch man sie mit beiden Händen vollständig umschließen kann. Außerdem berichtete der Experte von einem einzigartigen Projekt, das den Bau von Mehrfamilien-Wohnhäusern fokussiert. Seine Einzigartigkeit besteht darin, die Häuser aus typischen Blocksteinen ähnlich dem Lego-System zu bauen, welche erst in der Halle zusammengesetzt, daraufhin zum Standort des zukünftigen Hauses gebracht und dort in bereits vorbereitete Metallkonstruktionen eingesetzt werden. Somit gelingt es, innerhalb von nur neun Monaten ein gemütliches und in jedem Sinne universelles Wohnhaus zu bauen.

Neben der Unterstützung der Präsentationen von Holger Dieterich und Thomas Bade half das Goethe-Institut Kasachstan den Partnern der EFCA dabei, Videofilm-Instruktionen zur Online-Karte „Barrierefreies Kasachstan“ (https://doskaz.kz/ ) und einen Videofilm zum universellen Design zu erstellen sowie den vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (www.bmi.bund.de ) herausgegebenen „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ ins Russische und Kasachische zu übersetzen.
Das erste Video stellt die Nutzungsmöglichkeiten der Online-Karte vor: jede*r Nutzer*in kann städtische Objekte markieren und Angaben zu ihrer Barrierefreiheit machen, was dabei hilft, die barrierefreie Struktur in Kasachstan zu unterstützen. Durch ein bedienungsfreundliches Interface ist das kinderleicht. Seht euch die Video-Anleitung an und überzeugt euch selbst!
Warum aber ist es so wichtig, von barrierefreien Räumen hin zum universellen Design zu kommen? Und was versteht man unter dem Konzept der „gerechten Stadt“? Diese und andere Fragen beantwortet der Film zum universellen Design, der sein Publikum auch mit einer Reihe von dessen Grundprinzipien vertraut macht. Außerdem haben sich die Autor*innen damit beschäftigt, ob die Metro in Almaty diesen Prinzipien entspricht, und einige ihrer Defizite benannt.

Die Auswahl des „Leitfadens Barrierefreies Bauen“ erfolgte nicht zufällig, da Expert*innen nach Wegen suchen, die Prinzipien des universellen Designs an die Adaption gesellschaftlicher Objekte – darunter historische Bauten und alte Wohnhäuser – sowie an den Bau und die Rekonstruktion neuer gesellschaftlicher Objekte anzupassen. Ferner war ein Bestand an Entwürfen, Fotos und anderen Illustrationen entscheidend. Neben der Übersetzung in zwei Sprachen wurde eine angepasste Version des Handbuchs für eingeschränkt sehfähige und blinde Menschen, eine schwarz-weiße und eine blaue Variante mit genauer Beschreibung von Schemas und Entwürfen nach dem Protokoll und einer Beratung durch blinde Menschen – also potenzielle  Nutzer*innen des genannten Angebots – ausgearbeitet. Diese Variante ist mithilfe einer speziell angepassten Anwendung nutzbar.
 
Alle oben genannten Filme und Handbücher findet ihr unter den folgenden Links:
Die Filme wurden auf den Projektseiten „Barrierefreies Kasachstan“ in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook veröffentlicht:
https://www.facebook.com/doskazkz/videos/205196191295093
https://www.facebook.com/doskazkz/videos/524673485170812
 
2. Ein Film zum universellen Design in zwei Sprachen auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=p3_jRGGIl00
https://www.youtube.com/watch?v=ZZgv5VA7mns
 
3. Leitfäden zu Barrierefreiheit und universellem Design, aus dem Deutschen übersetzt ins Russische und Kasachische, sowie eine adaptierte Version für eingeschränkt sehfähige Menschen:
http://ef-ca.kz/resursy/posobiya/
 
 

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