Max-Ophüls-Preis Im Westen viel Neues

Gabriella Bandel und Philipp Bräuer, die Künstlerischen Leiter des Max-Ophüls-Festivals.
Gabriella Bandel und Philipp Bräuer, die Künstlerischen Leiter des Max-Ophüls-Festivals. | Foto (Ausschnitt): © Sebastian Woithe

Das Festival Max-Ophüls-Preis findet jährlich Ende Januar in Saarbrücken statt. Seit 1980 setzt es auf den Nachwuchs, erklären die Festivalleiter Philipp Bräuer und Gabriella Bandel.

Viele Festivals in Deutschland haben sich „Nachwuchsarbeit“ auf die Fahne geschrieben. Was macht die besondere Positionierung des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis aus?

Philipp Bräuer: Wir setzen die Nachwuchsarbeit am konsequentesten um. In unserem Programm zeigen wir ausschließlich Nachwuchsfilme. Das ist ganz klar unser Fokus.

Gabriella Bandel: Wir schaffen die Möglichkeit, Entdeckungen im Nachwuchskino des deutschsprachigen Raums zu machen. Wenn das für die Besucher effizient sein soll, muss man ein konzentriertes Programm anbieten. Wir haben deshalb beispielsweise die fremdsprachigen Filme aus dem Programm genommen.

Was waren Ihre persönlichen Highlights in diesem Jahr?

P. B.: Ich habe mich besonders darüber gefreut, wie unsere Ehrengäste Corinna Harfouch und Benno Fürmann die entspannte Atmosphäre des Festivals genossen haben. Beide haben sich sichtlich wohl gefühlt – und bis in die frühen Morgenstunden im Festivalcafé angeregte Gespräche mit den Festivalbesuchern geführt.

G. B.: Bei uns gibt es keine VIP-Lounges, wir initiieren einen kreativen Dialog auf Augenhöhe zwischen allen Gästen des Festivals – Profis, Nachwuchs, Kinofans. Und dass das so gut funktioniert, macht mich als Gastgeberin glücklich.

Jungen Filmemachern eine nachhaltige Plattform bieten

Sie beide sind seit 2008 die Leiter des Festivals. Wie haben Sie das Festival in dieser Zeit strategisch weiterentwickelt?

Festivalplakat Festivalplakat | © www.tayloring.com G. B.: Neben der bereits erwähnten konsequenten Nachwuchs-Fokussierung haben wir einen starken Akzent auf den Ausbau der Branchentage gesetzt. Gestartet mit einem "Speeddating", das auch heute noch wichtiger Bestandteil ist, haben wir die Branchentage beispielsweise um Masterclasses und Pitchings erweitert. Wir bieten damit den jungen Filmemachern eine nachhaltige Plattform, um sich weiterzubilden und konstruktiv zu vernetzen.

P. B.: Die Branchentage werden übrigens nicht nur vom Nachwuchs gut angenommen – auch etablierte Regisseure sowie Redakteure und Verleiher kommen gern und regelmäßig, manche sogar gezielt deswegen. Darüber hinaus haben wir den „Ehrenpreis“ ins Leben gerufen, der es uns ermöglicht, Personen auszuzeichnen, die – wie Gabriele Pfennigsdorf, stellvertretende Geschäftsführerin des Film-Fernseh-Fonds Bayern und die Preisträgerin 2014 – seit Jahren engagiert Nachwuchsfilmemacher unterstützen.

Die Themen der letzten Jahre haben sich verändert

Wie heißt es doch – „Das erste Mal vergisst man nicht ...!“ Halten Regisseure, die ihre ersten Filme bei Ihnen zeigen konnten, dem Festival die Treue?

G. B.: Dafür haben wir zahlreiche schöne Beispiele wie Isabell Šuba, die dieses Jahr mit ihrem Langfilmdebüt Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film gewonnen hat.

P. B.: Oder Nico Sommer – Gewinner des Preises der Saarländischen Ministerpräsidentin für Familienfieber – der auch in der Vergangenheit schon bei uns im Kurzfilmprogramm war.

In Ihrem Programm findet sich auch ein Wettbewerb für mittellange Filme (35 bis 60 Minuten). Ein Format, das es in der kommerziellen Auswertung sehr schwer hat. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

G. B.: Ich beobachte immer mehr, dass dieses Format an den Filmhochschulen an Bedeutung gewinnt. Es ist besonders für die Talentscouts aus Produktion und Redaktion interessant – kann man hier doch schon erkennen, ob ein Regisseur auch in der Lage ist, längere dramatische Strukturen zu inszenieren.

P. B.: Darüber hinaus ist es inhaltlich spannend zu sehen, wie sich die Themen in den letzten Jahren verschoben haben. Waren es früher Dramen zu Coming-of-Age-Themen oder Migration, wagen sich jetzt die Filmemacher viel freier an das ganze Spektrum heran. Das zeigt auch das Liebesdrama Love Steaks von Jakob Lass, der Gewinner des Max-Ophüls-Preis 2014. Interessant ist auch, dass der Dokumentarfilm in unserem Programm zunehmend an Raum gewonnen hat. Die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilmästhetik lösen sich ja auch innerhalb der Genres immer mehr auf.

Eine Budgetaufstockung wäre wichtig

Wie viele Zuschauer kamen denn im Jahr 2014?

P. B.: Über 42.000 Besucher – quer durch alle Altersgruppen. Zu uns kommt eben nicht nur das junge Kinopublikum, sondern es gibt auch gerade ältere Besucher, die sich eine Woche frei nehmen und jeden Tag ins Kino gehen.

Wie wichtig ist der lokale Aspekt?

G. B.: Wir fühlen uns dem Standort Saarland und dem Grenzland Frankreich natürlich besonders verbunden. So haben wir auch eine deutsch-französische Jugendjury.

P. B.: Unser Programm-Spektrum geht allerdings deutlich darüber hinaus – wir zeigen Filme aus ganz Deutschland sowie deutschsprachige Filme aus Österreich und der Schweiz.

Was wünschen Sie sich für die kommende Ausgabe Ihres Festivals?

P. B.: Unser Budget ist seit 2003 auf dem gleichen Stand. Bedenkt man die Inflationsquote und die deutlich höhere Anzahl an Filmen in unserem Programm, ist klar, dass wir – obwohl wir die Einnahmen steigern konnten – unterfinanziert sind. Um unseren hohen Standards auch in der Zukunft zu entsprechen, wäre eine Budgetaufstockung sehr nötig.

G. B.: Wir arbeiten seit vielen Jahren mit sehr motivierten Mitarbeiter, die sich weit über das Übliche hinaus engagieren. Die würden wir gern fair entlohnen. Dafür benötigen wir eine Finanzierung, die mehr als bisher auch langfristig und verlässlich ist.