Ausstellung Darstellung/Vorstellung

Darstellung/Vorstellung Foto:©Uschi Huber

Mi, 30.10.2019 -
So, 01.12.2019

Almaty

Eröffnung der Ausstellung: 30.10.2019 um 19:00

In seinem Programm zeigt das Institut für Auslandsbeziehungen mehrere Ausstellungen zur zeitgenössischen Fotografie, die sich unterschiedlichen Aspekten dieser Kunstform widmen: Die Ausstellung ›Distanz und Nähe‹ beschäftigt sich mit der Fotografie von Hilla und Bernd Becher und ihren Schülern, ›Die Welt als Ganzes‹ zeigt Reportagefotografie für deutsche Zeitschriftenmagazine und ›Bildermode-Modebilder‹ stellt aktuelle Modefotografie aus Deutschland vor. Die gegenwärtige Ausstellung präsentiert ein Phänomen, das der Kurator Thomas Weski als das ›dokumentarische Moment‹ in der Fotografie bezeichnet. Sie geht von der Überlegung aus, dass sich die Fotografie momentan in einer Phase des Umbruchs von analoger zu digitaler Technik der Bildherstellung befindet, in der ein veränderter Begriff des Dokumentarischen entsteht.
   Die ausgewählten Fotografien entstanden durch Eingriffe beim Fotografieren, durch Motivinszenierung oder Bildbearbeitung am Computer. Die von Roland Barthes noch für die analoge Fotografie postulierte Verbindung zwischen dem Fotografen und seinem Objekt verliert bei dieser Art der Arbeit mit Fotografie ihre Bedeutung. Die Fotografen konstruieren Authentizität, die sich in der Summe von Einzelteilen einer fotografischen Serie oder als Verdichtung verschiedener Aufnahmen zu einem digital bearbeiteten Einzelbild ausdrückt. Die bisher in der Fotografiegeschichtsschreibung dominierende Diskussion um Fake, Fiktion und Wahrheit wird angesichts dieses Verfahrens obsolet.
  Man kann darin einen Verlust an Glaubwürdigkeit der Bilder sehen. Andererseits wissen wir auch, dass in der analogen Fotografie die Manipulation vermeintlich ›dokumentarischer‹ Aufnahmen gang und gäbe war und die Auffassung, bei der Fotografie zeichne die Natur sich selbst mit Licht, ein Aberglaube. Nur die Kriminalfotografie erfüllt das Kriterium des Dokuments im strengstmöglichen Sinn, stellt aber zugleich eine Fotografie ohne weiter gefassten eigenschöpferischen Anspruch dar.
   Die Ausstellung zieht eine Quersumme und führt Werkgruppen von 10 Fotografinnen und Fotografen zu einem Dialog zusammen. Die verschiedenen Ansätze künstlerischer Arbeiten, die den Bezug zur Wirklichkeit untersuchen, werden so vor- und gegenübergestellt und die jeweils individuellen Bildfindungen deutlich gemacht. Trotz verschiedener Produktionsmethoden und bildnerischer Strategien zeigt sich die gemeinsame Formensprache des Dokumentarischen hinter der persönlichen Sehweise und interpretierenden Sicht auf die Wirklichkeit. Das Foto dokumentiert schließlich das Verhältnis des Fotografen zu seiner Welt.
   Die vorgestellten fotografischen Ansätze verbindet das Interesse am gültigen Bild. Die Werke dienen nicht vorrangig der Illustration sozialer, politischer oder anthropologischer Themen. Es geht ihnen weniger um eine Darstellung der Wirklichkeit, als vielmehr um eine gedanklich begründete Vorstellung von Welt und um deren Anschaulichkeit in gleichnishaft aufgeladenen Bildern. Dadurch können in der Wirklichkeit gefundene Bildaussagen verstärkt, zugespitzt oder eine gänzlich neue, artistische Wirklichkeit erschaffen werden. Bisher stand diese Möglichkeit der Bildkonstruktion nur den Malern offen.
   Ob die Fotos analog oder digital entwickelt werden, hängt vom Motiv, der gewünschten Aussage und von den persönlichen Vorlieben des Künstlers ab. In jedem Fall ist der Betrachter gefordert, beim erkennenden Hinsehen das eigene assoziative Mittun an der Konstruktion künstlerischer Wirklichkeiten zu bedenken. Der Betrachter der individuellen Bildfindungen steht im Brennpunkt der Ausstellung. Er versucht, die Konstruktion zu dechiffrieren, immer im Besinnen zwischen Erkennen und Verwerfen, Staunen und Faszination, Glauben und Zweifel.
  Mein Dank gilt allen Künstlerinnen und Künstlern für die Begeisterung in der Sache sowie für ihr hingebungsvolles und unermüdliches Interesse am gemeinsamen Vorhaben. Thomas Weski danke ich für seine kenntnisreiche und sichere Auswahl und für den sachkundigen Text, der die ausgestellten Werke beleuchtet.

Ursula Zeller

 

 

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