Online-Fotoausstellung
Willkommen, Euro

Seit dem 1. Januar 2014 wird in Lettland mit neuer Währung bezahlt – ein Neuanfang und auch ein Abschied. Der lettische Lats hat ausgedient und ähnlich wie in Deutschland im Jahr 2002 stimmt die Aufgabe der nationalen Währung so manchen wehmütig. Ab dem Sommer 2013 begleitete die Fotografin Viktorija Eksta die Entwicklungen kurz vor dem Währungswechsel. In einer Fotoserie zeigt sie individuelle Eindrücke von Riga bis Latgale. 

August 2013

  • Sonderinternat Pelči © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Sonderinternat Pelči

    Klassenraum im Sonderinternat Pelči, 7. August 2013 / Sonderinternat Pelči, Entwicklungszentrum „Saules Stari“ („Sonnenstrahlen“) in der Gemeinde Pelči, Kuldīga.

    Dieses Plakat wurde von Schülerinnen und Schülern des Sonderinternats „Saules Stari“ in Pelči im Rahmen einer Projektwoche im Mai 2013 erstellt, die die Euro-Einführung zum Thema hatte. Die Lernenden setzten sich mit Währungen und der Geschichte von Zahlungsmitteln auseinander, besuchten die Bank, unterhielten einen speziellen „Euro-Einkauf“ in der Schulaula und erstellten verschiedene Präsentationen.
 

September 2013

  • Eine Lehrerin aus Kraslava © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Eine Lehrerin aus Kraslava

    N., 41 Jahre alt, arbeitet als Lehrerin an einer Gesamtschule im Bezirk Kraslava. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Mann und kleinen Sohn lebt sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung.

    „Wir leben ein ruhiges Leben und denken nicht viel an den Euro. Er kommt und wir müssen unser Geld wechseln, daran können wir nichts ändern.“
  • Ein Paar aus Skrunda © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Ein Paar aus Skrunda

    Küche eines Bauernhauses im Bezirk Skrunda. Das Paar, das hier wohnt (A. und O., beide Anfang 40), ist offiziell arbeitslos gemeldet. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit der Bewirtschaftung ihres kleinen Hofs und Gartens. Ihre beiden Töchter sind zum Studieren in die Stadt gezogen, besuchen die Eltern aber hin und wieder.

    A. (Er): „Ich bin aus Prinzip gegen den Euro, da der Lats meines Erachtens einen gesellschaftlichen Wert hat. Mit ihm verliert Lettland ein wichtiges nationales Symbol. Es bleiben nur noch Wappen und Flagge. Vor dem russischen Bären sind wir geflohen, aber nun sitzen wir in der Falle des Euro-Tigers.
  • Ein Tourismusmanager in Kuldiga © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Ein Tourismusmanager in Kuldiga

    Das Bild wurde in der Küche des Leiters der Touristeninformation Kuldiga aufgenommen (38 Jahre). Gemeinsam mit seiner Mutter lebt er in einem Haus etwas außerhalb der Stadt.

    „Als Tourismusexperte sehe ich die Euro-Einführung absolut positiv, weil er sicherlich das Touristenaufkommen in unserem Land erhöhen wird und auch das Reisen komfortabler macht.“
  • In einer Studenten-WG © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    In einer Studenten-WG

    Wohnküche in einer von Rigas „Schlafvorstädten“. Die Wohnung ist an zwei Studenten, 19 und 21 Jahre alt, vermietet.

    A. (Kunststudent): „Ich mag Geld generell nicht, als Teil des Systems. Es wäre viel besser, wenn die Welt über Tauschhandel funktionieren würde. Der Einführung des Euro kann ich sowohl Negatives als auch Positives abgewinnen: Mir gefällt nicht, dass Lettland in noch größere finanzielle Schwierigkeiten geraten könnte, als sowieso schon bestehen. Allerdings kann ich daran nichts ändern und daher sehe ich das Ganze auch als Unvermeidlichkeit, die für eine Weile interessant sein könnte.“

Oktober 2013

  • Auf dem Segelboot eines Rentners © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Auf dem Segelboot eines Rentners

    Eine kleine Küchenzeile auf einem Segelboot. Das Boot gehört einem aktiven Rentner (A., 67 Jahre), der sich als Segellehrer betätigt und auf dem Boot – segelnd und reparierend – mehr Zeit verbringt als in seiner Wohnung. Seine Wohnung und auch sein Boot liegen in Bolderaja (im Norden Rigas). Das Boot wurde 1948 von A.s Onkel gebaut; mit fünf Jahren kletterte A. zum ersten Mal an Bord.

    A.: „Meine Beziehung zu Geld ist rein ästhetisch. Und wenn ich mir die Lats Münzen so anschaue erscheint mir das Design viel attraktiver.“
  • In einem Wohnheim © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    In einem Wohnheim

    Dieses Bild entstand in einem Wohnheim in Riga. Hier wohnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Supermarktkette MAXIMA (ca. 120 Personen). Obwohl A. (24 Jahre) einen Master in baltischer Philologie abgeschlossen hat, arbeitet er als Kassierer bei MAXIMA.

    „Als Kassierer bin ich sehr gespannt auf die Einführung des Euro. Ich spüre schon jetzt die Anspannung in der Luft, da viele Leute mit ihren gesammelten Lats Münzen kommen und dafür Alkohol und viel nutzloses Zeug kaufen. Ich hoffe, wenn die Leute noch in Lats zahlen können, ich ihnen aber Euro zurückgebe, dass zumindest eine Person davon nichts weiß und ganz überrascht ist.“

November 2013

  • Ein Wissenschaftler und Geschäftsmann © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Ein Wissenschaftler und Geschäftsmann

    J., ein 60-jähriger Wissenschaftler und Geschäftsmann aus den USA, wohnt seit über sechs Jahren in Lettland.

    „Da ich als Unternehmer international agiere, hat die Euro-Einführung Vorteile – weniger Gebühren für die großen Banken. Da der Lats sowieso an den Eurokurs gebunden war, ergibt es Sinn zu wechseln. Andererseits fällt es mir schwer zuzusehen, wie die lettische Regierung ihre Autonomie an die westlichen Mächte abgibt. Besonders, da sich die allgemeine Stimmung gegen den Wechsel zum Euro richtet. Diese Nation muss lernen, sich für die eigenen Rechte einzusetzen!“
  • Die Küche der Fotografin © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Die Küche der Fotografin

    Viktorija Eksta, geboren in Lettland, arbeitet als freischaffende Fotografin.

    „Meine Mutter schickt mir gerne mit dem Bus ‚humanitäre Hilfe‘ mit Nahrungsmitteln vom Hof. Diesmal hat sie Souvenirmünzen miteingepackt, da sie nicht wusste, was sie damit machen soll. Mir kam das gelegen; ich hatte wenig Geld und, nachdem ich das Design der Münzen etwas bewundert hatte, konnte ich sie verkaufen. Geld ist Geld und es ist gut, wenn man es hat. Irgendwann wird es mal wieder den Lats geben.“
  • Eine Mitarbeiterin des öffentlichen Dienstes © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Eine Mitarbeiterin des öffentlichen Dienstes

    H., 36 Jahre, arbeitet im öffentlichen Dienst und lebt gemeinsam mit ihren zwei kleinen Kindern in einer Wohnung.

    „Ich bin gegen die Einführung des Euro, da in allen Ländern, wo er eingeführt wurde, die Preise deutlich gestiegen sind. Es wäre besser, der Eurozone nicht beizutreten, wie zum Beispiel Großbritannien und Polen. Keines der ‚pro‘ Argumente überzeugt mich wirklich. Darüber hinaus sehe ich, dass viele Beschäftige im öffentlichen Dienst, die privat eher ‚contra‘ sind, gezwungen sind für die Einführung zu werben.“

Dezember 2013

  • Vintage Stil © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Vintage Stil

    L. (34 Jahre) und L. (43 Jahre) leben als Paar zusammen in Riga. Beide haben schon in vielen Jobs gearbeitet und sind in viele Länder gereist. Ihr Ziel ist es, einen Weg für ein Leben in Harmonie und ohne Stress zu finden. Aktuell verkaufen die beiden Second-Hand Kleidung und betätigen sich als Designer.

    „Unserer Meinung nach ist die Einführung des Euro sehr positiv. Wir müssen auf Reisen kein Geld mehr wechseln, es entsteht ein bisschen ein ‚Welt-Bürger‘ Gefühl. Außerdem hat es keinen Sinn sich darüber zu beschweren, da wir nichts ändern können, und die Welt sich weiterdreht. Man könnte sagen, dass eine nationale Währung für ein so kleines Land wie Lettland ein großer Luxus ist.“
  • Eine Therapeutin aus Riga © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Eine Therapeutin aus Riga

    R., 52 Jahre alt, arbeitet als Therapeutin im Bereich der alternativen Medizin. Sie lebt alleine in einem Apartment in Riga.

    „Ich denke nicht besonders viel über den Euro nach, er kommt einfach.“
  • Weihnachtsstimmung © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Weihnachtsstimmung

    Weihnachtsstimmung in der Küche einer 36-jährigen Künstlerin und Buchgestalterin aus Riga.

    L.: „Ich bin weder für noch gegen den Euro. Er kommt so oder so.“

Januar 2014

  • Im Heizkraftwerk © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Im Heizkraftwerk

    Dieser Weihnachtsbaum steht im Heizkraftwerk der Gemeinde Graveri, Latgale. Der Baum wurde von verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestaltet, als Willkommensgruß an den Euro.
  • Eine Bibliothekarin aus Latgale © Goethe-Institut Lettland/ Viktorija Eksta
    Eine Bibliothekarin aus Latgale

    S., 56 Jahre alt, ist als Bibliothekarin in Aglona, in der Region Latgale, tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnt sie in einem Haus auf dem Land.

    „In meinem Leben habe ich mehrere Währungswechsel erlebt – ich fasse das einfach als eine Erscheinung auf, der der einfache Mensch nicht entkommen kann. Ich bin überzeugt, dass das Ganze nicht ohne Preissteigerungen für Dinge des täglichen Gebrauchs abläuft.“