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Jeffrey Hernaez
Straßenkunst als Ausdruck von Freiheit

Der „Bruderkuss“ an der East Side Gallery in Berlin
Der „Bruderkuss“ an der East Side Gallery in Berlin | Foto (Zuschnitt): © Colourbox

Auf den Philippinen wird Graffiti traditionell immer noch als Vandalismus betrachtet, bei dem öffentliches Eigentum durch willkürliches Gekritzel von straffälligen Jugendlichen verunstaltet wird, oder von Demonstranten, die ihre politischen Slogans anbringen.

Von Jeffrey Hernaez

In einigen Fällen wurden bereits Künstler von Unternehmen engagiert, um Außenwände zu bemalen und auf Fußgängerwegen in Makati City sieht man verschiedene Kunststile. Graffiti hingegen als Straßenkunst ist noch immer eine kleine Bewegung im Land.

Im Gegensatz dazu hat sich Straßenkunst als Ausdrucksmöglichkeit in Europa weitestgehend durchgesetzt. Während Deutschland seine 28-jährige Wiedervereinigung feiert, könnte man darüber staunen, welcher Wandel sich dort vollzogen hat. Einst war die Mauer eine physische und emotionale Barriere inmitten eines geteilten Landes, so ist sie heute weltweit zu einem Symbol für Einheit geworden.

Spaziergang entlang der East Side Gallery

Ich war gerade einmal sechs Jahre alt, als die Mauer fiel – zu jung, um die Bedeutung dieses globalen Ereignisses zu begreifen. Der daraus resultierende Ausdruck der Freiheit durch Kunst auf der gesamten Länge der East Side Gallery hingegen ist ein atemberaubender und emotionaler Spaziergang, der einen durch dieses historische Ereignis führt.

Die Reste der Mauer wurden zu einer Galerie – hier können Menschen zusammenkommen und die Kunstwerke begutachten, die zu Symbolen der Freiheit geworden sind. Die auf 1,3 Kilometern Länge mühevoll erschaffenen Graffiti-Kunstwerke sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Kunst Menschen zusammenbringt.

„Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“

Eines der bekannteren Werke der East Side Gallery ist der „Bruderkuss“, auf dem der sozialistisch-brüderliche Kuss von Sowjetführer Leonid Breschnew und dem ehemaligen DDR-Führer Erich Honecker zu sehen ist, von Künstler Dmitri Wrubel mit dem Titel versehen „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“. Eine noch stärkere Anmerkung ist „Danke, Andrej Sacharow“, ein faszinierendes Portrait eines sowjetischen Atomphysikers, Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten, der für die Freiheit einstand, ebenfalls von Wrubel und Viktoria Timofejewa.
„Cartoon Heads“ an der East Side Gallery in Berlin „Cartoon Heads“ an der East Side Gallery in Berlin | Foto: © Jeffrey Hernaez Im Gegensatz zur Ehrwürdigkeit der beiden anderen Werke stehen die „Cartoon Heads“ des französischen Künstlers Thierry Noir, von dem man sagt, sein Auftrag sei als revolutionärer Beitrag, die Mauer zu „entmystifizieren“. Mit seinen farbenfrohen, übertriebenen Köpfen tut er genau dies – er verwandelt das Bauwerk, indem er etwas Fürchterlichem eine gewisse Unbekümmertheit verleiht.

Übertritt am CHeckpoint Charlie

Der vielleicht prägnanteste Bestandteil der Mauer ist das Werk „Es geschah im November“ des Berliner Künstlers Kani Avi. Es handelt sich um ein abstraktes Werk und es erfasst das Spektrum an Emotionen ostdeutscher Gesichter beim Übertritt in den Westen nach dem Fall der Mauer. Checkpoint Charlie, wie im Bild ersichtlich, stellte eine Ansammlung von Gesichtern voller Hoffnung und Unsicherheit beim Übertritt in die freie Welt dar.
„Es geschah im November“ an der East Side Gallery in Berlin „Es geschah im November“ an der East Side Gallery in Berlin | Foto: © Jeffrey Hernaez Wenngleich die Berliner Mauer einst gebaut wurde, um zwei verschiedene Ideologien voneinander zu trennen, so sind die Überreste der Mauer heute mit Graffiti übersäht, die Normen und Ideen herausfordern und nicht nur Deutschland, sondern den Rest der Welt einen. Eine Welt, die noch immer um Integration und dauerhaften Frieden ringt.

Es zeigt, dass etwas Physisches wie die Mauer, die gebaut wurde, um Menschen voneinander zu trennen, nun als eine Leinwand dient, auf der Graffiti und andere Formen der modernen Kunst zum Ausdruck gebracht werden. 

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