Musik verbindet
Lettland und Deutschland tauschen sich aus

Cultural Days 2013 Grand Opening Concert AB ECB
Cultural Days 2013 Grand Opening Concert AB ECB | © LNSO Archiv

Das Lettische Symphonieorchester in Frankfurt, ein deutscher Oboist in Riga, Uraufführungen lettischer Kompositionen durch das Ensemble Modern und vieles mehr – die musikalischen Verbindungen zwischen Lettland und Deutschland zeigten sich auch im Jahr 2013 auf vielfältige Weise.

Eines der größten Ereignisse des Jahres war das Konzert des Lettischen Nationalen Symphonieorchesters in der Frankfurter Alten Oper im Rahmen der lettischen Kulturtage im Oktober 2013. Unter der Leitung des Chefdirigenten der Oper und des Ballett-Theaters von Novosibirsk, Ainārs Rubiķis gab das LNSO ein meisterliches Konzert, das vom Chor „Lettland“, dem Pianisten Reinis Zariņš und der Geigerin Baiba Skride nobilitiert wurde. Dieses Konzert überraschte die deutschen Zuhörer mit ihnen völlig unbekannten musikalischen Perlen aus Lettland. Als der Klarinettist Mārtiņš Circenis sein Solo aus Emīls‘ Dārziņšs „Melancholischem Walzer“ mit vogelgleicher Leichtigkeit und an der Grenze zur Hörbarkeit vortrug, hielt der ganze Saal buchstäblich den Atem an.

Konzerte in Lettland

Im September gab das weltberühmte Ensemble Modern zwei Konzerte im Neuen Saal der Lettischen Nationaloper. Dieses Konzertprogramm, Teil des vom Goethe-Institut ins Leben gerufenen Projekts „Woher? Wohin? Mythen – Nation – Identitäten“, erklang zum ersten Mal im Dezember 2012 in München. Neben Stücken von jungen Komponisten aus Tschechien, Polen, Slowenien und Ungarn wurden auch Arbeiten der drei lettischen Komponisten Andris Dzenītis, Kristaps Pētersons und Jānis Petraškevičs aufgeführt, die im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt worden waren. Auch wenn die Leistung der estnischen Dirigentin Anu Tali, die auf den Rigaer Konzerten das Ensemble Modern dirigierte, deutlich hinter der erstklassigen Erstaufführung unter Péter Eötvös zurückblieb, war dies doch einer der Höhepunkte des diesjährigen Musiklebens und Jānis Petraškevičas fantastische Klangarbeit mit dem Ensemble, „Darkroom“, wurde mit dem Großen Musikpreis 2013 ausgezeichnet.

Auf die Liste der Großereignisse, die mit der deutschen Kultur verbunden sind gehören unbedingt der grandiose Auftritt des ersten Oboisten der Berliner Philharmoniker Albrecht Mayer auf dem Abschlusskonzert der Saison des LNSO; das von dem großen Dirigenten Lutz Köhler hervorragend geleitete Konzert des Liepajaer Symphonieorchesters mit einem unvergesslich schönen Solo von Egils Šēfers, der Mozarts Klarinettenkonzert interpretierte und der rohen, zurückhaltenden und gleichzeitig sehr effektiven Darbietung des Mozartschen Requiems; das monumentale Solokonzert von Reinis Zarinš in der die Visionen von Messiaen mit Arbeiten von Bach unterlegt wurden; sowie die grandiose Leistung des Professors der JVLMA Arnis Zandmanis, die vollständige Aufführung des „Wohltemperierten Klaviers“ auf Konzerten in Lettland und Weißrussland.

Empfehlenswerte Aufnahmen

Auch einige Alben aus dem Jahr 2013 müssen erwähnt werden: die CD von Egils Siliņš mit Liedern von Schubert und Strauß, die er zusammen mit Helmut Deutsch, einem der momentan besten Konzertmeister aufgenommen hat; das Konzertalbum des bedeutenden Vertreters der Rigaer Empfindsamkeit Johann Gottfried Müthel, das endlich in der Interpretation des Kesselberg Ensembles erschienen ist; die unter der Ägide von Māris Kupčš, des unermüdlichen Musikarchäologen und Historikers für lettische alte Musik, der zugleich auch Dirigent und Klavesinspieler ist, entstandene CD „Musik in Riga. 1570-1800“, auf der sich Kompositionen von Johanna Valentin Meder, Johann Gottfried Müthel, Casparus Springer und Georg Michael Telemann finden; die Kooperation von Hélène Grimaud und Andris Nelsons, die beide Klavierkonzerte von Brahms einspielten (Deutsche Grammophon), und das Album von Baiba Skride mit Konzerten von Schumann (Orfeo).