Content and Language Integrated Learning CLIL, FüDaF, DFU, CLILiG – Bitte was?

CLIL verknüpft fremdsprachliche und sachfachliche Inhalte.
CLIL verknüpft fremdsprachliche und sachfachliche Inhalte. | © Goethe-Institut

CLIL ist die Abkürzung für einen Bildungsansatz im Rahmen des fach- und sprachenintegrierten Lernens. Die unterschiedlichen Umsetzungsformen verdeutlichen, was für eine Vielfältigkeit sich hinter diesem Ansatz versteckt und erklären somit das große europäische Interesse.

Content and Language Integrated Learning (CLIL) bezeichnet einen Bildungsansatz, in dem das Lernen einer Fremdsprache mit fachlichen Inhalten verschmilzt. Im Falle von Content and Language Integrated Learning in German (CLILiG) wird das Deutschlernen mit Inhalten aus anderen Fachbereichen wie Biologie, Geographie oder Kunst kombiniert. Im Unterschied zum DaF-Unterricht lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur Deutsch, sondern eignen sich in und mit dieser Fremdsprache fachliche Kenntnisse an. CLILiG hat sich als pädagogisches Konzept vor allem in Europa etabliert. Die Öffnung der Grenzen, die wirtschaftliche Entwicklung und auch die Globalisierung haben dazu beigetragen, dass CLILiG in Europa verstärkt in den schulischen Unterricht einbezogen wird. Der Ansatz findet inzwischen jedoch auch im außereuropäischen Raum Beachtung. Dem Oberbegriff CLILiG lassen sich verschiedene Varianten zuordnen, die für das fächerübergreifend-immersive Lernen von Bedeutung sind (Haataja/Wicke 2015). Auf der einen Seite gibt es eine Variante, in welcher der Fokus auf dem Sprachunterricht liegt und die Lehrkraft Aspekte des Sachfachunterrichts integriert. Auf der anderen Seite existieren drei Varianten, bei denen es sich dagegen in erster Linie um Fachunterricht mit unterschiedlich großem deutschsprachigem Anteil handelt. 

Fächerübergreifender Deutsch als Fremdsprache-Unterricht (FüDaF)

Bei dem FüDaF handelt es sich als einzige der vier Varianten von CLILiG  um Fremdsprachenunterricht, der sich den Einflüssen des Sachfachlernens öffnet. Hierbei integriert die Lehrkraft einzelne Inhalte und Besonderheiten anderer Fächer, wie zum Beispiel Kunst, Musik, Physik, Biologie oder Geschichte, in den Fremdsprachenunterricht. Da die drei anderen eher fachlich ausgerichteten Varianten in vielen schulischen Lernumgebungen weltweit noch nicht etabliert wurden, übernimmt der FüDaF eine Art Brückenfunktion zu diesen CLILiG-Unterrichtsformen (Wicke/Rottmann 2015: 11). Bei der Integration von sachfachlichen Inhalten im FüDaF ist die (Fremd-)Sprache nicht nur Gegenstand, sondern vor allen Dingen elementares und authentisches Kommunikationsmittel im und für den DaF-Unterricht (ebd.). Lehrkräfte können fachliche Inhalte sowohl lehrwerksorientiert als auch lehrwerksersetzend in den Unterricht einbeziehen. Entweder ergänzen sie einzelne Lektionen durch zusätzliche Inhalte oder lassen Kapitel(teile) aus.

CLILiG ermöglicht das Deutschlernen in Kombination mit MINT. CLILiG ermöglicht das Deutschlernen in Kombination mit MINT. | Foto: © science photo - Fotolia.com

Bilingualer Sachfachunterricht auf Deutsch

Bei der Variante des bilingualen Sachfachunterrichts auf Deutsch stehen die sachfachlichen Inhalte im Fokus des Unterrichts. Diese werden sowohl in der Erstsprache der Schülerinnen und Schüler als auch in der Zielsprache Deutsch unterrichtet. Der Unterricht in dieser CLILiG-Variante findet dementsprechend zumindest teilweise zweisprachig statt. In welchen Fächern auf diese Weise unterrichtet wird und mit welchem Anteil in den beiden Sprachen kommuniziert wird, kann sehr unterschiedlich sein. Entscheidend für den bilingualen Sachfachunterricht sind, dass genügend qualifizierte Lehrende an der Schule tätig und ausreichend geeignete Materialien vorhanden sind.

Deutschsprachige (Teil-)Immersionsprogramme

Schülerinnen und Schüler in mehreren Ländern Europas lernen mittlerweile im fachfokussierten fremdsprachlichen Unterricht entsprechend dieser Variante. Sie wurde durch die Immersionsprogramme in Kanada, Australien und den USA beeinflusst. Dort wurden auch der vollständige und der partielle Immersionsunterricht entwickelt. Während die Lehrkräfte im ersteren alle Fächer im Sinne des Sprachbades in der Fremdsprache unterrichten, führen sie im letzteren lediglich den Unterricht einiger ausgewählter Fächer in der Fremdsprache durch. Die Fächerauswahl ist in den einzelnen Immersionsprogrammen sehr unterschiedlich, weil sie neben dem Curricula, auch von der Anzahl qualifizierter Lehrpersonen und geeigneter Materialien abhängig ist. Der Unterricht in den einzelnen Fächern orientiert sich an dem verpflichtenden Curriculum. Dabei ist jedoch die Besonderheit, dass die Fremdsprache nicht Gegenstand, sondern Medium im fachlich fokussierten Unterricht ist. 

Sprachsensibler deutschsprachiger Fachunterricht (DFU)

Der deutschsprachige Fachunterricht hat bereits eine längere Tradition an den Deutschen Auslandsschulen, für die er entwickelt wurde. Im Laufe der Zeit erweiterte man jedoch den ursprünglichen Begriff des deutschsprachigen Fachunterrichts zu sprachsensiblem deutschsprachigen Fachunterricht, um die Weiterentwicklung dieses Konzepts deutlich zu machen. Die Ergänzung betont, dass im DFU sensibel mit der Sprache und dem Sprachenlernen umgegangen wird (Leisen 2013: 3-6). Inzwischen unterrichten nicht nur die Lehrkräfte an den Deutschen Schulen im Ausland, sondern auch an anderen von der Bundesrepublik Deutschland geförderten Schulen auf diese Weise. Im Unterschied zu den anderen CLILiG-Varianten liegen für den DFU aufgrund seiner langen Tradition zahlreiche Materialien vor. Im Rahmen des DFU findet die Kommunikation nicht nur in naturwissenschaftlichen, sondern auch in musisch-künstlerischen Fächern und Geschichte ausschließlich auf Deutsch statt. Im Unterschied zu den Immersionsprogrammen findet der DFU in einer Vielzahl von Fächern statt. Der muttersprachliche Unterricht wird nur in einigen wenigen Fächern angeboten. Für die Arbeit in den unterschiedlichen Fächern stehen eine Reihe von Methodenwerkzeugen zur Verfügung, die hauptsächlich von Josef Leisen entwickelt wurden (ebd.).

Zielsetzungen von CLIL

Im Gegensatz zu den anderen drei Varianten werden im FüDAF die Schnittstellen ermittelt, an denen die Deutschkenntnisse durch die Integration sachfachlicher Aspekte erweitert werden können.
Allen vier Varianten ist jedoch gemeinsam, dass die Schülerinnen und Schüler durch sie eine fachbasierte Diskursfähigkeit erwerben. Mit Hilfe dieser Fähigkeit können sich Lernende an kulturellen und fachlichen Diskussionen in der Fremdsprache beteiligen. Sie ist für das erfolgreiche Fachstudium und für spätere berufliche Zusammenhänge von Bedeutung. Lernende im Allgemeinen sollen nicht nur über grundlegende konversationelle Sprachfertigkeiten, die Cummins als Basic Interpersonal Skills (BICS) bezeichnet, sondern auch über kognitiv akademische Sprachkenntnisse im Sinne einer Bildungssprache, im Englischen als Cognitive Academic Language Proficiency (CALP) bekannt, verfügen (Leisen 2013: 59). CLILiG trägt mit allen vier Varianten dazu bei, die kognitiv akademischen Sprachkenntnisse der Schülerinnen und Schüler zu verbessern (ebd.).

CLIL fördert den Erwerb der Bildungssprache. CLIL fördert den Erwerb der Bildungssprache. | Foto: © kasto - Fotolia.com

Literatur

Haataja, Kim/Wicke, Rainer E. (2015): Sprache und Fach. Integriertes Lernen in der Zielsprache Deutsch. München: Hueber-Verlag.
 
Haataja, Kim/Wicke, Rainer E. (2016): Fach- und sprachintegriertes Lernen in der Zielsprache Deutsch (CLILiG). In: Fremdsprache Deutsch. H. 54, S. 3-9.
 
Leisen, Josef (2013): Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht  in der Praxis. Stuttgart: Klett-Verlag.
 
Wicke, Rainer E./Rottmann, Karin (2015): Musik und Kunst im Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Berlin: Cornelsen Verlag.