Ein Erfahrungsbericht Die mobile App des Lettischen Nationalen Kunstmuseums

LNMM App
LNMM App | © LNMM

Das Gebäude des Lettischen Nationalen Kunstmuseums (LNMM) wurde zwischen dem 12. Februar 2012 und dem 1. Dezember 2015 umfangreich renoviert und erweitert, mit dem Ziel, eine moderne Infrastruktur zum Ausstellen und Aufbewahren der Kunstwerke im Museum zu schaffen. In diesem Zeitraum wurde auch eine langfristige Kommunikationsstrategie entwickelt, um ein auf den Besucher zugeschnittenes Museum entstehen zu lassen. Die wichtigsten Schlüsselwörter für das neue Image des Museums waren Offenheit, Zugänglichkeit und die gemeinsamen Erfahrungen mit den Museumsbesuchern.

Eines der Leitmotive beim Erstellen des neuen Angebots war der Gedanke, dass wir Bedingungen schaffen wollten, in denen jeder Besucher eine angenehme Zeit im Museum verbringen und dabei viel Neues, Interessantes und Inspirierendes erleben und entdecken kann. In dem Bewusstsein, dass mobile Geräte und Apps in den letzten zehn Jahren zu einem unverzichtbaren Teil des gesellschaftlichen Alltags geworden sind, entschied sich das Museumsteam für eine App als Mittel zur Interpretation des Inhalts. Die App ermöglicht es den Besuchern, sich aktiv in den Prozess des inhaltlichen Entdeckens einzubringen, und bietet verschiedene Auswahlmöglichkeiten, je nach individueller Lernerfahrung.

Leicht verständlich

Wenn man über die Kommunikation zwischen Museum und Gesellschaft im 21. Jahrhundert nachdenkt, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir zwar in einem Zeitalter von stets zugänglichen Informationen, aber auch einer Informationsüberflutung leben. Die menschliche Aufmerksamkeitsspanne hat ihre Grenzen und das sollte jedem Museum bei der Kommunikation mit der Gesellschaft bewusst sein. Eine benutzerfreundliche Interpretation ist wichtiger als der Umfang der dargebotenen Informationen. Die LNMM App beruht auf diesem Prinzip: die darin enthaltenen Informationen zum Museumsgebäude und den Meisterwerken wurden mit Bedacht ausgewählt, um die Geschichte, die das Museum erzählen möchte, auf den Punkt zu bringen. Außerdem kann der Nutzer die Art des Lernens auswählen, die zu ihm passt: Hören, Lesen oder interaktives Mitmachen. Nach gründlicher Auseinandersetzung mit bereits entwickelten Apps anderer Museen aus Lettland und der ganzen Welt war sich die Arbeitsgruppe einig, dass die mobile App keine Kopie der Homepage des Museums sein darf. Sie muss vielmehr ein einzigartiges und neues Erlebnis bieten, bei dem man reichhaltige und interessante Inhalte entdecken kann. Die Aufmerksamkeit des Benutzers wird auf Details gelenkt, die ihn durch verschiedene Aktivitäten und Ebenen des Erkenntnisgewinns an einer spannenden Geschichte teilhaben lassen.

Damit die App leicht zu bedienen und gut verständlich ist, wurden das Design und die Struktur gründlich durchdacht. Sie wurden so entworfen, dass die App leicht zu bedienen ist, und basieren auf dem Prinzip von vier Rundgängen. Die Schritt-für-Schritt Fotoanleitung hilft dem Besucher dabei, sich in dem ehemals zwei-, nun siebenstöckigen Gebäude zu orientieren

Leicht bedienbar

Die mobile App ist kostenlos. Diese Entscheidung wurde sowohl basierend auf Marktforschungsergebnissen getroffen (auch die Apps der größten Museen der Welt sind kostenlos), als auch mit der Absicht, ein nutzerorientiertes Angebot und einen möglichst hindernisfreien Download der App zu bieten. Durch das Herunterladen der App erhält der Nutzer nicht nur kostenlose Informationen und Anregungen für seinen Museumsbesuch, sondern auch die Möglichkeit, aktiv beim Entdeckungsprozess mitzumachen, indem er in die erweiterte Realität eintaucht.

Beim Ausarbeiten dieses Services wurden auch potentielle Risiken bedacht und wie man sie umgehen kann. Um eine bequeme Nutzung der App zu gewährleisten, war eine der Voraussetzungen, dass überall WLAN empfangen werden kann. Dies ist besonders für ausländische Touristen wichtig, um zusätzliche Kosten durch die mobile Datennutzung im Ausland zu vermeiden.

Auch andere potentielle Hindernisse wurden bedacht. In Anbetracht der spezifischen Eigenschaften des historischen Gebäudes und des neuen, unterirdischen Anbaus bestand das Risiko, dass möglicherweise nicht überall ein gleichbleibend schnelles WLAN-Netzwerk bereitgestellt werden kann, wodurch die App ins Stocken geraten und somit den Nutzer nicht zufriedenstellen könnte. Die Lösung für dieses Problem ist so gestaltet, dass man nur zum Download der App einen Internetzugang benötigt. Danach kann sie reibungslos genutzt werden, denn die Informationen zu den Rundgängen sind komplett auf dem Smartphone gespeichert.

Da ein Teil der Museumsbesucher im Alltag kein Smartphone verwendet, befindet sich im Museum eine Besucher-Information, deren Mitarbeiter den Besuchern beim Benutzen der mobilen App helfen. Auch das Servicepersonal im Museum kann bei Bedarf weiterhelfen. Damit auch Kunstfreunde, die selbst kein Smartphone besitzen, die App nutzen können, bietet das Museum die Möglichkeit, mobile Endgeräte vor Ort zu mieten.

Fazit

Dieses Projekt hätte ohne ein interdisziplinäres Team nicht in der gegebenen Qualität und den Ansprüchen des Lettischen Nationalen Kunstmuseums entsprechend verwirklicht werden können. Jeder im Team war ein Experte auf seinem Gebiet. An der Ausarbeitung der LNMM App waren beteiligt: Annija Sauka – Projektleiterin für die Ausarbeitung der mobilen App und Expertin für digitale Kommunikation, Marta Pallo – Leiterin der Bildungsarbeit am LNMM, Anna Balandina – Leiterin der Kommunikationsabteilung am LNMM, die Firma „CUBE Mobile“ – das führende Unternehmen in der Entwicklung von Apps in Lettland, und die Firma „Overly“ – spezialisiert auf das Ausarbeiten von erweiterter Realität.
Mārtiņš Dambis, Leiter von „CUBE Mobile“ sagt über die App: „Meiner Meinung nach ist die Neueröffnung des Lettischen Nationalen Kunstmuseums und seines historischen Gebäudes ein bedeutendes Ereignis – nicht nur für Lettland, sondern auch international. Wir haben eine weitere Perle, auf die wir stolz sein können. Das Museum ist für die Gesellschaft zugänglicher geworden, ein Besuch dort macht einfach Spaß. Dieses Gefühl wollten wir auch in der App vermitteln. Unser Ziel war es, einen eleganten und leicht zu bedienenden Museumsführer zu schaffen, der sich locker mit den Apps der führenden Museen weltweit messen kann. Inhaltlich haben wir uns nicht nur auf interessante Fakten beschränkt, sondern auch unterhaltsame Kniffe für die Besucher eingebaut, damit die Meisterwerke eine persönliche Note bekommen und jedem Betrachter verständlich werden. Mein Favorit ist das Element der erweiterten Realität, durch das man die historische Wandbemalung entdecken kann, auf die man bei den Renovierungsarbeiten zufällig gestoßen ist.“

Wichtig war auch, dass bereits während der Entwicklung über die Langlebigkeit und Funktionalität der App nachgedacht wurde: sie lässt sich einfach verwalten, deshalb können die Museumsmitarbeiter selbst Änderungen vornehmen oder Inhalte hinzufügen. Auch der wechselnde Teil der App, der sich den Projekten im großen Ausstellungssaal widmet, soll hier erwähnt werden. Er lässt sich auch leicht „verstecken“, wenn für eine Ausstellung keine entsprechenden Inhalte geplant sind. Im ersten Jahr nach der Eröffnung hatte das LNMM mobile Ausstellungsführer für zwei bedeutende Ausstellungen im großen Saal im Angebot: für die Retrospektive des Künstlers Miervaldis Polis (Ilūzija kā īstenība, dt. Illusion als Wirklichkeit) und die Ausstellung zum 150. Geburtstag von Janis Rozentāls (Janis Rozentāls (1866–1916). Māksla un tehnika, dt. Kunst und Technik)
Für die erste Ausstellung wurde eine Audioführung entwickelt, die dem Besucher Miervaldis Polis‘ bedeutendste Kunstwerke vorstellt. Für die Janis Rozentāls Ausstellung wurde eine besondere mobile Führung namens Janis Rozentāls‘ „Lichtbilder“ erstellt, welche die Bedeutung und den Einfluss von Fotografien auf das Schaffen des Künstlers beleuchtete. Die Besucher konnten, während sie durch die Ausstellung gingen, bei bestimmten Gemälden erfahren, welches Foto sich hinter dem jeweiligen Kunstwerk „versteckt“.
Es soll auch noch erwähnt werden, dass dieses Projekt nicht ohne umfangreiche finanzielle Unterstützung hätte umgesetzt werden können. Das LNMM dankt der Baltic International Bank für die Unterstützung bei der Entwicklung der App.

Die mobile App kann auf “GooglePlay” und “AppStore” heruntergeladen werden.
 
  • Rijks Museum © Rijks Museum
  • The Metropolitan Museum of Art © The Metropolitan Museum of Art
  • App © LNMM
  • App © LNMM
Die Anregung und Inspiration zum Entwickeln einer mobilen App erhielten die LNMM Mitarbeiter auf der Konferenz WE ARE MEUSEUMS 2014 in Berlin. Die Projektleiterin Annija Sauka meint: „Durch die Entwicklung der Technologien und der digitalen Welt und die Veränderungen in der Gesellschaft und im Lebensstil der Menschen verändern sich auch die Museen. Sie stehen vor neuen Herausforderungen. Die Konferenz regte mich nicht nur dazu an, dieses Mittel zur Interpretation zu schaffen, sondern bot mir auch einen Einblick in die praktische Erfahrung der bedeutendsten Museen der Welt mit der Realisierung solcher Projekte.“

 
  • Entwicklung der App © LNMM
  • Entwicklung der App © LNMM
  • Entwicklung der App © LNMM
Gleich zu Beginn gestaltete sich der Entwicklungsprozess der App sehr kreativ, denn es wurden sowohl Meisterwerke aus der Sammlung des Museums ausgewählt, als auch bedeutende Aspekte in der Architektur des ikonischen Gebäudes.

 
  • LNMM App © LNMM
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  • LNMM App © LNMM
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Damit die App leicht zu bedienen und gut verständlich ist, wurden das Design und die Struktur gründlich durchdacht. Sie wurden so entworfen, dass die App leicht zu bedienen ist, und basieren auf dem Prinzip von vier Rundgängen. Die Museumsbesucher nutzen vor allem die interaktive Ausstellung mit Begeisterung – durch das Prinzip der erweiterten Realität kann das Gerät Kunstwerke erkennen, man kann die historische Wandbemalung taktil „abwischen“ oder einen Blick hinter die Kulissen des Museums werfen und die Arbeit der Kunstrestauratoren kennenlernen.

 
  • LNMM App © LNMM
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  • LNMM App © LNMM
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Der mobile Ausstellungsführer Janis Rozentāls‘ „Lichtbilder“ wurde extra für die Ausstellung entwickelt und gewährte einen Einblick in die Fotos, damals Lichtbilder genannt, die sich hinter den Kompositionen des Künstlers verbergen und im Entstehungsprozess der Gemälde von großer Bedeutung waren. Mithilfe der App konnte der Nutzer erfahren, wie Janis Rozentāls‘ berühmte Gemälde entstanden sind, so z.B. “No baznīcas (Pēc dievkalpojuma)” (Aus der Kirche (Nach der Messe)), “Mākslinieka darbnīcā” (Im Atelier des Malers), “Ganu meitas dziesma” (Das Lied der Hirtenmädchen), “Gavilējošie bērni (Pavasara dziesma)” (Jubelnde Kinder (Frühlingslied)) und “Zem pīlādža” (Unter dem Vogelbeerbaum).