Vortrag Philipp Klier

Exhibition and Talk ©Philipp Klier

Mi, 16.01.2019

Goethe Villa

Corner of Kabar Aye Pagoda Road and Nat Mauk Street
Yangon

Philipp Klier

Fotograf, Unternehmer, Maler

Eine Ausstellung und ein Seminar zum Werk Kliers mit Dr.Werner Kraus
 
Von allen technologischen Erfindungen des 19.Jahrhunderts verbreitete sich die Fotografie mit einer Geschwindigkeit wie keine andere. Nur wenige Jahre nachdem Louis Daguerre das Prinzip erfand, Licht zunächst auf Glas, später auch auf Papier festzuhalten, erreichte die neue Methode des „Malens mit Licht“ die abgelegensten Gegenden der Erde.
Die ersten Kameras kamen nach  Myanmar im Zuge der kolonialen Eroberung in den späten 1840er Jahren. Der bedeutendste ausländische Fotograf unter den vielen, die bald in ganz Burma ihre Aufnahmen machten, war Philippe Adolphe Klier (1845-1911).  Er stammte aus einer verarmten Familie aus Offenbach bei Frankfurt, brach in früher Jugend nach Südostasien auf, ließ sich zunächst in Moulmein nieder, wo er eine Anglo-Burmesin zur Frau nahm und integrierte sich nach seiner späteren Übersiedlung nach Yangon so gut es ging in die Gesellschaft Britisch Burmas. Von keinem anderen Fotografen dieser Zeit besitzen wir eine so dichte und zugleich vielfältige fotografische Dokumentation des alten Burma und des Lebens seiner Menschen zwischen 1870 und 1911.  Klier verließ nie mehr das Land und starb in Yangon kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Er gehörte nicht zu jenen vielreisenden Fotografen der Zeit, die kaum je ein engeres Verhältnis zu den meisten der besuchten Länderaufbauten. Anders als diese auf exotische Besonderheiten versessene Kollegen, tauchte er in Atmosphäre und Wesen seines Gastlandes tief ein. Entsprechend eingehend und sorgfältig sind seine fotografischen Beobachtungen und Darstellungen Burmas und dessen ethnische Vielfalt.

Das Goethe-Institut erwirkte die Genehmigung der British Library in London zur Reproduktion einer repräsentativen Auswahl von Kliers Fotokunstwerken, die in der englischsprachigen Welt recht bekannt, doch in Deutschland bisher wenig Beachtung fanden. Die kleine Ausstellung, die wir im Auditorium zeigen werden, wird begleitet von einem Seminarvortrag von Dr. Werner Kraus, einem Experten für Südostasiatische Kunst.
Kraus wird einen Einblick in die abenteuerliche Biographie von Philipp Klier geben und sich ansonsten auf dessen Portraitfotografie konzentrieren, mit spezielle Aufmerksamkeit für die Verbindung zwischen Fotografie und moderner Malerei in Myanmar.  Klier, der sich auch als Maler einen Namen machte, war ein Pionier auf diesem Gebiet.  Der Vortrag wird schließlich auf die anfänglich gute Zusammenarbeit, später dem immer mehr zur Konkurrenz neigenden Verhältnis  Kliers zu dem burmesisch-indischen Fotografen D. A. Ahuja und dessen Werk eingehen,  das als der Beginn einer eigenständigen burmesischen Fototradition gesehen werden kann.  



Dr. Werner Kraus (*1944) studierte zunächst Bauingenieurswesen und arbeite einige Jahre als Ingenieur in Thailand und Sumatra. Ab 1973 studierte er Anthropologie und Geschichte Südostasiens an der Uni Heidelberg und an der Cornell University Ithaca N.Y. Er ist Mitbegründer des Instituts für Südostasienstudien an der Universität Passau und lehrte an einer Vielzahl europäischer und asiatischer Universitäten. Zurzeit ist er Direktor des Zentrums für Südostasiatische Kunst, einer privat organisierten Dokumentations- und Forschungseinrichtung in Passau.
 

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