Hans-Christian Schink im Gespräch „Ich reagiere auf das, was ich vorfinde“

Der Himmel ist hellgrau und diesig, die Landschaft darunter unwirklich scharf, aber auch ein wenig ausgebleicht. Das ist die persönliche Handschrift des deutschen Fotografen Hans-Christian Schink. Mit seiner Spezialisierung auf von Menschenhand überformte Landschaften ist der Leipziger Meisterschüler ein wichtiger Vertreter der modernen Landschaftsfotografie. Für das Goethe-Institut Myanmar gewährt er Einblicke in sein aktuelles Projekt.

Herr Schink, für ihr neuestes Projekt sind Sie nach Myanmar gereist. Was wollen Sie mit diesem Projekt erzählen?

Das Projekt befindet sich im Prozess. Ich werde noch mehrmals nach Myanmar reisen. Ein solches Projekt entwickelt sich bei mir immer während ich daran arbeite. Ich habe niemals vorher ein wirklich festgelegtes Konzept, sondern eine grobe Vorstellung und bestimmte Themenbereiche, die mich interessieren. In Myanmar ist das zum Beispiel die besondere Rolle, die die Religion spielt. Sie durchwirkt das tägliche Leben und gestaltet die Landschaft mit. Das passt zu dem übergeordneten Schwerpunkt, den ich in allen meinen Arbeiten setze: Landschaften, die vom Wirken des Menschen beeinflusst sind. Das können dann sowohl urbane Landschaften sein, als auch Kulturlandschaften.

Um diese zu finden habe ich mich bei meinen ersten Reisen nach Myanmar im April und September 2013 auf eher bekannten Pfaden entlang bewegt, zum Beispiel Bagan. Beim zweiten Mal war ich hauptsächlich in Mandalay und Umgebung. Wohin die dritte Reise geht, kann ich noch nicht genau sagen, das hängt davon ab, in welche Richtung meine Recherche jetzt läuft. Ich muss ein Gefühl dafür entwickeln, was mich in welchen Regionen des Landes interessieren könnte. Danach reagiere ich auf das, was mich tatsächlich empfängt und werde oft davon überrascht.

Auch von Bagan und Mandalay? Diese Orte sind schließlich ziemlich touristisch geprägt und es gibt viel Material dazu.

In der Tat ist es gerade in Städten wie Bagan schwieriger, Bilder zu finden, mit denen ich selbst zufrieden bin. Ich denke, dass ich mit zwei oder drei Bildern einfangen konnte, was ich ausdrücken will. Die anderen Bilder sortiere ich aus. Auf der Reise nach Mandalay habe ich gemerkt, wie viele Aspekte sich unerwartet auftun können. Ich war fasziniert von der urbanen Struktur der Stadt. Die Anlage ist ja fast eine Planstadt, ein Schachbrettmuster, aber innerhalb dieser Struktur entwickeln sich ganz anders gelagerte Strukturen, klein und unübersichtlich. Dieses Nebeneinander war etwas, das ich so nicht erwartet hatte. Solche Sachen kann man nicht im Vorfeld recherchieren.

Vieles in Myanmar befindet sich momentan im Umbruch, urbane Strukturen ändern sich rasend schnell – für Sie ein Grund, in zehn Jahren wiederzukommen und zu sehen, was von Ihren Motiven noch übrig ist?

Üblicherweise fahre ich nicht noch einmal an einen Ort, an dem ich ein Projekt gemacht habe – zumindest nicht, um weiter zu fotografieren. Mir ist es wichtig, Projekte abzuschließen. Ich möchte nicht bloßes Dokumentieren betreiben und meine Bilder sollen auch keine didaktische Funktion erfüllen. Meine Fotos stehen für einen gewissen Zeitraum – der kann mal mehr, mal weniger groß sein.

Warum zieht es Sie zum fotografieren in die Welt hinaus?

Direkt nach der Wende habe ich mich zunächst sehr stark mit deutschen Themen befasst, zum Beispiel mit der Serie Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Traffic projects German unity. Die habe ich von 1995 bis 2003 verfolgt. Ich habe fotografiert, wie sich die Gegend meiner Kindheit verändert hat und die neuen Verkehrsbauten und Autobahnen abgebildet, die den Osten Deutschlands mit der restlichen Welt verbinden sollten.
Irgendwann stellte sich mir die Frage: Wie kann ich meinen Horizont erweitern? Da habe ich begonnen, zu reisen. Meinen fotografischen Schwerpunkt habe ich auf jede Reise mitgenommen, aber eben auf andere Länder und Kulturen übertragen. Was ich mache, ist keine reine Landschaftsfotografie – es gibt immer Zivilisationsbezüge, mal mehr, mal weniger. Ich sehe das als Wechselspiel.