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Historische Orte in San Francisco
Verlorene queere Landschaften

Ensemble einer Kleinkunstbühne in Finocchios Nachtklub, 1958
Ensemble einer Kleinkunstbühne in Finocchios Nachtklub, 1958 | © SAN FRANCISCO HISTORY CENTER, SAN FRANCISCO PUBLIC LIBRARY

Von Jim van Buskirk


Die Demografien und sozialen Charakteristika von San Franciscos urbanem Umfeld haben sich im Verlauf der Zeit verändert, besonders in Zeiten rasanter Gentrifizierung. Ökonomie, Gender und ethnische Identität sowie Dichte und Funktionalität sind ununterbrochen im Wandel. Das Castro-Viertel ist ein Bespiel für diese Veränderungen. Es gibt viele, die Castro  „queer behalten“ wollen, offensichtlich ohne zu wissen, dass schwedische, norwegische und finnische Immigranten das Viertel im 20. Jahrhundert „Little Skandiavia” (Klein Skandinavien) nannten oder die irisch-katholische Arbeiterklasse es als „Holy Redeemer” (Heiliger Erlöser) bezeichnet hat. Die Nachbarschaft war ebenfalls als „Eureka Valley” (Heureka-Tal) bekannt, bevor sie für den Namen berühmt wurde, der auf der Markise ihres ikonischen Kinos prangt. 

Wichtige Treffpunkte von Schwulen und Lesben

Queere Räume haben sich in der ganzen Stadt entwickelt, unter anderem an der Waterfront, South of Market, Haight und Polk Street. Diverse Anfahrtsorte für Männer waren der Buena Vista Park, Top of the Mark (Hopkins Hotel) sowie Ringgold und Dore Alleys. Nur wenige Anwohner erinnern sich an den Durchgang der Valencia Street als lebhaften Bezirk, der auf Frauen ausgerichtet war. Oder daran, dass die Bars und Restaurants von North Beach als wichtige Treffpunkte für schwule Männer und Lesben galten und als Pulverfass der Bewegung für queere Rechte. 

Finocchios Nachtklub, 506 Broadway, 1964 Finocchios Nachtklub, 506 Broadway, 1964

Andere wichtige Beispiele für das queere Umfeld im vergangenen Jahrhundert sind:
 
  • The Dash, San Franciscos erste Schwulen-Bar, öffnete 1908 an der Ecke Pacific und Kearny.
  • Finocchio’s, eröffnet 1929 als Speakeasy, zog in größere Räumlichkeiten (506 Broadway) und war für seine weiblichen Imitatoren bekannt.
  • San Franciscos erste Schwulenbadehäuser, Jack’s Turkish Bath und das Third Street Bath, öffneten in den 1930er-Jahren.
  • The Black Cat, Anlaufstelle für Bohemians und berühmt-berüchtigt geworden durch José Sarria, öffnete 1933 in 710 Montgomery Street und schloss 1964.
  • Mona’s, San Franciscos erste offene Lesbenbar, öffnete 1936 an der Ecke Broadway und Columbus Avenue.
  • Druid Heights, ein etwas rustikaler Rückzugsort in der Nähe von Mill Valley, wurde 1954 von der lesbischen Dichterin Elsa Gidlow gekauft und in ein intellektuelles Zuhause für viele einflussreiche Dichter und Denker umgewandelt.
  • San Franciscos größte Sittenrazzia fand am 14. September 1961 statt. Während dieser verhaftete die Polizei 81 Männer und 14 Frauen im Tay-Bush Inn, einem Nachtclub an der Ecke Tayler und Bush.
  • Als 1962 die Tool Box an der Ecke Fourth Street und Harrison eröffnet wurde, war sie die erste Fetisch-Bar im Stadtteil South of Market.
  • Am 1. Januar 1965 wurden die Besucher eines Silvester-Kostümballs in der California Hall (625 Polk Street) von der Polizei schikaniert. Dies wurde zu einem der wichtigsten Wendepunkte in der Schwulenrecht-Bewegung von San Francisco.
  • Gene Compton’s Cafeteria an der Ecke Turk Street und Taylor Street, die vor allem von Tenderloin- Straßenjugendlichen – meist Schwule und Stricher – besucht wurde, war der Ort von Unruhen im August 1966.   
  • Hal Call, ein Aktivist der Mattachine Society, gründete im März 1967 den Adonis Bookstore, den ersten schwulen Buchladen in den USA, auf der Ellis Street im Stadtteil Tenderloin.  
Harvey Milk vor Castro Camera, 1977 Harvey Milk vor Castro Camera, 1977

Manchmal erinnert eine Plakette in den jeweiligen Straßen an diese wichtigen historischen Orte, wie für Harvey Milks und Scott Castros Kameraladen, der als ad hoc Community-Center gedient hat, aus dem Milk seine Aufsichtskampagnen heraus führte. Häufiger jedoch bleibt die kulturelle Signifikanz dieser Orte unmarkiert. Der Dichter Robert Duncan und sein Langzeitpartner und Künstler Jess lebten viele Jahre in 3267 Twentieth Street und trotzdem gibt es dort keinen Hinweis auf die einzigartigen kulturellen Synergien, die in diesem Zuhause entstanden sind.

Und während wir die Straßen der Stadt entlanggehen, mahnen uns die Geister unserer Vorfahren: unsere Vergangenheit zu bewahren und uns an die vielen wichtigen Menschen und Institutionen zu erinnern, die uns vorangegangen sind.  

 

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