Diskussion Ist Design politisch?

Friedrich von Borries ©sd

Fr, 11.03.2016

Lettische Nationalbibliothek

Ziedonis-Saal
Mūkusalas iela 3
LV 1423 Riga

Kritikmaschine - eine globale Veranstaltungsreihe

Wir alle haben ein Bild davon, was Design ist: Die Gestaltung der Dinge, die uns umgeben. Was daran politisch sein soll? Erstmal nichts. Politisch wird Design, wenn man mehr darin sieht als die Gestaltung der Oberflächen unserer Umwelt. Dazu bietet Friedrich von Borries, Architekt und Professor für Designtheorie an der HFBK Hamburg, zwei unterschiedliche Zugänge an:
 
Der erste Zugang ist ein philosophischer. Design ist immer politisch, weil es in die Welt eingreift. In Fortführung der Philosophen Martin Heidegger und Vilém Flusser wird dabei dem "Entwurf" - die Kerntätigkeit aller Designer – die "Unterwerfung" gegenübergestellt.
 
Der zweite Zugang ist ein empirischer. Design ist nicht die Gestaltung von den Dingen, die uns umgeben, sondern die von Beziehungen. Zum Gegenstand von Design gehören dann neben den Gegenständen auch die Produktionsbedingungen und die ökonomischen Geflechte, aber auch der Mensch selbst. Ein gutes Beispiel, wie Design politisch wird, sind deshalb Politiker selbst, deren vermeintliche Authentizität oft Ergebnis gezielter Designprozesse ist.
 
Auf den Vortrag von Friedrich von Borries antwortet Prof. Holgers Elers. Im Anschluss findet eine Diskussion mit dem Publikum statt. Moderator: Janis Gailitis.

Der Diskussionsabend in Riga ist der Auftakt zu der globalen Veranstaltungsreihe Kritikmaschine in deren Rahmen die Frage, wie politisch Design ist, in unterschiedlichen Ländern und Kontexten diskutiert werden soll. 
 
Friedrich von Borries (Jahrgang 1974) ist Architekt und Professor für Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. In Berlin leitet er das interdisziplinäre "Projektbüro Friedrich von Borries".
Er agiert in den Grenzbereichen von Stadtentwicklung, Architektur, Design und Kunst. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Verhältnis von Gestaltung und gesellschaftlicher Entwicklung. „Als Wissenschaftler versuchen wir, die Welt zu verstehen. Als Gestalter versuchen wir, diese Welt zu verändern. Deshalb setzen wir uns forschend und entwerfend mit den politischen Fragen auseinander, die unsere Gegenwart bestimmen: Möglichkeiten gesellschaftlicher Transformation in Zeiten von wachsender ökonomischer Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel, Überwachungstechnologien und antidemokratischer Sicherheitspolitik.“
 

Kursbuch und Goethe-Institut verstehen sich als Orte für gesellschaftliche Kritik und Diskurse. Gemeinsam laden die Kursbuch-Redaktion und das Goethe-Institut deshalb 2016 zur globalen Veranstaltungsreihe „Kritikmaschine“ ein. Autor/-innen des Kursbuchs und Intellektuelle des jeweiligen Gastlandes thematisieren dabei, was die Öffentlichkeit in Deutschland und in diesen Ländern umtreibt. Unter anderem spricht der Soziologe Armin Nassehi über Kritik, die Journalistin Meredith Haaf über den neuen Feminismus, der Architekt Friedrich von Borries über politisches Design und die Historikerin Sabine Donauer über Arbeit in der digitalen Gesellschaft.

In Zusammenarbeit mit der Lettischen Nationalbibliothek.

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