Körperliche Veränderungen II Schlafverhalten

Schlafverhalten
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Müde und passive Jugendliche im Unterricht sind vor allem am Morgen keine Seltenheit. Verantwortlich für die Schläfrigkeit der jugendlichen Schülerinnen und Schüler ist ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. 

Studien belegen, dass über ein Drittel aller jugendlichen Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern morgens zu Unterrichtsbeginn müde ist. [1] Diese Müdigkeit betrifft die Jungen häufiger als die Mädchen, und sie steigt im Verlauf der Jugendphase an. [2] Die Müdigkeit rührt in erster Linie daher, dass Jugendliche zu wenig Nachtschlaf haben, weil sie am Abend später ins Bett gehen als in der Kindheit, [3] obwohl sie aufgrund der enormen körperlichen Veränderungen während der Pubertät eigentlich viel mehr Schlaf benötigen.

Jetlag-Gefühl

Während man das späte Zubettgehen der Jugendlichen am Abend früher vor allem damit begründete, dass Jugendliche ihren Tagesablauf schlecht planen und deswegen noch spät am Abend Hausaufgaben machen oder für einen Test lernen müssen, sich nicht vom Internet trennen können oder einfach erwachsen wirken wollen, gibt es inzwischen Erkenntnisse, dass das Hormon Melatonin zu den Schlafproblemen bei Jugendlichen beiträgt. Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus im menschlichen Körper. Es wird bei fehlendem Lichteinfall ausgeschüttet und kann seine schlaffördernde Wirkung entfalten. Nach der Pubertät findet diese Ausschüttung nachweislich später am Abend statt als bisher, und aus diesem Grund sind Jugendliche abends auch deutlich später müde. [4] Problematisch dabei ist jedoch, dass Jugendliche genauso viel Schlaf benötigen wie bisher. Wenn sie also später ins Bett gehen, dann müssten sie auch später aufstehen. Paradoxerweise beginnt der Unterricht an den meisten Sekundarschulen jedoch früher als an den Primarschulen. Die üblichen Schulzeiten zwingen daher viele Jugendliche, gegen ihre innere Uhr zu leben. Das kann man ungefähr mit dem Gefühl eines dauerhaften Jetlags vergleichen, welches entsteht, wenn man Richtung Osten fliegt.

Schläfrige Jugendliche im Unterricht

Als Folge des Schlafdefizits zeigen viele Jugendliche eher ein passives Verhalten im Unterricht: Sie hängen in den Bänken, sind mit ihren Gedanken ganz woanders und nehmen nur widerwillig am Unterrichtsgeschehen teil. Vor allem Unterrichtsstunden, in denen die Schülerinnen und Schüler viel zuhören müssen, schläfern sie ein. Studien haben zudem ergeben, dass unausgeschlafene Jugendliche deutlich unaufmerksamer im Unterricht sind, sie sind weniger leistungsfähig und haben tendenziell schlechtere Noten. [5] Außerdem sind sie häufiger schlecht gelaunt und haben insgesamt wenig Lust auf Schule. [6] Weiterhin kann man beobachten, dass die Jugendlichen auch am Nachmittag oder Abend zu Hause bei den Hausaufgaben noch müde und unkonzentriert sind und sich daher oft nicht ausreichend auf den Unterricht am nächsten Tag vorbereiten. [7]

Was tun mit schläfrigen Jugendlichen?

Was man tun kann, wenn Jugendliche im Unterricht müde und passiv sind, erzählt eine Deutschlehrerin aus Lettland in dem folgenden Video.
 
Jugendliche lernen anders Deutsch - Was tun mit müden Jugendlichen?
Goethe-Institut

Weitere Empfehlungen für den Unterricht finden Sie hier.

 

[1] Scheidt, P., Overpeck, M.D., Whatt, W. & Aszmann, A. (2000). In C. Currie, K. Hurrelmann, W. Settertobulte, R. Smith & J. Todds (eds.) Health and health behavior among young people: A WHO cross-national study (HBSC) international report (pp. 24-38).

[2] Scheidt, P., Overpeck, M.D., Whatt, W. & Aszmann, A. (2000). In C. Currie, K. Hurrelmann, W. Settertobulte, R. Smith & J. Todds (eds.) Health and health behavior among young people: A WHO cross-national study (HBSC) international report (pp. 24-38).

[3] Randler, C., Bilger, S. & Diaz-Morales, J. F. (2009). Associations among Sleep, Chronotype,
Parental Monitoring, and Pubertal Development among German Adolescents. The Journal of Psychology, 143(5), 509–520.

[4] Carskadon, M.A., Wolfson, Acebo, C., Tzischinsky, O. & Seifer, R. (1998). Adolescent Sleep Patterns, Circadian Timing, and Sleepiness at a Transition to Early School Days. Sleep, 21(8), 871-881.

[5] Randazzo, A.C., Muehlbach, M.J., Schweitzer, P.K. & Walsh, J.K. (1998). Cognitive function following acute sleep restriction in children ages 10-14. Sleep, 21, 861-868.

Wolfson, A.R. & Carskadon, M.A. (1998). Sleep schedules and daytime functioning in adolescents. Child Development, 69, 875-887.

[6] Drake, C., Nickel, C., Burduvali, E., Roth, T., Jefferson, C. & Badia, P. (2003). The Pediatric Daytime Sleepiness Scale (PDSS): Sleep habits and school outcomes in middle-school children. Sleep, 26(4), 454-458.

[7] Mercer, P.W., Merritt, S.L. & Cowell, J.M. (1998). Differences in reported sleep need among adolescents. Journal of Adolescence Health, 23, 259-263.