Lernverhalten bei Jugendlichen Empfehlungen für den Unterricht

Empfehlungen für den Unterricht
Foto: Goethe-Institut/Bernhard Ludewig

Jugendliche haben aufgrund ihrer Lebens- und Entwicklungsphase ein spezifisches Lernverhalten. Daraus lassen sich Empfehlungen für den Unterricht mit Jugendlichen ableiten. Viele der Empfehlungen sind dabei nicht jugend-spezifisch, sondern sie sind auch für Zielgruppen anderen Alters geeignet bzw. sogar empfehlenswert.

Aufgabenorientiertes Lernen

Jugendliche sind deutlich lernmotivierter, wenn die Themen und Aufgaben des Unterrichts einen Bezug zu ihrer Lebenswelt haben (z.B. Inhalte wie Freundschaft, Liebe, Zukunftspläne) und wenn sie sehen, wofür sie ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden können. Deswegen ist aufgabenorientiertes Lernen, welches auf sprachliches Handeln auch außerhalb des Klassenzimmers vorbereitet, von großer Bedeutung für jugendliche Lernende.
 
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Feedback über Lernerfolge

Jugendliche sollten häufig Rückmeldungen über ihr Lernverhalten erhalten, so dass sie durch diese Bestätigung (oder Kritik) einen Anhaltspunkt über ihre persönlichen Lernerfolge haben. Das ist für Jugendliche deswegen besonders wichtig, weil sie durch ihr vergleichbar geringes Selbstvertrauen oft auch unsicher in Bezug auf ihre Kompetenzen sind. Deswegen sollten Rückmeldungen nicht nur bei Leistungskontrollen erfolgen, sondern auch im alltäglichen Unterricht eine Rolle spielen.

Bewegung im Unterricht

Übungen mit körperlicher Bewegung im Unterricht können der Schläfrigkeit und Passivität der Jugendlichen entgegenwirken. Auch ein Wechsel von Arbeits- und Sozialformen trägt dazu bei, dass die jugendlichen Schülerinnen und Schüler aktiver mitarbeiten.
 
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Klare Struktur des Unterrichts

Schülerinnen und Schüler können dem Unterrichtsgeschehen besser folgen, wenn der Unterricht gut strukturiert ist. Zudem hilft es den Lernenden, wenn sie zu Beginn des Unterrichts einen Überblick über die kommende Unterrichtsstunde erhalten (z.B. durch eine Übersicht an der Tafel). Auch ein Überblick über die letzte Unterrichtsstunde kann zu Beginn des Unterrichts sehr nützlich sein.

Gemeinsame Regeln

Für den Unterricht sollten klare Regeln und Routinen aufgestellt werden, die den Lernenden ein Gefühl von Kontinuität und somit Sicherheit im Unterricht geben. Dabei werden Regeln von Jugendlichen stärker akzeptiert und zudem tatsächlich auch befolgt, wenn sie die Regeln selbst mitbestimmen dürfen und dadurch das Gefühl erhalten, dass ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigt wurden.

Angstfreie Lernatmosphäre

Die Angst, vor der Klasse zu sprechen, tritt bei vielen Jugendlichen mit Beginn der Pubertät auf. Obwohl Sprechangst in allen Altersgruppen vorkommen kann, ist sie bei Jugendlichen besonders ausgeprägt aufgrund des niedrigen Selbstvertrauens während der Jugendphase und der starken Orientierung und damit Unsicherheit an Gleichaltrigen. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine angenehme und angstfreie Lernatmosphäre im Klassenraum zu schaffen. Zudem sollten Schülerinnen und Schüler dabei unterstützt werden, ihre Sprechangst abzubauen.
 
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Themenauswahl nach Interessen

Nicht das Interesse der Lehrkraft sondern das der Schülerinnen und Schüler sollte ausschlaggebend für die Wahl eines Themas im Unterricht sein. Zudem sollten Themen einbezogen werden, über die sich Jugendliche in dieser Phase besonders viele Gedanken machen (z.B. Zukunftspläne, Abnabelung von den Eltern, Freundschaft und Liebe). Aber nicht nur die Themen selbst, sondern auch die Art und Weise, wie Themen eingeführt oder präsentiert werden, spielt eine große Rolle bei Jugendlichen.

Unterrichtsinhalte nach Tageszeit

Besonders anspruchsvolle Unterrichtsinhalte sollten wenn möglich auf die Unterrichtsstunden am späten Vormittag gelegt werden, da Jugendliche sich dann besser konzentrieren können als am frühen Morgen. Ebenso sollten große und wichtige Tests nicht gleich morgens geschrieben werden, sondern eher im Laufe des Vormittags.
 
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Unterstützung bei Planung

Da Jugendliche schnell den Überblick bei der Vorbereitung auf Leistungskontrollen verlieren können, ist es ratsam, sie dabei zu unterstützen, Das kann beispielsweise in Form von schrittweisen Lernplänen geschehen.

Visuelle Lernhilfen

Für Jugendliche ist es sehr hilfreich, wenn Lehrkräfte die Tafel, das Whiteboard o.ä. benutzt, um beispielsweise Aufgabenstellungen im Unterricht anzuschreiben. Dadurch haben auch die weniger aufmerksamen Schülerinnen und Schüler eine „Erinnerungsstütze“.