Justas Paleckis im Interview „Besonders nützlich finde ich Fernsehsendungen in fremden Sprachen mit Untertitelung“

Justas Paleckis
Justas Paleckis | © privat

Justas Paleckis, Abgeordneter des Europäischen Parlaments und Mitglied der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Außer meiner Muttersprache spreche ich Russisch, Deutsch und Englisch. Ich kann mich auch auf Polnisch verständigen und Texte zu vertrauten Themen auf Französisch lesen.

Wie haben Sie diese Sprachen gelernt?

Der Unterricht in der Schule und Universität hat mir nicht viel gebracht; umso mehr habe ich in der Praxis gelernt.

Wie lernen Sie am liebsten? Was ist Ihre Empfehlung für das Fremdsprachenlernen?

Am liebsten lerne ich Sprachen, indem ich Radio, Kassetten oder CDs in diesen Sprachen höre. Vor zig Jahren gab es mal eine Radiosendung Special English vom amerikanischen oder britischen Rundfunk; der Sprecher las die Nachrichten besonders langsam vor und akzentuierte jedes Wort einzeln. Die Sendung hat mir sehr geholfen. Besonders nützlich finde ich auch Fernsehsendungen in fremden Sprachen, besonders wenn sie in einer Sprache untertitelt sind, die ich verstehe. Das litauische Fernsehen zeigt Filme auf Litauisch synchronisiert. In Estland werden die Filme im Original mit estnischen Untertiteln gezeigt. Darum lernen die Leute dort besser Fremdsprachen. Wer eine Sprache lernen will, dem rate ich, beim Spazieren gehen, im Zug oder im Auto immer die Fremdsprache im Kopfhörer bei sich zu haben.

Haben Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse schon einmal praktisch verwendet?

Keine Fremdsprachen zu können – das ist heute schon gleichbedeutend mit einer Behinderung, wenn man es mit Ausländern zu tun hat, und das betrifft jede Art von Arbeit, die mit dem Ausland zu tun hat. Und davon gibt es immer mehr.

Was bedeutet Mehrsprachigkeit für Sie?

Mehrsprachigkeit kennzeichnet nicht nur gebildete, kultivierte Menschen. Ich denke da an einen Ausspruch, der Karl Marx zugeschrieben wird: so viele Sprachen, wie man kann, so viele Male ist man Mensch.

Haben Sie Lieblingswörter in anderen Sprachen?

Im Deutschen gefällt mir das Wort Donnerwetter – ein milder Ausdruck, wenn einem mal etwas misslingt. Im Englischen mag ich das Wörtchen well – es bedeutet gar nichts, macht aber immer Eindruck.

Welche Sprachen mögen Sie am liebsten? Warum?

Alle Sprachen sind auf ihre Art schön. Besonders melodiös finde ich Italienisch, auch wenn ich nur wenige Worte sagen kann.

Verbinden sich Ihre Fremdsprachen für Sie mit bestimmten Empfindungen?

Wenn man Literatur in einer Fremdsprache liest, eröffnen sich einem ganz neue Nuancen der Wörter, die einem in der Muttersprache nicht immer so vor Augen stehen.

Welche Sprachen möchten Sie noch lernen?

Ich möchte wenigstens eine romanische Sprache wirklich gut sprechen.

Finden Sie eine bestimmte Sprache schwieriger als andere?

Eine Sprache, die man schon als Kind lernt, kann man sich in der Regel ganz ohne Schwierigkeiten aneignen. Jungen Leuten fällt das Sprachen lernen leicht, aber mit jedem Jahrzehnt wird es schwieriger. Aber ich glaube, wirklich schwer sind die Sprachen, die ein anderes Alphabet oder Schriftzeichen benutzen.

Was empfehlen Sie der jungen Generation?

Sich mit sprachkundigen Freunden einmal nicht auf Litauisch zu unterhalten, sondern in der jeweiligen Fremdsprache – wenigstens eine halbe Stunde oder eine Stunde pro Tag.