Buch-Literatur-Lesen

Eine Initiative des Goethe-Instituts als kultureller Beitrag zur Förderung der Integration der Region Zentralamerika

Bücher schreiben, Bücher kaufen und Bücher lesen – was einfach klingt, ist in vielen Gegenden Zentralamerikas noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Mit dem zweijährigen Projekt unterstützt und fördert das Goethe-Institut Initiativen und Akteure aus dem Literaturbereich, dem Verlagswesen und der Leseförderung in den Ländern Mittelamerikas.
 

Die Kultur des Buches und des Lesens ist in Zentralamerika noch sehr fragil. Wer nicht in den Großstädten lebt, hat es schwer überhaupt Bücher erwerben zu können. Das in vielen Ländern noch überwiegend rural geprägte Leben verhindert oftmals eine solide Schulbildung inklusive ausgeprägter Lesekompetenz. Nach der relativen Befriedung der Region stehen die Länder nun vor der Herausforderung, auch die Entwicklungen hin zu Zivilgesellschaften aktiv zu gestalten. Dabei kommt den Akteuren der Buchszene eine besondere Rolle zu, sei es durch das kreative und kritische Schaffen von Texten, sei es bei der Verbreitung selbiger. Zahlreiche Initiativen zur Förderung einer Lesekultur sind bereits aktiv oder im Entstehen begriffen. Und auch Übersetzer haben eine spezifische Aufgabe, um Texte aus anderen Sprachen für die Menschen rezipierbar zu machen.

Deutschland dagegen hat einen der größten und ausdifferenziertesten Buchhandelsstrukturen weltweit, eine sehr vielseitige und lebendige Literatur- und Übersetzerszene sowie mit der Stiftung Lesen eine international anerkannte Einrichtung zur Leseförderung.

Das Goethe-Institut fördert die Initiativen zentralamerikanischer Autoren, Verleger, Übersetzer und Leseförderer bei der Vernetzung untereinander und mit Spezialisten und Institutionen in Deutschland und konzentriert sich dabei auf Aktivitäten, die der Qualifizierung und dem Austausch dienen.

Nachdem bereits 2014 mit dem Erscheinen einer Anthologie neuer Erzählungen von jungen Autorinnen und Autoren auf Spanisch und Deutsch, einer Autorenreise nach Deutschland sowie einer Reise von 10 Verlegerinnen und Verlegern aus sieben Ländern zur Frankfurter Buchmesse und der Präsentation ihrer Produktionen auf einem Gemeinschaftsstand sichtbare Akzente gesetzt wurden, organisierte das Institut 2015 in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Seminare und Workshops sowie öffentliche Veranstaltungen, die an überregional bedeutsame Ereignisse angedockt sind. So fand im Rahmen des Schriftstellerkongresses "Centroamércia cuenta" im Mai ein Workshop zum Thema Kinderliteratur mit dem Autor und Verleger Hermann Schulz in Managua statt. Anlässlich der Zentralamerikanischen Buchmesse FILCEN im September in San José, CR, organisierte das Institut einen dreitägigen Verlegerworskhop unter Leitung des erfahrenen Verlagschefs René Strien zur Frage, wie man ein Verlagsprogramm entwickelt. 

Eine Gruppe von aktiven Leseförderern aus Mexiko, Zentralamerika und der Dominikanischen Republik fand im Umfeld der Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse FILIJ im November in Mexiko-statt ein Arbeitstreffen zum Thema "Netzwerkbildung und Netzwerkarbeit" statt, bei dem Formen und Inhalte der Zusammenarbeit für die nächsten Jahre diskutiert wurden. Und nach 2011 bei der Buchmesse in Guadalajara fand 2015 erstmals wieder ein einwöchiger Übersetzerworkshop für literarische Übersetzer aus dem Deutschen ins Spanische statt, deren Teilnehmer aus Mexiko, Argentinien, Chile, Kolumbien und der Dominikanischen Republik kamen.

Darüber hinaus tourte das ganze Jahr über eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Jella Lepman, der Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek in München sowie von IBBY, durch die Region. Zum Welttag des Buches im April wurde die Gewinnergeschichte des von Libros para Niños durchgeführten Ersten Zentralamerikanischen Wettbewerbs für Kinderliteratur „Donde nacen las sirenas“ (Wo die Meerjungfrauen geboren werden) des salvadorianischen Autors Alberto Pocasangre als Buch, und mit Illustrationen der deutschen Künstlerin Julia Friese versehen, vorgestellt. Diese Initiative wurde maßgeblich vom Goethe-Institut unterstützt genau wie die Neuauflage des Wettbewerbs in diesem Jahr.

2016 engagiert sich das Goethe-Institut im Bereich Buch- und Verlagswesen, Literatur und Leseförderung mit folgenden Aktivitäten in Mexiko und der Region Zentralamerika:

  • Vierte Ausgabe der Schriftstellertagung "Centroamérica cuenta" im Mai in Managua mit der Teilnahme der Berliner Kulturwissenschaftlerin Anne Huffschmid
  • zwei eintägige Workshops für Bibliothekare zum Thema "Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit" im Juli in San José, CR, und Guatemala (im Rahmen der Buchmesse FILGUA/FILCEN) mit dem deutschen Bibliotheksexperten Dirk Wissen
  • ein Workshop für Buchhändler im Rahmen der Buchmesse FILGUA/FILCEN im Juli in Guatemala mit dem deutschen Experten Lutz Kliche
  • Unterstützung des II Zentralamerikanischen Kinderliteraturwettbewerbs, organisiert von Libros para Niños, sowie bei der Publikation der Gewinnergeschichte
  • Organisation und Koordination des Gastlandauftritts Deutschlands bei der 36. Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse FILIJ in Mexiko-Stadt im November im Rahmen des Deutschlandjahres in Mexiko 2016/17
Ebenfalls seit 2014 zur Verfügung stehen zwei Internetplattformen, die vom Goethe-Institut Mexiko im Rahmen des zweijährigen Projekts betreut und gepflegt werden. Die Plattform „Cuenta Centroamérica“ dient zur Präsentation der jungen Schriftstellergeneration innerhalb Zentralamerikas, aber auch in Deutschland sowie zur Schaffung von Impulsen sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Zentralamerika auseinanderzusetzen. Die andere Plattform bietet die Möglichkeit, sich über das Thema Leseförderung in Zentralamerika zu informieren und Erfahrungen mit den Akteuren vor Ort auszutauschen.