Konferenz, Bildende Kunst Travelling Narratives – Konferenz von Nanette Snoep

Travelling Narratives © Rautenstrauch-Joest-Museum

Fr, 21.06.2019

Goethe-Institut Rabat

7, rue Sana'a
10 001 Rabat

„Über Versuche, die Regeln des sogenannten ethnologischen Museums zu ändern“

Die niederländische Anthropologin und Kulturmanagerin Nanette Snoep ist in Deutschland und Frankreich bekannt für ihre innovative Themen und Ausstellungsformate in ethnographischen Museen, wo sie regelmäßig mit zeitgenössischen KünstlerInnen zusammenarbeitet. Im Rahmen des Regionalprojekts "Travelling Narratives" ist sie Gast des Goethe-Instituts Marokko und des Cube - independent art room.

In ihrem Vortrag präsentiert Nanette Snoep einige Beispiele für kuratorische Projekte in deutschen Museen, mit denen sie versucht, die traditionellen Spielregeln des ethnografischen Museums zu verändern.

Nanette Snoep setzt sich mit der Rolle des sogenannten ethnologischen Museums auseinander, das seit Jahrzehnten unter Beschuss von Kritikern steht. Sie beschreibt dessen Schwierigkeiten, seine problematische koloniale Vergangenheit loszuwerden und eine neue Identität zu finden. Seit der Eröffnung des Weltmuseums in Wien im Jahr 2017, der jüngsten Eröffnung des „Royal Museum of Central Africa“ in Brüssel im vergangenen Dezember, der geplanten Eröffnung des „Humboldt-Forum-Museums“ in Berlin Ende 2019, und dem berühmten Bericht von Felwine Sarr und Bénédicte Savoy Ende 2018, in dem die Restitution der kolonialen Kriegsbeute vom afrikanischen Kontinent gefordert wird, ist die Debatte polarisiert und könnte Museen dazu zwingen, drastischere Maßnahmen zur Veränderung zu ergreifen.
 
Das Goethe-Institut Marokko ist Partner des Kunst- und Forschungsprojekts „travelling narratives“, das 2017 von „Le Cube – independent art room“ (Rabat) initiiert wurde.
Das Projekt ist eine Schnittstelle zwischen Kunst und Forschung. Parallel zum Residenz-Programm wird 2019 ein Konferenz- und Workshop-Zyklus mit internationalen Expert*innen aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst, Geschichte und (post) kolonialistischer Theorie stattfinden. Deutsche Referent*innen werden in diesem Rahmen zur Diskussion mit Aktivist*innen, Studierende, und Bürger*innen eingeladen.

Am 20. Juni um 17 Uhr wird Nanette Snoep im Le Cube eine öffentliche Diskussion mit dem Publikum führen.
Nanette Snoep © Rautenstrauch-Joest-Museum 2019 hat Nanette Snoep die Leitung des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln übernommen.
Früher war sie vier Jahre lang Direktorin der drei sächsischen Völkerkundemuseen, an denen sie neue, experimentelle Ausstellungsformate initiierte. In der Reihe „Prolog #1-10 - Erzählungen von Menschen, Dingen und Orten“ (2016 bis 2018) kuratierte Snoep im Museum für Völkerkunde in Dresden eine lebendige, sich entwickelnde Werkstattausstellung, die Themen wie Kolonialismus, Restitution, Objektbiografien, Fremdheit und Kategorisierung behandelte. Für ihre letzte Ausstellung in Leipzig, „Megalopolis – Stimmen aus Kinshasa“ (2018) hat Frau Snoep 24 KünstlerInnen und SchriftstellerInnen aus Kinshasa eine Carte Blanche gegeben, um ihre eigene Ausstellung über Kinshasa zu konzipieren und umzusetzen.

Von 1998 bis 2014 war Frau Snoep am Pariser „Musée du Quai Branly“ tätig, zuletzt als Hauptkustodin der Sammlung „Historical and Contemporary Globalisation“. Zudem hat sie zehn Jahre lang afrikanische Kunstgeschichte an der Ecole du Louvre sowie an der Universität Nanterre in Paris unterrichtet.

Sie kuratierte für das Musée du Quai Branly unter anderem „Exhibitions, l‘Invention du Sauvage“ („Völkerschauen. Die Erfindung des Wilden“) und 2012 „Les Maîtres du Désordre“ („Meister des Chaos“), mit Stationen in der Kunsthalle Bonn sowie in Madrid.

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