Die COVID-19 Pandemie
Meine Erfahrungen mit Selbstisolation

Isolation
©tillburmann via Pixabay

Vor ein paar Wochen wurde im Libanon erstmals eine Infektion mit COVID-19 nachgewiesen. Als die Zahl der Fälle stieg, entschied die Regierung öffentliche Orte zu sperren und empfahl Unternehmen, ihre Tätigkeiten ins Homeoffice zu verlegen. Auch ich arbeitete nun zuhause. Mit der Veränderung meiner täglichen Routine schlichen sich Angstgefühle und Stress in mein Leben. Ich schuldete es meiner Gesundheit, wieder Herr der Lage zu werden.

Ich arbeite als Gesundheitsbeauftragter in einem Forschungsunternehmen normalerweise Montag bis Freitag von 9:00 bis 18:00 Uhr. Eine Routine, die mir hilft, meine Karriere und Kompetenzen zu entwickeln, tut mir gut. Jeden Tag wache ich um 7:00 Uhr auf, streichle meine Katze, wasche mich, putze Zähne und kleide mich für die Arbeit. Es ist mir wichtig, mein Mittagessen zuhause selbst zuzubereiten, damit es gesund ist. Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit. Man kennt mich dort als gut gelaunten Kollegen. Bevor ich am Schreibtisch mit der Arbeit loslege, nehme ich mir Zeit, allen hallo zu sagen. Ich tue stets mein bestes, positiv zu bleiben. In der Mittagspause sitzen wir alle zusammen, essen, quatschen, lachen und diskutieren Gesundheitsthemen.
 

Start der Selbstisolation: Angstgefühle, Stress, schlechte Gewohnheiten

Vor ein paar Wochen wurde im Libanon erstmals eine Infektion mit COVID-19 nachgewiesen. Als die Zahl der Fälle stieg, entschied die Regierung öffentliche Orte zu sperren und empfahl Unternehmen, ihre Tätigkeiten ins Homeoffice zu verlegen. Auch ich begann zuhause zu arbeiten und meine einst so wohltuende Routine veränderte sich. Ich hatte Probleme, mich mit dieser neuen Lage anzufreunden. Die Regierung appellierte an alle, sich zu isolieren, zuhause zu bleiben und nur hinauszugehen, wenn es unbedingt notwendig war. Als Bürger und Gesundheitsexperte fühlte ich eine Verantwortung, dieser Empfehlung Folge zu leisten. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, das Ganze würde nur ein paar Tage andauern, also ließ ich meinen Tagesablauf schleifen und machte mir keine Mühe, eine neue Routine zu entwickeln. Da ich zum emotionalen Essen neige, fing ich auch noch an, bis zu zehn Mahlzeiten am Tag zu essen. Meist waren das nur Snacks – der schlechte Nährwert war mir in dem Moment egal. Auch fühlte ich mich unruhig und gestresst; meist war ich müde, sodass ich mich tagsüber zu mehreren Schläfchen hinlegte. All diese neuen schlechten Angewohnheiten lenkten mich von der Arbeit ab und machten mich unproduktiver.

Zehn Tage am Stück 24 Stunden lange zuhause zu sitzen war nicht leicht. Die Isolation hatte Auswirkungen auf meine körperliche und geistige Gesundheit. Ich fühlte mich niedergeschlagen und nahm drei Kilo zu. Als ich realisierte, dass dieser Zustand Wochen, wenn nicht sogar Monate anhalten könnte, entschied ich mich zur Veränderung.


Wie ich die Niedergeschlagenheit überwand

In einer solchen Ausnahmesituation ist es normal, sich niedergeschlagen und unruhig zu fühlen. Aber muss es wirklich so hart sein? Oder können wir Wege finden, die uns helfen, besser damit klarzukommen? Als Bewältigungsmechanismus wählte ich eine Liste. Ich begann alles aufzuschreiben, was ich mag oder gerne tun würde: mein Lieblingsessen, Bücher, die ich lesen, und Serien, die ich schauen wollte – sogar ein paar Filme der „Erwachsenenunterhaltung“ habe ich hinzugefügt (wann, wenn nicht unter solchen Umständen!). Meine Liste wird jeden Tag länger und es gibt mir Trost, mich auf Dinge zu konzentrieren, die mich glücklich machen.

Mit Freude kann ich auch berichten, dass ich es nicht bei der Theorie belassen, sondern bereits begonnen habe, die Liste abzuarbeiten. Sie beschert mir ein gleich doppeltes Gefühl des Erfolgs: nicht nur, weil ich viele neue Dinge probiere und erlebe, sondern auch, weil ich jetzt mit der schwierigen Situation viel besser klarkomme. Natürlich hat sich meine Stimmung merklich gebessert.


Struktur ist wichtig: Zeit für die Arbeit und für mich

Ich habe einen neuen Tagesablauf festgelegt, ihn auf einen Zettel geschrieben und mir an die Wand gehängt. Meine neue Routine beginnt um 8:00 Uhr und beinhaltet eigentlich dieselben morgendlichen Aktivitäten wie zuvor. Sogar meine Arbeitskleidung ziehe ich an – sie gibt mir einiges von dem wohligen Gefühl meiner alten Routine und Normalität zurück. Zum Frühstück steht wieder Gesundes auf dem Tisch, normalerweise Müsli mit Milch oder ein Brötchen mit fettarmem Käse und viel Salat. Für die Arbeit setze ich mich bewusst an meinen Schreibtisch, kümmere mich um Recherchen, Analysen und Berichte. Genau wie im Büro mache ich eine einstündige Mittagspause, in der ich mit Freunden online spreche. Zu einem gesunden Mittag gehören für mich mageres Fleisch, Reis oder Nudeln, gekochtes Gemüse und eine große Schüssel Salat. Danach kehre ich zur Arbeit zurück. Bis 18:00 Uhr bin ich fleißig, aber dann schließe ich eifrig den Laptop – Schluss mit der Schufterei, Zeit für mich!

Wenn ich mir Zeit für mich nehme, steht meine Gesundheit an erster Stelle: Ich ziehe mir Sportsachen an und bin für eine Stunde auf dem Laufband. Danach folgen Dehnungsübungen und ein bisschen Yoga, für das ich mich nach einigen YouTube-Videos richte. In einer Zeit wie dieser ist es wichtig, fit zu bleiben. Das tägliche Training hilft mir ein gesundes Gewicht zu bewahren, in Form zu bleiben und mich körperlich und seelisch gut zu fühlen. Nach dem Sport gönne ich mir eine warme Dusche, höre Musik und entspanne mich. Wenn ich danach in meinen Schlafanzug schlüpfe, ist dies für mich das Signal, das Ende des Tages einzuleiten. Ich vollziehe meine abendlichen Rituale und mache mir ein bekömmliches Abendessen, meist Haferflocken mit Früchten. Dann informiere ich mich über die neusten Entwicklungen zu COVID-19 und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Bevor ich ins Bett gehe, schaue ich mir noch eine Folge „Friends“ an. Bestimmt können mich die Nachbarn hören, so laut muss ich lachen! Nach so einer Serie bin ich positiv gestimmt. Ich melde mich noch bei Freunden und Verwandten, um zu hören, ob es ihnen gut geht, bevor ich schließlich neben meiner Katze friedlich einschlafe.

Youssef Karaki Youssef Karaki | ©Privat Ich teile meine Erfahrungen mit euch, um zu sagen: Bitte seid verantwortungsvoll und isoliert euch, wenn es euch möglich ist. Es geht nicht nur um eure eigene Gesundheit, sondern die eurer Mitmenschen. Es ist in so einer Zeit wichtig, eure Gefühle mit Menschen zu teilen, die ihr liebt und die sich um euch sorgen. Ermutigt andere, dies ebenfalls zu tun.

Aller Anfang ist schwer, aber auch ihr findet einen Weg mit der neuen Situation umzugehen. Denkt daran: Nichts ist unmöglich!