schule@museum Initiative für die Zusammenarbeit von Schulen und Museen

schule@museum – Bildungspartnerschaften gestalten 2009-2011: Unterricht kann auch im Museum stattfinden, Projekt: Schule im Museum, Altenburg
schule@museum – Bildungspartnerschaften gestalten 2009-2011: Unterricht kann auch im Museum stattfinden, Projekt: Schule im Museum, Altenburg | Foto: Lindenau-Museum Altenburg

Kulturelle Bildung ist „für die Würde des Menschen und für die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich“, so formulieren es die Vereinten Nationen in Artikel 22 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Doch Kultur braucht verständnisvolle Heranführung und Zeit für eigenes Entdecken und Erkennen. Kultur braucht kulturelle Bildung. In Deutschland haben längst nicht alle jungen Menschen die Chance Kultur kennenzulernen. Kulturnahe oder -ferne der Eltern, gesellschaftliche Schicht und soziale Bedingungen definieren immer noch weitgehend die kulturelle Kompetenz jedes einzelnen Kindes.

Die Frage lautet also: Wie können alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen an Kultur herangeführt werden? Der Königsweg führt hierbei wohl über die Schulen, denn nur hier können alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen erreicht werden.

Doch die Realität sieht anders aus: Im schulischen Alltag kommt kulturelle Bildung oft angesichts dichter Curricula und Zeitknappheit zu kurz. Wenn überhaupt, dann findet Kultur vielerorts beim eintägigen Schulausflug vor den großen Ferien statt. Besser als nichts, hinterlässt ein solches Kulturerlebnis zwischen Fresspaket und Fußballkick jedoch meist keinen größeren oder nachhaltigen Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern. Die Wirkung, die Kultur haben könnte, verpufft.

Starke Partner in einem starken Netzwerk

Hier setzte die Initiative schule@museum bei ihrer Gründung 2004 an: Drei Interessensverbände, der BDK-Fachverband für Kunstpädagogik, der Bundesverband Museumspädagogik und der Deutsche Museumsbund, wollten gemeinsam Ideen und Projekte umsetzen, die langfristige bzw. dauerhafte Kooperationen zwischen den Institutionen Schule und Museum initiieren, fördern oder stärken.

An die Seite der Fachverbände gesellten sich im Laufe der acht Jahre weitere Partner: Anfänglich die PwC-Stiftung, die Kulturstiftung der Länder sowie die Robert-Bosch-Stiftung, dann die Bundeszentrale für politische Bildung und die Stiftung Mercator. Sie unterstützten die Initiative finanziell und inhaltlich.

schule@museum konkret – Ein Rückblick auf vier Projektphasen

In vier unterschiedlichen Projektphasen rief schule@museum Museen und Schulen zur Bildung von Kooperationen auf: Zunächst wurden in einer bundesweiten Pilotphase unter dem Motto „schule@museum: virtuell und interkulturell“ acht Museen aus ganz Deutschland intensiv bei ihrer Zusammenarbeit begleitet. Von November 2004 bis Juli 2005 erarbeiteten Schülerinnen und Schüler verschiedener Schularten und Klassenstufen in den Partnermuseen Multimediapräsentationen zum Themenschwerpunkt Interkulturalität.

„Multimedia“ – symbolisiert durch das @ im Namen von schule@museum – wurde als Medium der museumspädagogischen Arbeit gewählt, um die Hemmschwelle von Kinder und Jugendlichen im Museum mit einem ihnen vertrauten und von ihnen geschätzten Arbeitsmittel zu senken. Gleichzeitig sollten sie durch die Medientechnik die Möglichkeit erhalten, mit Museumsobjekten zu arbeiten, mit ihnen zu spielen, sie zu verfremden, sie künstlerisch weiterzuentwickeln – also etwas zu tun, was mit den echten Objekten nicht möglich ist. Durch das Programm sollten sie von Betrachtern zu Akteuren werden.

Auf dieser Basis wurde in einem zweiten Schritt 2005/2006 ein thematisch offener bundesweiter Wettbewerb mit dem Titel „Experimente bitte!“ ausgerufen, an dem insgesamt über 1800 Schülerinnen und Schüler von 5 bis 21 Jahren mit 56 Beiträgen teilgenommen haben. In Kooperation mit einem Museum erarbeiteten sie im Unterricht und in ihrer Freizeit ausgehend von einem Museumsobjekt ein selbstgewähltes Thema und setzten es multimedial für den Computer oder das Internet um.

Bei den ersten beiden Runden von schule@museum hatten sich hauptsächlich „große“ Projekte, die Lehrern und Museumspädagogen viel Zusatzarbeit abnötigten, beworben. Um die Beteiligungsschwelle niedriger zu hängen, boten die beteiligten Projektpartner zusammen mit ihrem neuen Partner, der Bundeszentrale für politische Bildung, 2007/2008 mit „1000xHeimat“ eine Web-2.0-Plattform. Die Kinder und Jugendlichen – diesmal konnte sich auch als Einzelperson beteiligt werden – waren eingeladen, im Internet ein virtuelles Heimatmuseum aus ihrer Sicht aufzubauen. Dazu sollten sie Objekte aus einem Museum, die sie mit dem Begriff Heimat in Verbindung brachten, auswählen und fotografieren. Die Bilder wurden auf die Website www.1000xHeimat.de ins Netz hochgeladen und mit einem Kommentar versehen, um so ihre Vorstellung von Heimat mit anderen zu teilen.

Mit der letzten Projektphase „schule@museum – Bildungspartnerschaften gestalten 2009-2011“ wollten die Initiatoren langfristige Kooperationen zwischen Schulen und Museen stärker in den Mittelpunkt rücken. Anhand von Modellprojekten aus dem ganzen Bundesgebiet und den Erfahrungen der bisherigen Phasen von schule@museum war das Ziel, langfristige Formen der Zusammenarbeit zu erproben und die Erkenntnisse anderen Schulen und Museen zur Verfügung zu stellen. In allen Modellprojekten lernten die Schülerinnen und Schüler die oft noch unbekannte Institution Museum kennen, schauten hinter die Kulissen der Museumsarbeit und beschäftigten sich intensiv mit den jeweiligen Themen und Aufgabenstellungen.

schule@museum – Erkenntnisse und Forderungen

So regte schule@museum in verschiedenen Formaten – Pilotphase, Wettbewerb, Web- 2.0-Plattform, intensiv begleitete Modellphase als „think tank“ – immer wieder neue Formen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Schulen und Museen an. Im November 2011 fand die Initiative mit einer Veranstaltung im Deutschen Historischen Museum in Berlin ihren Abschluss.

Zum Ende der jahrelangen intensiven Zusammenarbeit präsentierten die beteiligten Partner eine Zusammenfassung ihrer Erkenntnisse im Rahmen einer Handreichung des Deutschen Museumsbundes. Sie enthält Hinweise zu Rahmenbedingungen, Erfolgsfaktoren und Methoden für die praktische Umsetzung von Kooperationen sowie eine Reihe von Forderungen an Kultur, Politik und Gesellschaft.
 

Monika Dreykorn ist Historikerin und Germanistin (Staatsexamen). Von 2004 bis 2011 koordinierte Monika Dreykorn für den Deutschen Museumsbund, den Bundesverband Museumspädagogik und den BDK-Fachverband für Kunstpädagogik die langjährige bundesweite Initiative schule@museum. In diesem Rahmen setzte sie als Projektkoordinatorin unter anderem einen Multimedia-Wettbewerb, ein Web 2.0-Projekt sowie eine dreijährige Intensivbegleitung von 15 Einzelprojekten im gesamten Bundesgebiet um.