Retrospektive Rainer Werner Fassbinder Baal

Von Volker Schlöndorff, BRD/Frankreich, 1969, 88 Min, s/w, BD

Baal
Regie Volker Schlöndorff
Drehbuch Volker Schlöndorff nach dem Bühnenstück von Bertolt Brecht
Hauptdarsteller Rainer Werner Fassbinder, Sigi Graue, Margarethe von Trotta, Günther Neutze, Miriam Spoerri, Marian Seidowsky, Irm Hermann
Kamera Dietrich Lohmann
Schnitt Peter Ettengruber
Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH (München), Hessischer Rundfunk (Frankfurt am Main, Bayerischer Rundfunk (München)
Premiere 1969

Der Dichter Baal streift über Feldwege: Rainer Werner Fassbinder. Er trägt eine Lederjacke, hat dabei meist eine qualmende Zigarette in der Hand und bewegt sich voller Unruhe. Größtenteils aus dem Off rezitiert er dazu Bertolt Brechts „Choral vom Großen Baal“. Im Salon eines Mäzens feiert die High Society den zornigen jungen Mann, sie reden ihn mit „Meister“ an, Baal wehrt sich dagegen immer provokanter, bis die feine Gesellschaft nichts mehr von ihm wissen will. Nur Emily, die Frau seines Möchtegern-Mäzens Mech, scheint ihn zu interessieren – vielleicht auch nur, um ihrem Mann eins auszuwischen.
 
Doch lieber tritt Baal in proletarischen Arbeiterkneipen auf und trägt dort seine anarchischen Gedichte vor. Seinem Freund Johannes spannt er die Freundin aus und verstößt sie dann. Aus Verzweiflung springt sie in einen Fluss, ihre Leiche wird nie gefunden. Bald schon zieht Baal mit Ekart umher und erklärt, wegen ihm will er kein Weib mehr haben. Früher hatte ihm der hagere Mann Angst eingeflößt, weil er so intensiv vom Tod geredet hatte. Als eine junge Frau Ekart sucht, wird sie vom eifersüchtigen Baal ermordet. Im Streit ersticht er wenig später auch seinen geliebten Ekart, flieht und taucht bei Waldarbeitern unter, wo er schließlich, allein gelassen, stirbt.
 
Volker Schlöndorff (*1939), in Wiesbaden geboren, ging als Gymnasiast nach Frankreich, wo er später in Paris an der Filmhochschule (IDHEC) studierte. 1965/66 drehte Schlöndorff mit TÖRLESS seinen ersten, auch international erfolgreichen Kinofilm. 1969 gründete er mit Peter Fleischmann die Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH, 1974 mit Reinhard Hauff die Bioskop-Film GmbH. Der große Durchbruch beim Publikum gelingt ihm 1975 mit der Böll-Verfilmung Die verlorene Ehre der Katharina Blum. Für seine aufwändige Adaption des Grass-Romans Die Blechtrommel gewann er in Cannes die Goldene Palme, später auch den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film.

Filmografie (Auswahl): 1966: Der junge Törless; 1967: Mord und Totschlag; 1968: Michael Kohlhaas-Der Rebell; 1975: Die verlorene Ehre der Katharina Blum; 1978: Deutschland im Herbst (Co-Regie); 1979: Die Blechtrommel; 1983: Krieg und Frieden (Co-Regie); 1990: Homo Faber; 2000: Die Stille nach dem Schluss; 2014: Diplomatie  

Zurück