Markus Nowak empfiehlt
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens

Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens von Richard David Precht © Goldmann Verlag / Random House, München, 2020 Richard David Precht bezeichnet sein Mitte 2020 erschienenes Buch als „Essay“. Aber es ist viel mehr als das: Auf 240 Seiten beschäftigt sich der Philosoph und Autor von rund einem Dutzend anderer populärwissenschaftlicher Abhandlungen mit der als „KI“ abgekürzten „Künstlichen Intelligenz“ aus dem Blickwinkel seines Fachs. Precht, den viele als redegewandten Gast aus deutschen Talkshows kennen und der selbst Gastgeber eines nach ihm benannten Gesprächsformates im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist, verdichtet vor allem kritische Überlegungen zu einer Zukunft unter den Vorzeichen der KI. Seine Grundthese, „KI hat einiges mit Intelligenz zu tun, aber kaum etwas mit Verstand und nicht entfernt mit Vernunft“ durchzieht das gesamte Werk, indem er den KI-Visionären vorwirft, etwa den Klimawandel zu wenig in ihre Berechnungen zu berücksichtigen oder der KI die Fähigkeit abspricht, bei Lösungen von menschlichen Problemen wirklich behilflich zu sein. Denn während KI ein enges Handlungsfeld habe, gewinne menschliches Verhalten erst in einem bestimmten Kontext Sinn. Stichwort: Der Weg ist das Ziel. Etwas, was KI – geht es nach Precht – wohl für immer verwehrt bleibt.

Prechts Auseinandersetzung mit der KI ist schon wegen seines hohen Argumentationsniveaus – dazu gehört Kapitalismuskritik, moralische Aspekte aber auch das autonome Fahren – bemerkens- und damit höchst lesenswert. Seine relativierenden Sätze zum Schluss, wie „Künstliche Intelligenz ist weder ein Erlösungsweg noch Teufelswerk. Sie ist immer so gut oder schlecht wie die Absichten der Menschen, die sie einsetzen“, können nicht über die beim Leser zurückbleibenden zweifelnden Gedanken zur digitalen Zukunft hinwegtäuschen.

Goldmann Verlag / Random House

Richard David Precht
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens
Goldmann Verlag / Random House, München, 2020
ISBN 978-3-442-31561-1
256 Seiten

Audio-Book in der Onleihe des Goethe-Instituts ausleihen

Rezensionen in den deutschen Medien:
Zeit Online
Deutschlandfunk Kultur
literaturkritik.de

Top