Fotografische Retrospektive Antanas Sutkus: KOSMOS

Antanas Sutkus. KOSMOS © Antanas Sutkus

Fr, 09.11.2018 -
So, 20.01.2019

Nationalgalerie

Konstitucijos pr. 22
Vilnius

Keltas Antakalnis-Žirmūnai. Vilnius, 1964

Mit der Ausstellung KOSMOS tragen wir dazu bei, den großen Fotografen Antanas Sutkus zu feiern. Dies ist der deutsche und französische Beitrag zum Geburtstag der 100jährigen Wiederherstellung des Staates Litauen.

In Litauen ist Antanas Sutkus nicht nur eine Berühmtheit, er ist ein Monument. Aber was brachte ihm den großen Zuspruch?

Stellen Sie sich eine Kindheit in der malerischen Landschaft Litauens vor: den Selbstmord des Vaters gerade zu Beginn der sowjetischen Besetzung, das verzweifelte Suchen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit in der Schule , die knochenharte Arbeit im Moor, die christliche Erziehung durch die Großeltern und das frühe Leiden an Tuberkulose. Dies und andere Herausforderungen an sein privates Leben hinterließen ihre Spuren in Sutkus‘ Werk. Er bewahrte seine Mitmenschlichkeit, selbst in den dunkelsten Momenten des Lebens, verband es mit existentieller Sorge für seine Lebensumwelt und einem großen organisatorischen Talent. All dies miteinander verbunden machte ihn zum Initiator der litauischen Schule der Fotografie. Zusammen mit anderen gründete er den litauischen „Verband der Photographen“ – zu einer Zeit als alle Impulse dieser Art aus Moskau zu kommen pflegten.
 
Seine Bilder gaben den Bewohnern Litauens, ihrer Existenz und dem Land ein Gesicht, durch seine Arbeit wurde er zum fotografischen „Chronisten seiner Zeit“. Vor allem in seinem Hauptwerk „Lietuvos žmonės“, „Menschen aus Litauen“, porträtierte er sie seit den späten 50ern so eindrucksvoll, dass diese Bilder uns bis heute emotional berühren. Wir entdecken Straßenszenen und subtile Alltagsszenen, in denen sich Menschen völlig natürlich bewegen: alltägliches Leben fern aller Aufgeregtheiten und Exaltiertheiten. Wir sehen Jung und Alt, Kinder und Arbeiter, Künstler und Bauern, Stadt und Land, Moderne und Tradition, Abschied und Wiedersehen, Verkehr, Langeweile oder ganz einfach nur Regen. Alles und jedes hat Platz in Antanas Sutkus‘ „Planet Litauen“, welcher in diesen Zeiten für einen Westeuropäer fast so schwer zu erreichen war wie der Mond.
 
Die Essenz dieser Ästhetik ist der freie und unverstellte Blick. Brillanz und Empfindsamkeit seiner Arbeiten erreichten allerhöchste Höhen: Komposition, Konstruktion und Inhalt wurden zu etwas verbunden, was sich nur geringfähig über die Jahre entwickeln musste, denn es war von Anfang an da, als er anfing die ersten Bilder zu machen.
 
Mit fast 300 Bildern, darunter bisher viele noch nie ausgestellte Arbeiten, präsentiert die Ausstellung  einen neuen Blick auf die ungemein hohe Qualität der Arbeiten dieses Giganten der europäischen Fotografie.

Die Ausstellung wurde in gemeinsamer Arbeit von renommierten litauischen, deutschen und französischen Kuratoren konzipiert. Der deutsche Steidl Verlag publiziert die Ausstellung in einem wunderbar prachtvollen Kunstband.

Nach Vilnius wird die Ausstellung nach Deutschland und Frankreich wandern, wo Antanas Sutkus der Fachwelt bestens bekannt ist (er erhielt den Dr. Erich-Salomon- Preis 2017), und wo nun auch ein breites Publikum auf ihn warten wird.

Nach einem Text von Thomas Schirmböck
 
Kuratoren: Gintaras Česonis, Jean Marc Lacabe, Thomas Schirmböck

Organisatoren: Nationalgalerie Litauen, Institut français de Lithuanie, Goethe-Institut Vilnius

Partner: JCDecaux, Verband der litauischen Fotografen, öffentliche Institution „Antano Sutkaus fotografijų archyvas“, Französische Botschaft in Vilnius, Deutsche Botschaft in Litauen

Das Projekt wurde teilfinanziert durch das litauische Ministerium für Kultur und den litauischen Kulturrat

Sponsoren: EUNIC, Newsec, SIA Groglass, Vilnius Municipality, Exterus

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