Un/Controlled Gestures ?
Untersuchung der « Kafala »(كفالة) in der heutigen MENA-Region

« Kafala » (كفالة) © Goethe-Institut Rabat

 

Das Goethe-Institut initiiert ein Projekt zur Förderung der choreographischen Arbeit in Nordafrika und dem Nahen Osten.


Eines der Hauptziele des Projektes „Un/Controlled Gestures?" (Arbeitstitel) ist es, junge TanzchoreographInnen aus der Region , die andernfalls keine Möglichkeit zur Zusammenarbeit hätten, zusammen zu bringen und zu vernetzen. Das Goethe-Institut unterstützt die Kreation von zeitgenössischem Tanz außerdem durch die Koproduktion der entstehenden Tanzstücke und durch die Förderung von Gastspielen in der MENA Region, in Deutschland und Europa.

Von 30 Bewerbungen aus der MENA-Region wurden acht ChoreographInnen ausgewählt:
Sahar Damoni, Palästinensische Künstlerin aus Schefar’am| Eslam Saleh Elnebishy, Ägpytischer Künstler aus Kairo | Said El Haddaji, Marokkanischer Künstler aus Rabat-Kenitra | Mohamed Issaoui, Tunesischer Künstler aus Tunis | Amar Khaled Al-Qady, Ägyptische Künstlerin aus Alexandria | Salma Salem, Ägyptische Künstlerin aus Kairo | Manal Tass, Marokkanische Künstlerin aus Marrakesch | Samaa Wakim, Palästinensische Künstlerin aus Mi'ilya

Das Projekt „Un/Controlled Gestures” bietet diesen ChoreographInnen die Möglichkeit, neue Performances zu kreieren und zu präsentieren, die ihre Reflexionen zur Autonomie des Körpers und zur Körperpolitik in der Region unter Berücksichtigung seiner politischen, wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Dimensionen zum Ausdruck bringen.

Ausgangspunkt dieser Untersuchung wird die „Kafala“ sein, ein in einigen arabischen Ländern traditionelles Konzept, das innerhalb der Region verschiedene Formen annimmt und dabei stets eine Dimension des Schutzes und der Kontrolle des Körpers beinhaltet.

Die Auftaktveranstaltung ist ein Seminar vom 12. bis 14. Juni 2019 im Goethe-Institut Rabat in Marokko. TheologInnen, SoziologInnen und GastkünstlerInnen werden Aufschluss darüber geben, was die Kafala heute ist und allgemeiner das Thema Körperkontrolle mit den Projektbeteiligten diskutieren.

Dieses erste Treffen ist auch eine Gelegenheit für die ausgewählten Künstler, sich gegenseitig kennenzulernen und das Konzept ihrer zukünftigen Tanzstücke zu erweitern.
Auf das Seminar folgen zwei kreative Residenzen, in denen sich die acht Choreografen im September 2019 und Januar 2020 in Kairo und in einem anderen MENA-Land für die Produktionsphase wieder treffen.

Während des gesamten Entstehungsprozesses werden die KünstlerInnen von zwei vom Goethe-Institut ausgewählten Kuratorinnen begleitet:
Nedjma Hadj Benchelabi: Geboren in Algier ist sie eine in Brüssel ansässige unabhängige Kuratorin und Dramaturgin. Sie war Mitglied der Theatergruppe Dito’Dito Brüssel und des künstlerischen Teams des Brüsseler Stadttheaters KVS. Bis 2013 war sie Leiterin des Kulturprogrammes am Europäischen Kulturzentrum Les Halles, wo sie ebenfalls als stellvertretende Kuratorin des belgischen Festivals für zeitgenössische marokkanische Kunst “Daba Maroc" arbeitete. Seit 2014 ist sie stellvertretende Kuratorin von "On Marche", dem internationalen Festival für zeitgenössischen Tanz in Marrakesch. Außerdem war sie stellvertretende Kuratorin des "Arab Art Focus" beim Downtown Contemporary Arts Festival (D-CAF, Kairo, 2016 und 2018) und beim Edinburgh Fringe Festival (2017) und zuletzt Mitglied des kuratorischen Teams des multidisziplinären Tashweesh Festivals, das im Herbst 2018 mit Unterstützung des Beursschouwburg-Theaters (Brüssel) und des Goethe-Instituts in Kairo und Brüssel stattfand. Nedjma Hadj Benchelabi beteiligt sich an verschiedenen Projekten im Bereich der darstellenden Kunst: der Performance-Dramaturgie, der Forschung und Dokumentation, der Kuration und Publikation. Sie bringt ihre spezifische Expertise darüber hinaus regelmäßig in öffentliche Debatten und Diskussionen in Europa und der MENA-Region ein.

Anna Mülter: Die in Berlin lebende Kuratorin Anna Mülter arbeitet im Rahmen des Tanzprogramms bei „Sophiensaele“ und leitet das jährliche Festival „Tanztage Berlin“, das Werke von Nachwuchschoreographen aus Berlin präsentiert. Gleichzeitig ist sie Teil des Dramaturgenteams des „tanzhaus nrw“ in Düsseldorf. Nach 9 Jahren am HAU Berlin war sie ebenfalls künstlerische Mitarbeiterin des internationalen Festivals für darstellende Kunst „Theater der Welt“ 2014 in Mannheim. Sie war Mitkuratorin des Festivals "Europoly" für die Kammerspiele München und das Goethe-Institut im Jahr 2016 und des ortsspezifischen Projekts "X Apartments" in Athen im Jahr 2015.

Dank der Expertise der Kuratorinnen und ReferentInnen sowie durch die Begegnungen während der drei Workshops erwerben die jungen Choreographen neue Fähigkeiten und lernen, die Arbeit der anderen KünstlerInnen in einem kritischen und konstruktiven Umfeld zu evaluieren.