Nürnberger Empfehlungen
Methodisch-didaktische Prinzipien

Medien durchdringen heute auch die kindliche Lebenswelt. Dabei ist in Deutschland einer Studie zufolge das Fernsehen das bei Kindern beliebteste und am häufigsten genutzte Medium in deutlichem Abstand zu Hörkassetten und Bilderbüchern [1]. Medien sind integraler Teil der Lebenswelt der Kinder, und die Verarbeitung von Medienerlebnissen ist ein wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Erfahrungsbildung. Medien sollten deshalb jenseits der medienkritischen Debatte auch eine wichtige Rolle in der frühkindlichen Erziehung und Bildung spielen. 

Ob der Medieneinsatz sinnvoll ist, hängt von seiner Qualität, seiner sinnvollen pädagogischen Einbindung und der individuellen Begleitung durch die Eltern, Erzieherinnen oder Lehrkräfte ab. Wenn Medien kindgerecht eingesetzt werden, können sie die Gestaltung der Lernprozesse positiv beeinflussen. Sie unterstützen die Abwechslung der Unterrichtsaktivitäten, ermöglichen multisensorisches Lernen und einen individuellen Zugang zum Lerner. Sie können auch für die Entwicklung der Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeit nützlich sein. 

Im frühen Fremdsprachenangebot transportieren Medien – d.h. alle möglichen Spiel- und Lernmaterialien wie auch elektronische Medien – Lerninhalte auf unterschiedliche Weise. Medien können Lernprozesse initiieren, begleiten, unterstützen, durch die Möglichkeit der Wiederholung vertiefen, aber auch Ergebnisse sichern und dokumentieren. Unkontrollierter Medieneinsatz kann dagegen Lernen erschweren und behindern. 

Für das kindliche Lernen werden bevorzugt Realgegenstände aus der unmittelbaren Umgebung und Natur, Spielzeug, Handpuppen, Brett-, Würfel- und andere Spiele eingesetzt. Zu den am häufigsten verwendeten Printmedien zählen Bild- und Wortkarten, Bilderbücher, Lehrwerke, Zeitschriften sowie Folien, Poster oder Plakate. Hinzu kommen Medien, die eine technische Unterstützung benötigen wie Audio-Aufnahmen, Fotos und Filme, CD-ROMs, Internetangebote und E-Mail. Digitale Fotobearbeitung, elektronische Kommunikationsformen oder Hilfsmittel wie die interaktive Tafel üben eine große Anziehungskraft auf Kinder aus und können bereits im frühen Sprachlernangebot nützliche Kenntnisse vermitteln und erheblich zum Lernen motivieren.

Kinder sind im Umgang mit Medien sehr aktiv und bedienen die Geräte gern selbst und sehr selbstständig. Nur die konkrete Erfahrung mit den Medien kann zu wirklicher Kompetenz führen. Facherzieherinnen und Fremdsprachenlehrkräfte verwenden sowohl authentische als auch adaptierte oder für den Unterricht speziell entwickelte Materialien und Medien. Bei adaptierten oder didaktisierten Materialien ist es empfehlenswert, dass sie in ihrem Inhalt und ihrer Form trotz der Vereinfachung für Unterrichtszwecke eine möglichst große Anlehnung an die authentischen Ausgangsmaterialien aufzeigen.
 

Empfehlung:

  • Die Auswahl und der Einsatz von traditionellen wie auch Neuen Medien sollten auf Zielen, Inhalten und methodischdidaktischen Prinzipen des frühen Fremdsprachenlernens gründen.
  • Unabhängig von ihrer Art sollten Medien dosiert und wohlüberlegt zum Einsatz kommen. Sie sollten den Lernprozess unterstützen und bereichern und nicht zum Selbstzweck werden.
  • Die Verwendung von Medien dient dem Sprachlernprozess ebenso wie der Medienerziehung und der Vermittlung von Medienkompetenz. Medienerfahrung sollte von Erzieherinnen und Lehrkräften begleitet werden, damit den Kindern einerseits die Nutzung klar wird und sie andererseits einzuschätzen lernen, welchen Sinn bestimmte Medien für sie persönlich haben.
  • Erzieherinnen und Lehrkräfte sollten die Spuren, die Kinder aus ihren Medienerfahrungen in das Lernangebot mitbringen (indem sie Rollen nachspielen, Erlebtes zu verarbeiten suchen, sich mit anderen Kindern über Fernsehsendungen austauschen o.ä.) erkennen, daran anknüpfen und diese Anknüpfungspunkte für ein besseres Verständnis des kindlichen Lernprozesses nutzen.
  • Kinder lieben es, selbst tätig zu werden, und sollten bei der Mediennutzung in ihrem Wunsch nach einer aktiven Rolle unterstützt werden.


Quellenangaben
[1] Vgl. Feierabend / Mohr (2004)

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