Der Geschmack von Zement
Deutsche Filmwoche 2018

16.09.2018 | 20:00 Uhr
Metropolis Empire Sofil – Ashrafieh, Beirut 


Über eine Million Menschen flüchteten vor dem Krieg aus Syrien in den Libanon. Viele von ihnen leben als Arbeiter auf Beiruts Großbaustellen, während jenseits der Grenze ihre Häuser in Trümmer gebombt werden. Die Nächte verbringen sie in einem Kellerloch unterhalb der Baustelle; für Flüchtlinge gilt nach 19 Uhr eine Ausgangssperre. Von der Heimat abgeschnitten, versammeln sie sich jeden Abend vor einem kleinen Fernseher, um Nachrichten aus Syrien zu erhalten. Ziad Kalthoum findet in seinem formal konsequenten und fein komponierten Film eine nachhaltig beeindruckende visuelle Übersetzung für das Gefühl, ohne die Möglichkeit einer Rückkehr in einer von Kriegen zerrütteten Welt im Exil zu leben.

 Quelle: 68. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

Szene "Der Geschmack von Zement" Der Geschmack von Zement | © Talal Khoury

Über den Regisseur

Ziad Kalthoum wurde 1981 in Homs, Syrien, geboren. Er studierte Film in Moskau und wirkte als Regieassistent an mehreren Filmen, Serien und Fernsehprogrammen mit. Sein erster Kurz-Dokumentarfilm "Aydil" ("Oh, my Heart", SY 2011) porträtierte eine Gruppe kurdischer Frauen, die beschlossen haben, in einer Gesellschaft ohne Männer zu leben. Während des Ausbruchs der syrischen Revolution 2012 begann Kalthoum mit der Arbeit an seinem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm: In "Al-Rakib Al-Khaled" ("The Immortal Sergeant", SY 2012) schilderte er die Schizophrenie seines eigenen Alltags zwischen obligatorischem Militärdienst und zivilem Job als Regieassistent bei einer großen Filmproduktion. "Al-Rakib Al-Khaled" feierte 2014 beim Internationalen Filmfestival von Locarno Weltpremiere und lief auf weiteren internationalen Festivals; beim BBC Arabic Festival in London erhielt er 2015 einen Preis in der Kategorie "Feature Documentary".

Bereits lange vorher, direkt nach der Fertigstellung von "Al-Rakib Al-Khaled", war Kalthoum 2012 aus der syrischen Armee desertiert und zunächst in den Libanon geflüchtet. Kurz darauf ging er nach Berlin.

Als deutsch-arabische Koproduktion realisierte er ab 2015 den Dokumentarfilm "Taste of Cement - Der Geschmack von Zement", über die Situation von syrischen Flüchtlingen im Libanon, die dort unter prekären Bedingungen auf Großbaustellen arbeiten. Der Film hatte 2017 beim Festival Visions du Réel in Nyon, Schweiz, seine Uraufführung und wurde dort mit dem Grand Prix als Bester Langfilm ausgezeichnet. Zahlreiche weltweite Festivalteilnahmen und Auszeichnungen folgten. Beim Deutschen Filmpreis 2018 war "Taste of Cement - Der Geschmack von Zement" als Bester Dokumentarfilm nominiert. Im Mai 2018 startete er in den deutschen Kinos.