Violeta Urmana im Interview „Ich mag eine Sprache umso lieber, je besser ich sie sprechen kann“

Violeta Urmana
Violeta Urmana | © Christine Schneider

Violeta Urmana, Opernsängerin, ist auf den berühmtesten Bühnen der Welt zu Hause.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Ich spreche Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Polnisch und außerdem Spanisch und Französisch; letztere aber noch nicht so gut.

Wie haben Sie diese Sprachen gelernt?

Russisch habe ich in der Schule gelernt; dort wurde aber den Fremdsprachen – in meinem Fall war es Englisch – nicht so viel Bedeutung beigemessen und nicht so viele Stunden unterrichtet. Polnisch habe ich aus dem polnischen Radio und Fernsehen gelernt. Mit Deutsch habe ich mich schon in Litauen eigenständig beschäftigt, aber wirklich gelernt habe ich es in den ersten zwei Monaten in Deutschland.

Wie lernen Sie am liebsten? Was ist Ihre Empfehlung für das Fremdsprachenlernen?

Zuallererst sollte man sich klarmachen, wie dringend notwendig Fremdsprachenkenntnisse sind. Heutzutage „ziehen“ viele von uns durch die Welt. Sprachen braucht man nicht nur im Alltagsleben, sondern auch im Beruf. Und um sich im Internet Informationen zu beschaffen, sollte man auch möglichst viele Sprachen beherrschen. Meine Methode die Sprachen zu lernen ist wohl nicht ideal. Ich habe mich nie richtig in die Grammatik irgendeiner Sprache vertieft, ich bin Autodidakt. Wenn ich neu in ein Land komme, tauche ich in seine Sprache ein, lese, höre, schmecke und fühle sie. Es wäre natürlich ideal, einen Lehrer zu haben, der mir helfen würde, mir die Grammatik anzueignen. Ich finde es manchmal schwierig, mich auszudrücken, auch wenn ich beim Hören alles ganz gut verstehe.

Haben Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse schon einmal praktisch verwendet?

Als Opernsängerin bereise ich viele verschiedene Länder, ich muss mich mit Regisseuren, Kollegen, Dirigenten, Fans und Journalisten verständigen, die ganz verschiedene Sprachen sprechen. Heute will niemand mehr ständig mit einem Dolmetscher unterwegs sein.

Was bedeutet Mehrsprachigkeit für Sie?

Freiheit und mehr Möglichkeiten.

Haben Sie Lieblingswörter in anderen Sprachen?

Wahrscheinlich schon, aber jetzt fällt mir keines ein … Doch, oft gerate ich ins Nachdenken über irgendein litauisches Wort und staune über seinen ganz besonderen Klang. Dann bitte ich meinen Mann, der Italiener ist, das Wort auszusprechen, und wundere mich jedes Mal von neuem, wie unsere Vorväter auf solche Wörter kommen konnten … So archaisch und besonders … In solchen Momenten empfinde ich Stolz auf die Eigenart der litauischen Kultur.

Welche Sprachen mögen Sie am liebsten?

Außer Litauisch mag ich sehr gern Deutsch. Ich habe gemerkt, dass ich eine Sprache umso lieber mag, je besser ich sie sprechen kann.

Verbinden sich Ihre Fremdsprachen für Sie mit bestimmten Empfindungen?

Wie das Eintauchen in einen Brunnen voller Wissen …

Welche Sprachen möchten Sie noch lernen?

Es wäre gut, wenn ich Japanisch lernte, denn ich habe eine große Schwäche für die japanische Kultur – aber meine Kenntnisse werden wahrscheinlich auf die Speisekarte eines japanischen Restaurants beschränkt bleiben … Im Moment habe ich das Bedürfnis, meine bescheidenen Spanischkenntnisse zu erweitern. Französisch wäre auch gut, aber das ist eine ziemlich schwierige Sprache. Ich kann viele einzelne Wörter verstehen, aber sie beim Sprechen zu Sätzen zusammenzufügen, ist für mich bisher noch aussichtslos …

Finden Sie eine bestimmte Sprache schwieriger als andere?

Wahrscheinlich Chinesisch. Und die anderen asiatischen Sprachen mit ihren eigenen Schriftzeichen, die ich nicht einmal lesen kann. Schon allein in einem japanischen Supermarkt einzukaufen ist fast unmöglich.

Was empfehlen Sie der jungen Generation?

Sich mit Geduld und Fleiß wappnen, dann kann man jede Sprache und jeden Beruf lernen. Heutzutage ist es sinnvoll, schon als Kind Fremdsprachen zu lernen. Als ich zur Sowjetzeit zur Schule ging, hatte ich nicht die geringste Aussicht, je irgendwo ins Ausland zu fahren. Aber ich habe selbständig auf Italienisch Verdis „La Traviata“ gelernt, obwohl es niemand von mir verlangt hat. Der Italienisch-Unterricht am Konservatorium – das waren ärgerliche Plauderstunden, in denen kein einziges italienisches Wort fiel. Auf Polnisch konnte ich Briefe schreiben, das habe ich auch durch meine eigene Neugier gelernt. Polnisches Fernsehen und Radio waren damals unser Fenster zur Welt. Deutsche Vokabeln habe ich jeden Tag selbständig im Bus gelernt. Das kann dir niemand abnehmen. Zuerst muss du investieren, später macht es sich dann bezahlt.