61. Internationale Arabische Buchmesse Beirut Schritthalten mit den "Winds of Change"?

Internationale Arabische Buchmesse Beirut
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Unter der Schirmherrschaft des Arabischen Kulturklubs fand vom 30. November bis zum 13. Dezember 2017 die 61. Internationale Arabische Buchmesse in Beirut statt. Ausrichtungsort der in Kooperation mit dem libanesischen Verlegerverband organisierten Messe war das Beirut International Exhibition and Leisure Center (BIEL).
Neben etwa 160 libanesischen Verlagen waren bei der Messe zudem 65 Verlagshäuser aus dem Ausland vertreten. Einige Golfstaaten hingegen glänzten dieses Jahr mit Abwesenheit. Wie üblich wurde die Buchmesse von einem Begleitprogramm kultureller Veranstaltungen flankiert. So war die Ukraine anlässlich des 25. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Libanon der diesjährige Ehrengast.

Beirut als arabische Verlagshauptstadt

Schon seit geraumer Zeit kommt Beirut eine zentrale Rolle in der arabischen Verlagslandschaft zu. Ein Drittel der Buchproduktion in der arabischen Welt findet hier statt, was angesichts der geographischen Ausdehnung dieser Region beträchtlich ist. Aufgrund des dauerhaften Kriegszustandes in Syrien und der daraus resultierenden Instabilität des dortigen Absatzmarktes haben viele syrische Verlage einen Teil ihrer Aktivitäten in den Libanon verlagert, beispielsweise Druck, Vertrieb und selbst die laufenden Tagesgeschäfte.

Die Internationale Arabische Buchmesse in Beirut ist eine der ältesten in der arabischen Welt. Zum ersten Mal wurde sie im Jahr 1956 von einem Komitee des Arabischen Kulturvereins in den Räumlichkeiten der Amerikanischen Universität Beirut organisiert. Zeitweise fand sie dann im UNESCO-Palast statt, um schließlich ins BIEL umzuziehen. Trotz der Konkurrenz durch andere Veranstaltungen, wie etwa die Internationale Buchmesse in Sharjah (VAE), deren Fachprogramm insbesondere Verleger anspricht, bleibe die Messe in Beirut für die arabische Messelandschaft wichtig, betonen viele libanesische und syrische Verlage. Wenn es ihr gelinge, mit den "Winds of Change" in der Region Schritt zu halten, werde sie sich als ein wichtiger Treffpunkt von Verlegern und Leserschaft aus dem Libanon und den Nachbarländern behaupten.

Viele Neuerscheinungen – wenig junge Erwachsene

Dieses Jahr wurden auf der Messe mehr als dreißig Neuerscheinungen vorgestellt, etwa von der Libanesin Hoda Barakat, dem Algerier Waciny Laredj und der Palästinenserin Sahar Khalifeh. Darüber hinaus waren Übersetzungen zahlreich vertreten.

Den Großteil der Messebesucher machten Familien und Schulklassen aus, wohingegen die Teilnahme junger Erwachsener begrenzt blieb. Möglicherweise lag der Grund hierfür im dürftigen Begleitprogramm, das abgesehen von Lesungen und Diskussionsveranstaltungen speziell für Kinder und Jugendliche, wenig zu bieten hatte. Einige wenige Veranstaltungen für diese Zielgruppe wurden von Institutionen organisiert, die französischsprachigen Schulen vertraten etwa die Agentur für französischen Unterricht im Ausland (AEFE).

Einige Teilnehmer erklärten die geringe Beteiligung auch mit dem Ausstellungsort, der relativ weit vom Stadtzentrum entfernt liegt. Deswegen wollen die Organisatoren versuchen, die nächste Messe an einem zentralen Ort stattfinden zu lassen, der für die Öffentlichkeit besser erreichbar ist.

Raubdrucke und der Schutz geistigen Eigentums

Besonders trieb die Verleger das Thema Raubdrucke und der Schutz geistigen Eigentums um und zwar gleichermaßen von arabischen Werken und von Übersetzungen. Trotz Bemühungen der Verlage, ihre Bücher und Autoren zu schützen, tauchten auf der Messe einige Raubdrucke auf – eine Tatsache, die sich negativ auf die Buchpreise, die Verkaufszahlen und den Buchmarkt insgesamt auswirkte. Meist sind es Bestseller, wie etwa die Bücher von Elif Shafak oder Dan Brown, die illegal nachgedruckt werden. Aber auch Titel, die renommierte Preise gewonnen haben wie etwa den arabischen Booker-Preis, sind für Raubdrucker interessant, da in beiden Fällen von gehobenen Preisen und einer großen Nachfrage auszugehen ist. Um diesem Problem zu begegnen, kooperieren einige libanesische Verleger mit ausländischen Verlagen, die Lizenzausgaben zu reduzierten Preisen auf die Märkte im Ausland bringen.

Auch wenn die Produktion und der Vertrieb von E-Books im Vergleich zu gedruckten Büchern deutlich günstiger sind und sich bei ihnen das Problem der Zensur nicht in gleicher Weise stellt, werden sie in der arabischen Welt bisher nur wenig nachgefragt. Grund hierfür sind Schwierigkeiten mit der Zahlung im Internet sowie die mangelnden Vertrautheit der arabischen Leserschaft mit diesem Medium.

Goethe-Institut: Präsenz im Begleitprogramm

Da Deutschland auf der Messe nicht mit einem eigenen Pavillon vertreten war, bemühte sich das Goethe-Institut Libanon durch das Begleitprogramm Präsenz zu zeigen. In diesem Zusammenhang organisierte das Institut ein offenes Treffen für libanesische Verleger und ihre Kollegen aus arabischen Ländern, die anlässlich der Messe angereist waren. Dabei wurden sie über verschiedene Fördermöglichkeiten, die seitens des Instituts für Übersetzungen aus dem Deutschen ins Arabische angeboten werden, in Kenntnis gesetzt. Zusätzlich zum allgemeinen Förderprogramm ist momentan auch eine Unterstützung im Rahmen des Litrix-Programms möglich, welches sich im Zeitraum 2015-2018 an die arabische Welt richtet.

Nachdem sich die anwesenden Verlegerinnen und Verleger über die Bewerbungsbedingungen für diese Programme informiert hatten, wurde der Raum für andere Themen geöffnet. Hierbei kamen Probleme der libanesischen Verlage bei der internationalen Vermarktung ihrer Bücher wie beispielsweise Zensur und Raubdrucke zur Sprache. Zudem wurde auf arabische Übersetzungen von Kinderbüchern eingegangen, die für den Libanon aufgrund der regen Übersetzungstätigkeit aus dem Französischen keinesfalls ein neues Phänomen darstellen. Einige äußerten grundsätzliche Vorbehalte gegenüber diesen Kinderbüchern und verwiesen auf die Angst der Eltern, sie könnten lokalen Werten und Sitten widersprechen. Andere betonten hingegen, dass man jedes Buch, sei es nun übersetzt oder nicht, einzeln bewerten müsse. Zudem seien Übersetzungen, die im Regal neben arabischen Kinderbüchern stehen, eine Bereicherung für jedes Kind.