Thomas Wellmann Ein Kurz-Interview mit dem Comic-Künstler

Thomas Wellmann
Thomas Wellmann | Foto: privat

Im Interview mit Arterritory.com erzählt der deutsche Künstler von Comic-Kunst in Deutschland und Amerika und verrät die Geheimnisse einer erfolgreichen Comic-Erzählung.

Kennen Sie lettische Comic-Künstler, Maijas Kurševas kreatives Werk, das Popper Magazine oder kuš! ?

Ehrlich gesagt bin ich mit der lettischen Comicszene wenig vertraut. Doch das würde ich gerne ändern. Mein Besuch in Riga ist da ein Anfang. Das Popper Magazine macht alles in allem einen guten Eindruck. Was kuš! macht, freut mich auch sehr, insbesondere die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Ländern.

Was sagen Sie zur wachsenden Beliebtheit von Comics in Deutschland? Was sind im Moment die bekanntesten Namen und wie sehen Sie die nähere Zukunft für Comics?

Es hat mich überrascht, wie beliebt Comics in den letzten Jahren dank der grafischen Romane geworden sind. Seitdem ich das erste Mal mit Comic-Kunst in Berührung kam, hat sich viel geändert. Heute sind die bekanntesten Namen und die Künstler von denen ich begeistert bin Mawil, Nadine Redlich, Anna Haifisch und Max Baitinger.

Es wäre wunderbar, wenn die Comic-Kunst größere Aufmerksamkeit und mehr Respekt in den Medien finden würde. Die großen Erfolge der Marvel Movies zeugen möglicherweise von einer neuen Generation, die interessiert ist und schon mit graphischen Romanen vertraut ist. Dieser Bereich hat bestimmt noch viel Potential.

Warum haben Sie diese Kunstrichtung gewählt und was verbindet sie mit Comics?

Es ist die einfachste Form eine Geschichte visuell zu erzählen. Die Anforderungen sind minimal, man muss lediglich Zeit und Arbeit investieren. Ich mag es, meine Geschichten aus einfachen Ideen heraus zu entwickeln, aus dem Skizzenblock. Eine Geschichte beginnt meist mit den Figuren, dann sehe ich weiter welche Geschichte sie formen. Ich bin Autor von drei Büchern und jedes davon ist vollkommen anders, sowohl was die Geschichte, als auch die Figuren angeht.

In der Meisterklasse, die Sie im Goethe-Institut leiten, legen Sie besonderes Augenmerk auf die Erzählform. Welches sind die Hauptprinzipien auf die Sie sich im Entstehungsprozess einer Geschichte stützen?

Weil Comics so unterschiedlich sind und sehr viele Ausdrucksformen zulassen, ist es schwierig zu verallgemeinern, wie eine Geschichte erzählt werden soll. Doch ein Prinzip gibt es, das man auf jeden Fall einhalten sollte: die Klarheit der Geschichte und die Kommunikation mit dem Leser. Wenn man eine originelle Geschichte schreiben will, muss einem meiner Meinung nach klar sein, was man sagen will. Jede hervorragende Geschichte kann man verderben, wenn man sich darauf beschränkt, sie nur darzulegen und so tut als sei sie wertfrei. Doch das ist nur der Anfang um die Geschichte weiter zu entwickeln, ihre Form zu finden.

Sie haben bei der Animationsreihe Adventure Time mit amerikanischen Comic-Künstlern zusammengearbeitet. Haben Sie Unterschiede zwischen der deutschen und der amerikanischen Comic-Kunst bemerkt?

Für die Serie habe ich im Jahr 2012 ein paar Episoden erschaffen – The Suitor und Wizards only, fools – beide in Zusammenarbeit mit Jesse Moynihan, der ein hervorragender US-amerikanischer Künstler ist. Das war eine großartige Erfahrung, eine der besten, die ich je gemacht habe. Zu den Unterschieden zwischen deutschen und amerikanischen Comics kann ich nichts sagen, denn beide können so vielfältig sein.