Ausstellung Burmesische Fotografen

Burmesische Fotografen © Lukas Birk

So, 18.02.2018 -
So, 11.03.2018

The Secretariat

Thein Phyu Road
Yangon

Zur Geschichte der Fotografie in Myanmar

Die ersten Fotografien in Myanmar entstanden vor mehr als 150 Jahren. Mit den Kolonialherren kamen die Kameras. Es waren Europäer, die die neue Technologie mitbrachten und bald auch kommerziell nutzten. Ihr fotografischer Blick auf das unterworfene Land war der von Fremden. Die Bilder, die sie machten, entsprachen notwendigerweise ihren Interessen, Vorlieben und Erwartungen und denen der Betrachter und Käufer ihrer Fotos vor Ort und mehr noch im fernen Europa. Die Aufnahmen waren durchdrungen von der Suche nach Exotik und dem Reiz des Fremden und weniger vom Bemühen um ein systematisches Abbilden der Wirklichkeit. Man sah und nahm auf, was man sehen wollte und projektierte von außen die eigenen Wünsche und Sehnsüchte auf Land und Menschen. Bis heute wirkt diese auf Exotik gerichtete Perspektive nach:  in den Prospekten der Reiseveranstalter, in vielen nostalgischen Fotobüchern (auch solchen von burmesischen Fotografen) und natürlich in den unzähligen Bildern, welche die Touristen jedes Jahr aus Myanmar mit nach Hause nehmen.
 
Bezeichnenderweise sind die frühen Fotografien aus der Kolonialzeit, die Europäer und bald auch Inder in Myanmar machten, recht gut erhalten und dokumentiert. Dies gilt jedoch leider gar nicht für die frühen Aufnahmen von burmesischen Fotografen. Natürlich entdeckten auch sie bald das neue Medium für sich und begannen es für ihre eigene Sicht auf ihr Land zu nutzen. Seit etwa 1910 entstand allmählich eine im engeren Sinn burmesische Fotografie. An die Stelle des fremden Blicks trat eine eigene Definition und fotografische Interpretation der Wirklichkeit Myanmars. Langsam und zögerlich lösten sich diese ersten burmesischen Fotoarbeiten von den mächtigen Vorbildern des „kolonialen Blicks“ und entwickelten ihre eigenen Sichtweisen und Motive.
 
Genau dieses anfangs zögerliche, schließlich immer selbstbewusstere Entstehen einer eigenständigen burmesischen Bildsprache zeichnet die umfangreiche Recherche von Lukas Birk nach. Er unternimmt tatsächlich zum ersten Mal den Versuch, sich dem Thema systematisch zu nähern. Den Anspruch auf Vollständigkeit kann und will der junge Kurator nicht erheben, doch hat bisher noch kein anderer so viele Archive und private Sammlungen in Myanmar auf besonders signifikante und hochwertige Bilder durchstöbert. Auf diese Weise entstand der Umriss einer Geschichte der burmesischen nachkolonialen Fotografie.
 
Lukas Birk ist selbst Fotograf und verfügt daher bei seinen historischen Forschungen über ein entsprechendes Gespür für Qualität. Ähnliche Pionierarbeit hat er bereits in anderen Ländern Asiens (Pakistan, Afghanistan, Indien, China) geleistet und diese Erfahrungen nun auf den in fotografischer Hinsicht besonders interessanten, bisher aber kaum erforschten Bilderschatz Myanmars übertragen. Entstanden ist dabei nicht nur die große Ausstellung im Secretariat in Yangon, sondern auch ein umfangreiches Buch, das wir zunächst auf burmesisch, später auch in Englisch herausbringen möchten.
 
Beides – die Ausstellung wie das Buch – sind ein weiterer Beitrag des Goethe-Instituts zu einer Kultur des kollektiven Erinnerns in Myanmar. Die Ausstellung findet im Rahmen des Yangon Photo Festivals 2018 statt. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Kunstkollektiv Pyinsa Rasa und der Anawmar Art Group gezeigt und stellt den Auftakt einer Initiative dar, das Secretariat als einen dauerhaften Ort der Kunst und Kultur in Yangon zu etablieren.
 

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