Internationaler Hilfsfonds

Bewerbungen von zwei libanesische Kulturinstitutionen für den Internationalen Hilfsfonds 2020 für Organisationen in Kultur und Bildung ausgewählt. Der Fonds wurde als Reaktion auf die Covid-19 Pandemie ins Leben gerufen.

Die Projekte von Metropolis Cinema Assoziation und Zoukak Theater Company wurden aus weltweit mehr als 140 Bewerbungen ausgewählt. Beide Institutionen stärken durch die vorgeschlagenen Initiativen die institutionelle Resilienz sowie Reichweite ihrer Programme.

Der Internationale Hilfsfonds, eine gemeinsame Initiative des Auswärtiges Amtes, des Goethe-Instituts und weitere Mittelorganisationen, wurde als direkte Reaktion auf die Covid-19 Pandemie eingerichtet. Durch den Fonds werden Kultur- und Bildungsorganisationen in Ländern unterstützt in welchen kaum Möglichkeiten zur Unterstützung von kulturellen Akteuren zur Bewältigung der Krise und deren Auswirkungen existieren. Die ausgewählten Projekte werden im Zeitraum September 2020 bis Dezember 2020 umgesetzt.

  • Die Ausschreibung des Fonds richtete sich an unabhängige Organisationsstrukturen die seit langem auf lokaler Ebene tätig sind und die sich dafür einsetzen, Räume für pluralistische Gesellschaften und künstlerische Freiheit zu schaffen. Projekte konnten bis zu einem Budget von bis zu 25.000 Euro eingereicht werden.
 
  • Der Hilfsfonds leistet eine kurzfristige Finanzierung für Projekte mit einem klar definierten Ziel und Zeitplan für die Instandhaltung, den Wiederaufbau und die Entwicklung von Infrastruktur. Zudem können zusätzliche Kosten für Aktivitäten wie die Anschaffung neuer Geräte oder die Entwicklung neuer digitaler Formate als Reaktion auf die mit der Krise entstandenen Bedürfnisse gefördert werden. Institutionen werden dabei unterstützt ihre Aktivitäten und Projekte unter den Bedingungen der Pandemie fortführen zu können.
Die Projekte von Metropolis Cinema Assoziation und Zoukak Theater Company wurden im Bewerbungsprozess ausgewählt.

Die Metropolis Cinema Assoziation ist eine gemeinnützige Organisation zur Förderung des unabhängigen Kinos im Libanon und in der MENA-Region. Metropolis bietet ein vielfältiges Programm und engagiert sich für die Ausbildung in der Branche, die Erschließung eines jungen Publikums und die Bewahrung des Filmerbes. Auf lokaler und regionaler Ebene fördert Metropolis damit Zugänge zum unabhängigen Film für ein breites Publikum.

Metropolis on Wheels ist ein mobiles Kinoprojekt, welches Indoor- und Open-Air-Filmvorführungen mit anschließenden Diskussionen in verschiedenen Städten und Dörfern des Libanon vorsieht. Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Partnerschaften von Metropolis mit verschiedenen Kultureinrichtungen und Veranstaltungsorten im ganzen Libanon und das Schaffen von Zugängen zum Film für neue Zielgruppen. In Zeiten gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit fördert Metropolis die Dezentralisierung mit einem flexiblen Programm welches sich entsprechend den neuen Herausforderungen bewegen, verändern und anpassen kann. Die Diskussionsrunden im Anschluss an die Filmvorführungen stärken das Kino als einen Raum für kollektive Erfahrung des Dialogs und des Austausches.
 
Die Zoukak Theater Company wurde 2006 als nicht-hierarchische Struktur gegründet. Zoukak versteht seine Theaterpraxis als soziales und politisches Engagement und das Theater Ort für gemeinsame Reflexion und kollektive Position gegen marginalisierende Systeme. Die Theaterkompanie positioniert sich durch direkte Aktionen innerhalb marginalisierter Gemeinschaften und damit außerhalb der dominanten Diskurse.

Recovery of Zoukak Studio ist eine direkte Reaktion auf die Explosion im Zentrum Beiruts am 4. August 2020 – das Studio Zoukak liegt nur einen Kilometer von der Explosionsstelle entfernt. Die Theaterkompanie unterstreicht in ihrem Projektvorschlag den Stellenwert von Kultur, gerade in Zeiten schwerer sozialer Krisen, und ihre Relevanz vis-a-vis humanitärer Hilfe und der Restaurierung des Kulturerbes. Kultur ermöglicht eine Vielzahl von Erzählungen sichtbar zu machen, die den Bewohner*innen dabei helfen kann zu bleiben, zu träumen, zu fühlen, zu arbeiten und zu leben. Das Team hat eine Initiative entwickelt, die das Studio an der Schnittstelle verschiedener Aktionspfade positioniert und von drei Hauptleitlinien geleitet wird; erstens soll ein sicherer Raum für Gruppen aus der Zivilgesellschaft geschaffen werden, in dem diese sich versammeln und ihre nächsten Aktionen planen können; zweitens soll ein Zentrum für psychologische Unterstützung der Betroffenen mit den Möglichkeiten der Theatertherapie geschaffen werden, drittens soll ein Raum für das künstlerische Schaffen von assoziierten Künstler*innen von Zoukak, angehenden Theatermacher*innen und jungen Auszubildenden entstehen.
 
Der Internationale Hilfsfonds für Organisationen in Kultur und Bildung 2020 wurde auf Initiative des Auswärtigen Amts und des Goethe-Instituts gemeinsam mit Partnern eingerichtet, die sich hierfür in einem Konsortium zusammengefunden haben. Das Auswärtige Amt stellte die Grundfinanzierung von drei Millionen Euro zur Verfügung, das Goethe-Institut koordiniert den gesamten Fonds mit einem mehrköpfigen Team. Zahlreiche Kulturorganisationen und private Stiftungen aus Deutschland haben ebenfalls Mittel zur Verfügung gestellt oder beteiligen sich mit eigenen Projekten, darunter das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, die Deutsche UNESCO-Kommission, die S. Fischer Stiftung, die Stiftung Mercator, die Robert Bosch Stiftung, die Siemens Stiftung sowie das Goethe-Institut.

Der Internationale Hilfsfonds ist eine Initiative von:
AA + GI D

Konsortialpartner sind:
Bosch + Fischer-01