Jugendliche lernen anders
Studie zum Lernverhalten von Jugendlichen

Jugendliche lernen anders Illustration: Goethe-Institut

Jugendliche lernen anders

Jugendliche haben ein ganz eigenes Lernverhalten, welches sich vom Lernverhalten Erwachsener und dem von Kindern in vielen Bereichen unterscheidet. 

Jugendliche Lernende sind eine bemerkenswerte Zielgruppe: Sie verfügen in der Regel über eine rasche Auffassungsgabe und können besonders schnell und effektiv lernen. Das liegt vor allem an der vorübergehenden Plastizität des jugendlichen Gehirns, d.h. einzelne Gehirnareale können sich in der Jugendphase in Abhängigkeit von ihrer Verwendung verändern und spezialisieren. Aus diesem Grund lernen Jugendliche beispielsweise Fremdsprachen, Skifahren oder das Spielen eines Musikinstruments deutlich müheloser und schneller und zudem meist auch vollkommener als erwachsene Lernende.

Zugleich gelten Jugendliche bei ihren Lehrkräften jedoch häufig auch als eine recht problematische Zielgruppe – auch im Deutschunterricht. Laut einer aktuellen Studie des Goethe-Instituts, bei der über 500 Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus 17 Ländern weltweit befragt wurden, empfinden es über die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer schwierig, Jugendliche zu unterrichten. [1] Als besondere Schwierigkeit erleben die Lehrenden dabei die fehlende Motivation ihrer jugendlichen Schülerinnen und Schüler. Weiterhin stellen Disziplinprobleme und mangelnde Aufmerksamkeit der Lernenden häufig eine große Herausforderung für Deutschlehrende dar. Diese und weitere Herausforderungen beschreiben Deutschlehrkräfte aus verschiedenen Ländern weltweit in dem folgenden Video.

Jugendliche lernen anders Deutsch
Goethe-Institut


Auch wenn das Verhalten der Jugendlichen im Unterricht manchmal schwierig ist, so ist es doch nicht unbegründet: Jugendliche durchlaufen die Phase der Adoleszenz (des Erwachsenwerdens), in der sie sich von einem abhängigen Kind zu einem selbständigen Erwachsenen entwickeln. Diese Entwicklungsphase setzt im Alter zwischen 10 und 12 Jahren ein und dauert bis mindestens Anfang 20 an. Während dieser Zeit müssen erhebliche Veränderungen der körperlichen, kognitiven und sozialen Entwicklung bewältigt werden, die sich unweigerlich auch auf das Lernverhalten auswirken.

Zudem bringen Jugendliche andere Voraussetzungen und Fähigkeiten zum Fremdsprachenlernen mit als Kinder und Erwachsene. Dazu zählen Erfahrungen mit dem Lernen anderer Fremdsprachen und die sich entwickelnde schulsprachliche Kompetenz.

Jugendliche lernen also insgesamt auf eine andere Art und Weise als Kinder und Erwachsene, da ihr Lernverhalten durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird, die in der Kindheit und im Erwachsenenalter keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Für Deutschlehrkräfte in der Sekundarstufe ist es bedeutend zu wissen, in welcher Entwicklungsphase des Lebens sich ihre Schülerinnen und Schüler befinden und wie dadurch ihr Lernverhalten beeinflusst wird. Erst wenn Lehrkräfte erkennen und verstehen, wie Jugendliche lernen und warum sie anders lernen als Kinder und Erwachsene, können sie ihren Unterricht zielgruppengerecht gestalten und dadurch die Lernmotivation ihrer Schülerinnen und Schüler fördern.
 

[1] Salomo, D. (2014). Deutschland, Deutschlernen und Deutschunterricht aus der Sicht von Jugendlichen und Lehrkräften in verschiedenen Ländern weltweit. Goethe-Institut e.V., Bereich Sprache.