Trio Meike Goosmann „Das Lebensgefühl und die Inspiration sind Geschenke!“

Das Trio Meike Goosmann
Das Trio Meike Goosmann | © Goethe-Institut Myanmar/ Stephanie Müller

Meike Goosmann ist eine deutschen Jazz-Saxophonistin . Gemeinsam mit dem Schlagzeuger und Perkussion-Spezialisten Christoph Hillmann und der Kölner Jazzpianistin Laia Genc reiste sie nach Yangon um mit burmesischen Musikern der Gitameit Musikschule einen 10-tägigen Workshop zu veranstalten. Das Ergebnis ihrer Arbeit stellen sie bei einem Konzert im Rahmen des World Music Festivals am 29. November 2014 dem Publikum vor. Welche Erfahrungen und Eindrücke sie bei der Zusammenarbeit mit den burmesischen Musikern gemacht haben, erzählen sie auf goethe.de/myanmar.

Sie alle sind zum ersten Mal in Myanmar. Wie ist Ihr Eindruck von Land und Leuten?
 
Meike: Ich bin gerne hier. Ich finde es aufregend, vieles ist fremd, aber gleichzeitig sehr einladend. Besonders das Lebensgefühl, das ich hier zu spüren meine, finde ich sehr faszinierend. Die Menschen sind so freundlich, die Art miteinander umzugehen ist so unkompliziert und die Atmosphäre so lebendig.
 
Christoph
: Ich habe das Gefühl, dass alles, was passiert, gemeinsam gemacht wird. Man geht gemeinsam ins Geschäft, gemeinsam in die Pagode und ist gemeinsam auf der Straße unterwegs. Das Gemeinschaftsgefühl spürt man auch beim Musizieren in der Gitameit-Musikschule. Wir lernen alle miteinander.
 
Der Workshop mit den burmesischen Musikern findet in Kooperation mit Gitameit statt. Wie gefällt Ihnen die Schule?
 
Laia: Gitameit ist ein tolles Projekt! Es ist ein Zentrum, wo alle hinkommen können, die sich für Musik interessieren.
 
Meike: Das Gitameit-Projekt bedeutet sehr viel. Es fasziniert mich, dass der Unterricht für Kinder und die Menschen in der unmittelbaren Umgebung der Schule umsonst ist. Das möchte ich gerne als Inspiration mit nach Deutschland nehmen.
 
Die Arbeit mit den burmesischen Musikern ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Eine wirkliche Begegnung, die zulässt, sich als Personen kennen zu lernen. Ich bin erstaunt von den burmesischen Talenten hier.
 
Christoph: Wir machen ständig die Erfahrung, dass die Schüler unglaublich schnell sind im Aufnehmen von Neuem. Sie saugen alle Informationen auf und setzen sie unfassbar schnell um.
 
Welche Herausforderungen stellen sich im Umgang miteinander? Gibt es sprachliche Hürden?
 
Laia: Die meisten sprechen Englisch und wenn nicht, helfen die Burmesen sich gegenseitig zu verstehen. Auch beim Proben zeigen sie sich die Sachen, wenn sie merken, jemand hat es noch nicht so richtig drauf.
 
Meike: Die Musiker haben eine unheimliche Ruhe und hören erst einmal sehr geduldig zu und warten bis man etwas sagt. Das missdeute ich manchmal, weil ich nicht weiß, ob sie es verstanden haben, ob sie es gut finden oder nicht. Die Kommunikation hier ist anders. Ich muss interpretieren und schauen, ob ich richtig interpretiert habe, aber das ist eine tolle neue Erfahrung. Wir können selber viel lernen über Kommunikation hier.
 
Laia: Das ist dann auch ein kultureller Unterschied. Wir in Europa sagen was wir wollen, so haben wir es gelernt. Hier gibt es so etwas wie Nein-sagen gar nicht. Es ist hier keine Frage, ob man etwas persönlich will oder nicht.
 
Was hat Sie daran gereizt, nach Myanmar zu kommen?
 
Meike: Ich habe nicht lange darüber nachdenken müssen. Eines ist sicher, ich werde mit Erfahrungen nach Hause gehen, die meinen Blick erweitern werden.
 
Laia: Ich musste abwägen, ob ich komme, da ich noch in einem anderen Projekt stark involviert bin. Letztendlich hat Myanmar gewonnen. Die Möglichkeit mit den lokalen Musikern hier sehr intensiv zu arbeiten hat mich fasziniert. Es ist beeindruckend, dass die Kooperation mit burmesischen Musikern, wie dem Hsaing Waing Orchester von Hein Tint bereits seit vier Jahren besteht. Es handelt sich also um einen nachhaltigen Austausch zwischen deutschen und burmesischen Musikern. Das finde ich toll!
 
Welche Eindrücke nehmen Sie mit nach Hause?
 
Christoph: Ich finde die burmesische Folklore sehr inspirierend. Ich hätte mich sonst nicht mit burmesischer Musik beschäftigt. Es ist schon ein musikalisches Entziffern, für das man sich einhören muss.
 
Meike: Das Lebensgefühl und die Inspiration untereinander sind Geschenke, die ich mit nach Hause nehmen werde!  Es ist unglaublich, wie geographisch weit entfernt Europa und Myanmar liegen und wie ähnlich Ideen und Melodien sind. Der Aufenthalt hier liefert frische Eindrücke und bietet einen andern Blick, man kann anderes kreativ mit seiner eigenen Arbeit umgehen.