Empowering Spaces

The little Street Foto: Kevin Josse

Leerstand und Kreativwirtschaft im Baltikum

Städte können als Labore der Zukunft betrachtet werden. Sie repräsentieren offene Felder für ökonomische, soziale und kulturelle Veränderungen, die für die weitere Entwicklung der Gesellschaft vielfach prägend sind.

In den baltischen Metropolen hat sich der radikale Schrumpfungsprozess als eine „Reduzierung auf das Wesentliche“ dargestellt, die sozialen und kulturellen Akteure haben in der Zeit der Finanzkrise aus der Not eine Tugend gemacht und die temporär oder dauerhaft nicht genutzten urbanen Räume für sich neu entdeckt.

Gegenentwürfe zu herkömmlicher Stadtpolitik

„Empowering Spaces“ knüpft an das Projekt „Empty Spaces“ (Leerstand in Riga) an und fokussiert die Konzeption von Gegenentwürfen zu herkömmlicher Stadtpolitik. In Zusammenarbeit mit lokalen Netzwerken im Baltikum werden in Workshops Modelle der temporären Zwischennutzung unter strategischer Kulturplanung und zivilgesellschaftlicher Strategien erarbeitet und die rechtlichen Rahmenbedingungen in Lettland, Litauen und Estland analysiert.
 
Gegenwärtige gesellschaftliche Fragestellungen wie die Folgen von Transformations-prozessen auf die Stadtentwicklung, der Umgang mit parallel stattfindenden Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen in urbanen Kreativquartieren und die Einbeziehung der Bewohner in die Entwicklungsprozesse werden diskutiert.
 
Das Projekt soll eine Plattform bieten für den Austausch über sinnvolle Nutzung des Leerstands, Anregungen für neue Konzepte geben und dabei unterstützen diese umzusetzen. Kreative Akteure werden mit Entscheidungsträgern und der administrativen Seite zusammengebracht um einen längerfristigen Erfolg zu gewährleisten.
 

Projektleitung und Gesamtkoordination
Goethe-Institut Riga, Arne Schneider

Wiss. Beratung und Projektmanagement
Urban Institute Riga, Jonas Büchel
urbaninstitute.lv
 
Künstlerische Zusammenarbeit
Kaspars Lielgalvis, „Totaldobže“, Lettland
totaldobze.com

Projektpartner
Marcis Rubenis und Jāzeps Bikše, „Free Riga“,  Lettland    
freeriga.lv

Elena Archipovaite, freie Stadtentwicklerin, Litauen

„Linnalabor“, Kurator/in Tallinn, Estland
linnalabor.ee
10.-11.03.2015, Riga
„Temporäre Nutzungen, Modelle der öffentlichen Hand: Die ZwischenZeitZentrale in Bremen“ in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft
 
25.-26.08.2015, Tallinn
„Zivilgesellschaftliche Modelle der Raumnutzung: Die “Wächterhäuser” in Leipzig“
 
November 2015, Vilnius
„Kommunale Kulturstrategien: Strategische Kulturplanung als ein wesentlicher Bestandteil der Stadt- und Raumplanung.“
 
November 2015, Riga
„Temporäre Raumnutzung und rechtliche Rahmenbedingungen“
FREE RIGA, Riga

„Wir beleben die leerstehenden Gebäude in Riga! Wir öffnen neue Räume für kreative Tätigkeit!“

Fast jedes fünfte Gebäude in Rigas Stadtzentrum ist leerstehend. Die Bewegung FREE RIGA belebt diese Räume – verwandelt die leeren Gebäude in öffentlich verwendbare Räume. Sie verhandeln mit Gebäudeeigentümern und öffnen die Räumlichkeiten für eine Zwischennutzung durch kreative und gesellschaftliche Initiativen. FREE RIGA verhandelt für Initiativen eine symbolische Nutzungsgebühr sowie eine Teilhabe an der Verbesserung der Gebäudesubstanz aus – und für die Eigentümer die Unterstützung bei der Erhaltung und Belebung des Gebäudes.

FREE RIGA versteht sich als Bewegung, jeder der bis jetzt etwa 150 Beteiligten hat einen freiwilligen Beitrag geleistet. Sie sind von der Möglichkeit fasziniert, brachliegende Räumlichkeiten in neue und für die Öffentlichkeit nützliche Räume zu verwandeln.

freeriga2014.lv

Linnalabor, Tallinn
Linnalabor wurde im Jahr 2006 als NGO unter dem Namen „MTÜ Urban Positive“ gegründet, seitdem wächst die estnische Organisation stetig.

Die Mission von Linnalabor ist es, die Qualität des städtischen Raums als Wohnort zu verbessern und kulturelles Wissen und eine wertvolle Stadtpolitik zu fördern. Das Ziel und die Motivation liegt in dem gemeinsamen Verständnis des menschlichen zentralen Stadtraums: Die Stadt soll gleichermaßen wirtschaftlich werden, den sozialen Zusammenhalt und die vielfältige Natur erhalten sowie rücksichtsvoll und spannend bleiben. Täglich befasst sich Linnalabor mit städtischen Trends, Herausforderungen und bewährten Verfahren in Europa und mit der Suche nach Lösungen und Verbesserungen, Unterstützung multidisziplinärer und intersektoraler Zusammenarbeit und der Verbreitung von geeigneten Ideen und Praktiken - ein soziales Unternehmen, das sich mit sozialer Innovation beschäftigt. Linnalabor arbeitet mit öffentlichen und privaten Organisationen und bietet Beratungen für (stadt-) räumliche Analyse und strategische Planung des Wohnumfelds für Partner und gesellschaftliche Aktivisten an. Sie veranstalten zudem Schulungen, Seminare und Arbeitsgruppen.

linnalabor.ee

Laimikis, Vilnius

Laimikis.lt ist eine interdisziplinäre Plattform für Stadtforschung, Community Art und Social Design Initiativen, nicht-formalen Lernens und Aktivismus. Ihre Mission ist es, partizipative Stadtkultur durch die Einführung  ortsspezifischer kreativer Gemeinschaften zu fördern, wenig genutzten öffentlichen Raum durch nicht-formale Lernangebote zu erschließen und eine große Reichweite an alltäglichen Fragen der Stadtentwicklung zu adressieren. Das Laimikis Team nutzt den öffentlichen Raum als ein offenes Feld für die spielerische und kreative Interaktion (gemeinsame Nutzung und Zusammenarbeit) und wendet dabei Kunst-basierte und partizipative Aktionsforschung-Ansätze an. Laimikis.lt wurde 2009 als NGO eingetragen, wobei die Gruppe schon seit 2007 in folgenden kreativen Bereichen aktiv ist:
  • Prüfung der Möglichkeiten ungenutzter Orte als öffentlichen Raum
  • Entwicklung von Werkzeugen zur Kommunikation und Kooperation unter Bürgern
  • Initiierung von Community-Kunstprojekten, Stadtspielen, Nachbarschaftsfesten
  • Organisation von informellen Lernaktivitäten: Workshops und Schulungen in öffentlicher und kommunaler Kunst, partizipativer Planung und kreativer Kommunikation im öffentlichen Raum
  • Dokumentation des sich verändernden Stadtlebens und Streetstyles, Sammlung von Fotomaterial und Interviews mit Fußgängern und StadtbewohnernUnterstützung junger Designer durch die Förderung ihrer Kollektionen und dem Aufbau von Verbindungen zwischen Künstlern und Gemeinden
laimikis.lt
 

Drei Beispiele aus Berlin

Das Berlin der 90er Jahre und das moderne Riga verbindet eine gewisse Gemeinsamkeit: aufgrund der starken wirtschaftlichen Veränderungen gibt es immer mehr leerstehende Gebäude und ungenutztes Gelände. In Riga herrscht zudem das paradoxe Gefühl, dass es in der Stadt an Raum für Eigeninitiative und kreatives Schaffen mangelt. Diese Videoserie stellt einige erfolgreiche Beispiele vor, wie in Berlin leerstehende Gebäude und Gelände für kulturelle Zwecke eine neue Verwendung gefunden haben und zu neuem Leben erweckt wurden - so wie es hoffentlich auch bald in Riga geschehen wird.

Agora Rollberg © Goethe-Institut

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Agora Rollberg

Agora Rollberg verwandelt seit 2016 einen leerstehenden Hangar und das dazugehörige Gelände in der Rollbergstraße im Berliner Stadtteil Neukölln in einen Prototyp für eine neue Lebens-, Arbeits- und Kulturform.
 

Berlin zum Leben erwecken © Goethe-Institut

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Berlin zum Leben erwecken

Zwei leuchtende Beispiele, wie die Eigeninitiative einiger Leute in Berlin leerstehende, ungenutzte Räume zum Leben erweckt – der Prinzessinnengarten und die Protestbude „I love Kotti“.

BLO-Ateliers © Goethe-Institut

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BLO-Ateliers: das Potential des Leerstands in der Stadt

Ein von Künstlern geschaffenes Kulturgelände, das sich zwischen drei Eisenbahnlinien in Berlin Lichtenberg befindet. Zunächst nur als vorrübergehendes Projekt gedacht, hat es sich inzwischen als ein bedeutender Bestandteil des Lebens in diesem Stadtteil etabliert.
 

Empty Spaces: Leerstehende Gebäude im Videoporträt

Artikel

Hintergrund

ErfahrungsschätZZZe

Erfahrungsbericht der ZwischenZeitZentrale Bremen aus ihrer Pilotprojektphase.
 

Buchempfehlungen

Literatur zu Stadtplanung und kreativer Zwischennutzung.

Linktipps

Kommentierte Links zu Stadtplanung, Zwischennutzung, lokalen Initiativen