Interview Fünf Fragen an Stipendiatinnen des Goethe-Instituts 2014

Fünf Fragen an Stipendiatinnen des Goethe-Instituts 2014
© Goethe-Institut

Acht Deutschlehrerinnen haben im Schuljahr 2013/2014 Stipendien des Goethe-Instituts für die Teilnahme an Fortbildungsseminaren in Deutschland erhalten. Im Sommer 2014 haben sich die Stipendiatinnen in München, Berlin, Gauting, Bremen und Dresden neues Wissen angeeignet. Zurück in Litauen hat jede von ihnen ein eigenes Seminarmodul ausgearbeitet, das bei der „Stipendiatenbörse“ des Goethe-Instituts am 28. November 2014 präsentiert wurde. Nach der Veranstaltung haben die Stipendiatinnen uns von ihren Eindrücken aus den Seminaren in Deutschland berichtet.

Auf die Fragen des Goethe-Instituts haben Kristina Andriukevičienė (Ugnė-Karvelis-Gymnasium, Akademija, Landkreis Kaunas), Jurgita Eidukonienė (Schule und Multifunktionales Zentrum Keturvalakiai, Landkreis Vilkaviškis), Vilma Palienė (Jesuitengymnasium Kaunas), Ramunė Sarnickienė (Public Service Language Centre) und Anželika Zujeva (Barbora-Radvilaitė-Hauptschule Vilnius) geantwortet. 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich um ein Stipendium des Goethe-Instituts zu bewerben?

Kristina Andriukevičienė: Ich verspüre stets den Wunsch, mich weiter zu bilden, Neues zu erfahren, Deutschland besser kennen zu lernen, und all das ist eben nur über das Stipendium des Goethe-Instituts zu erreichen. 

Jurgita Eidukonienė: Ich wollte meine berufliche Kompetenz erweitern und zugleich meine Deutschkenntnisse verbessern. An der Schule hat man nicht so viele Möglichkeiten, durchgehend auf Deutsch zu kommunizieren. 

Ramunė Sarnickienė: Ich wollte etwas mehr über die Durchführung von Seminaren erfahren, meinen Horizont erweitern und von dem Erfahrungsaustausch mit Kollegen profitieren. Ich wusste, dass das Goethe-Institut vom Inhalt und von der Leitung her exzellente Seminare anbietet.

Für welche Seminare haben Sie das Stipendium bekommen? Aus welchen Gründen haben Sie sich für ein bestimmtes Seminar entschieden?

Jurgita Eidukonienė: Ich nahm am Seminar „Deutsch für Lehrer“ in Dresden teil. In erster Linie fand ich das Thema des Seminars und die Vielfalt der darin angebotenen Aktivitäten ansprechend. Ich wollte an einem Seminar teilnehmen, das sowohl Grammatik als auch Landeskunde, sowohl Literatur als auch Geschichte umfasst. Außerdem war ich sehr erfreut, Dresden besuchen zu können, die Stadt, die man als Wiege der deutschen Kultur bezeichnen kann. 

Vilma Palienė: Ich war im Seminar „Mehr Autonomie für Lerner“ in München. Ich wollte etwas Neues. Und ich habe es bekommen. 

Anželika Zujeva: Mein Seminar hieß „Werbung für Deutsch“. Für mich ist dieses Thema sehr aktuell, da ich jedes Jahr bei den Fünftklässlern für Deutsch werben muss. Ich wollte einerseits wissen, wie es die Lehrer in anderen Ländern handhaben, andererseits wollte ich auch von meinen Leistungen berichten. 

Ramunė Sarnickienė: Seminar „Neues für erfahrene Lehrerfortbilder“. Da ich bereits über gewisse Erfahrung als Seminarleiterin verfüge, wollte ich meine Kenntnisse vertiefen und erweitern, mich von neuen Impulsen und Ideen inspirieren lassen. Ich bin mit meiner Wahl äußerst zufrieden. 

Kristina Andriukevičienė: Ich habe ein Stipendium für das Seminar „Literatur und Film für Jugendliche im DaF-Unterricht“ in München bekommen. Meine Absicht war, mehr über die Anwendungsmöglichkeiten von Kurz- und Spielfilmen im Unterricht sowie die Aufbereitung literarischer Texte für Unterrichtszwecke zu erfahren. Mich haben außerdem die jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet interessiert.

Inwiefern war das Seminar für Sie nützlich? 

Jurgita Eidukonienė: Das Seminar hat alle meine Erwartungen erfüllt. Als Lehrerin habe ich meine Kenntnisse auf verschiedenen Ebenen verbessert. Die Tage vergingen wie im Fluge, weil sie bemerkenswert vielfältig waren: Morgens hatten wir Grammatikunterricht, am Nachmittag Geschichte, Landeskunde, Literatur, Führungen durch Dresden usw. Die Themen an einem Tag waren aufeinander bezogen. Die persönlichen Qualitäten der Seminarleiterin und die Freundlichkeit der Kursteilnehmer haben für eine entspannte Atmosphäre gesorgt, was sich sehr förderlich auf den Lernprozess, die Ergebnisse der Minitests und die Präsentationen der selbstständigen Aufgaben auswirkte. 

Vilma Palienė: Wir haben zahlreiche Methoden kennen gelernt, sie erprobt, beschrieben und die Beschreibungen auf die Lernplattform geladen. Jetzt können wir jederzeit darauf zurückgreifen und alles, was wir in diesen zwei Wochen an Wissen gesammelt haben, weiter verwenden. Wir konnten außerdem Eindrücke von zahlreichen fremden Kulturen gewinnen. Besonders fasziniert war ich von den Lehrerinnen aus Afrika, die in Klassen mit 60-100 Schülern unterrichten müssen. Und keine einzige beklagt sich über die schwierigen Arbeitsbedingungen. 

Die Begegnung mit bayrischer Kultur und Natur war ebenfalls bereichernd. Wir waren am Chiemsee mit seinen zahlreichen Inseln und den goldenen Burgen des Königs Ludwig des II. Unser Reiseführer war einfach hervorragend, er hat uns unheimlich viel über das Leben dieses Königs erzählt. Jetzt kann ich es meinen Schülern weiter vermitteln und ihnen somit mehr geben als nur trockene Geburts- und Todesdaten. 

Wir besuchten Gemäldegalerien, die Alte und Neue Pinakothek, und haben dort Projektarbeiten gemacht. 

Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass wir uns eine Woche vor und nach dem Seminar online darüber austauschen sollten, was wir aus dem Seminarmaterial im Unterricht verwendet haben. 

Das Seminar selbst war aber inhaltlich bis ins Detail ausgereift und insgesamt ausgezeichnet. Danke. Kristina Andriukevičienė: Ich habe von meinem Seminar vielfältig profitiert: umfangreiche neue Erfahrungen gemacht, meinen Horizont erweitert und Süddeutschland (Schloss Neuschwanstein, den Chiemsee und seine Sehenswürdigkeiten, München u. v. m.), das ich sonst nur aus Büchern kannte, leibhaftig erlebt. Außerdem habe ich zahlreiche Kontakte mit den Deutschlehrern in anderen Ländern geknüpft, mit denen wir bereits gemeinsame Projekte planen. Des Weiteren konnte ich zwei Wochen lang Deutsch reden, deutschen Alltag und Lebensstil und deutsche Kultur kennen lernen, unter anderem durch den gemeinsamen Besuch von drei Theatervorstellungen. 

Ramunė Sarnickienė: Ich habe sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse erworben, manche Seminarleitungstechniken vor Ort erprobt und mich von den Vorteilen der Moodle-Plattform überzeugen lassen. Sehr bereichernd fand ich auch den Erfahrungsaustausch mit den Kollegen aus anderen Ländern. Der Kontakt zu den Leitern unseres Seminars war ebenfalls sehr gut und wir tauschten uns sowohl über fachliche als auch interkulturelle Themen aus. Das kulturelle Rahmenprogramm des Seminars war ebenfalls optimal organisiert.

Eine der Teilnahmebedingungen am Stipendienprogramm war die Bereitschaft der Kandidaten, die Seminarerfahrung und die erworbenen Kenntnisse mit Kolleginnen und Kollegen in Litauen zu teilen. Sie haben nach der Rückkehr aus Deutschland Ihre Seminarmodule erarbeitet und sie bei der traditionellen „Stipendiatenbörse“ des Goethe-Instituts am 28. November 2014 vorgestellt. Wie verliefen der Vorbereitungsprozess und die Präsentation? 

Vilma Palienė: Die Vorbereitung lief perfekt ab, weil mir das ganze Material zur Verfügung stand. Gemeinsam mit der Seminarleiterin Lina Milkintienė haben wir die Reihenfolge der Elemente im Modul festgelegt. 

Die Präsentation war auch in Ordnung, angesichts der Tatsache, dass es das erste Mal war. Zu einer umfassenden Erprobung der vorgestellten Methoden wäre allerdings etwas mehr Zeit nötig gewesen.

Kristina Andriukevičienė: Es war schwierig, aus dem umfassenden Seminarmaterial die Themen auszuwählen, die für die Lehrer in Litauen besonders interessant sind. 

Anželika Zujeva: Bei der Vorbereitung des Moduls hat mich die Seminarleiterin Margarita Repečkienė tatkräftig unterstützt. Dafür gilt ihr mein herzlicher Dank. Nach meiner Ansicht ist das Modul gut gelungen. Ich habe mir bereits in Deutschland Gedanken darüber gemacht, was ich bei der Stipendiatenbörse vorstellen könnte.

Was könnten Sie den Kolleginnen und Kollegen empfehlen, die sich weiter qualifizieren möchten? 

Anželika Zujeva: Ich würde auf jeden Fall raten, sich um ein Stipendium des Goethe-Instituts zu bewerben. Ich kann versichern, dass man in Deutschland nicht nur die beruflichen Qualifikationen verbessern, sondern auch nette Menschen kennen lernen und Kontakte für die weitere Zusammenarbeit knüpfen kann. 

Vilma Palienė: Fürs Erste, den Antrag auf Förderung stellen und auf eine positive Antwort warten. Sich dann riesig darüber freuen, weil sich eine solche Möglichkeit nicht jedem bietet. Sollten Sie das Stipendium tatsächlich erhalten und am Seminar teilnehmen, so nutzen Sie jeden Augenblick davon aus, denn so etwas kommt nicht noch einmal. 

Kristina Andriukevičienė: Ich empfehle, sich unbedingt um das Stipendium des Goethe-Instituts zu bewerben, denn kein anderes Seminar in Litauen bringt einem so viele Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten auf einmal. 

Jurgita Eidukonienė: Das muss man in erster Linie wollen und dann den Antrag stellen. Wenn man Glück hat und gefördert wird, so muss man es einfach genießen, denn es kommt auf Sie eine schwere aber interessante Arbeit zu.