14 Tage Islam in Deutschland erleben

  • Nati Sajidah Jalaluddin
    Nati Sajidah Jalaluddin, Islamische Motivationsautorin und Bildungsberaterin: „Ich verstehe jetzt, dass der Begriff säkular nicht unbedingt die Trennung von Religion und Staat impliziert. In Deutschland ist der Begriff eher neutral, da das Grundgesetz von 1949 den Bürgern die Wahl gibt, sich zu einer Religion zu bekennen oder nicht. Der Staat erleichtert seinen Bürgern die Ausübung ihrer Religion, und dies gilt auch für die ausgefallensten Gemeinschaften. Meiner Meinung nach bringt der deutsche Ansatz einen entschieden islamischen Wert zum Ausdruck, nämlich das Aufrechthalten der Menschlichkeit.“ © Deutsche Welle
  • Husni Mubarrak
    Husni Mubarrak, Dozent für Scharia an der UIN Ar-Raniry Banda Aceh: „Es ist wichtig, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Dieses Land greift seine Geschichte auf verschiedene Weise auf. All seine bisherigen Erfahrungen haben Deutschland dazu gebracht, Religionsfreiheit zu akzeptieren. In Indonesien müssen wir einen solchen Prozess noch durchlaufen. Ich denke, die indonesische Geschichte sollte neu geschrieben werden, da es viele kulturelle Aspekte gibt, die dazu beitragen könnten, die Problematik des Zusammenlebens der verschiedenen Religionen anzugehen.“ © Deutsche Welle
  • Irma Wahyuni
    Irma Wahyuni, Dozentin an der STKIP Muhammadiyah Bogor: „In Deutschland achtet die Regierung auf den Religionsunterricht und respektiert die Vielfalt. In der Praxis bietet Deutschland seinen Bürgern die freie Wahl, wie sie ihre Religion ausüben möchten. Diese Form der religiösen Demokratisierung ist typisch für Deutschland. Deutschland ist ein säkulares Land, das aber die Religionsfreiheit sehr respektiert.“ © Deutsche Welle
  • Saipul Hamdi
    Saipul Hamdi, Dozent für Islamkunde an der Politeknik Pertanian Samarinda: „Ich bin beeindruckt, wie viel Freiheit die deutsche Regierung bzgl. des Ausdrucks von Vielfalt gewährt. Solange kein Verbrechen begangen wird, sind die Menschen frei, sich zu äußern und sich auszudrücken. Das führt dazu, das Muslime lieber in einem säkularen Staat leben wollen als in einem islamischen Land, in dem viele verfolgt werden. Der Islam gedeiht in Deutschland, obwohl sich in letzter Zeit die Islamophobie verbreitet.“ © Deutsche Welle
  • Muhammad Heychae
    Muhammad Heychael, Direktor von Remotivi und Dozent für Medienethik: „Wir haben erfahren, wie Deutschland seiner dunklen (Nazi) Geschichte gegenübersteht. Die Deutschen scheuen dieses dunkle Kapitel nicht, im Gegenteil, sie nehmen ihre Fehler auf und nutzen die daraus gezogenen Lehren um die Menschheit zu fördern. In Indonesien sind die Dinge anders verlaufen. Wir verleugnen nicht nur die Ereignisse von 1965, sondern klammern uns weiterhin an eine historische Auslegung, die Völkermord an sogenannten Kommunisten rechtfertigt.“ © Deutsche Welle
  • Oki Setiana Dewi
    Oki Setiana Dewi, Schauspielerin in religionsbezogenen Filmen: „Interessant bei einigen der Moscheen, die wir besuchten, war, dass sie offen waren für alle, auch Nicht-Muslime, die mehr über den Islam wissen wollten, um so den Menschen ein friedvolles Nebeneinander in einer multikulturellen Gesellschaft zu ermöglichen. Muslime in Deutschland sollten sich öffnen, weil Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber anderen nur Vorurteile hervorrufen.“ © Deutsche Welle
  • Nur Hidayat
    Nur Hidayat, Teilnehmer des Magisterstudiengangs in Islamkunde an der UIN Surabaya, Lingkar-Pena-Author: „Ich habe erfahren, dass Deutschland als säkulares Land jedem Bürger die Freiheit gibt, eine Religion anzunehmen oder nicht. Es gibt jedoch Einschränkungen, da religiöse Symbole in staatlichen Institutionen nicht erlaubt sind. Deshalb liebe ich Indonesien noch mehr, obwohl es kein islamisches Land ist, da jeder Religion die Freiheit gegeben wird, ihre jeweiligen Symbole zu feiern oder zu zeigen.“ © Deutsche Welle
  • Hazim Hamid
    Hazim Hamid, Dozent für Soziologie an der UMSIDA, UGM-Fisipol-Absolvent: „Deutschlands säkulares Staatssystem hat seine Gesellschaft dazu gebracht, sehr rationalistische Prinzipien anzunehmen. Sie haben die Freiheit, Glauben oder Bewegungen gemäß ihrer eigenen Einstellung auszuwählen. Interessanterweise bietet die Regierung weiterhin Raum und Unterstützung für die Förderung der Religion, einschließlich des Islam, sowohl durch religiöse Gemeinschaften als auch durch formale Bildungseinrichtungen.“ © Deutsche Welle
  • Siti Maulia Rizki
    Siti Maulia Rizki, MUQ-Lehrkraft, Radiosprecherin, Radio Seulaweut Banda Aceh: „Ursprünglich hatte ich den Eindruck, dass Europäer bzw. Deutsche sehr individualistisch seien, aber bemerkenswerterweise sind sie sehr oft ehrenamtlich tätig. Sie sind individualistisch, aber nicht egoistisch. Ich denke dass solange humanitäre Belange ausschlaggebend sind, Freiwilligenarbeit auch für Minderheiten der beste Weg ist, in Deutschland zu gedeihen und sich durchzusetzen.“ © Deutsche Welle
  • Ari Armadi
    Ari Armadi, Lehrer an der Koranschule Raudlatul Mubtadiin, NU-Aktivist in Cariu-Bogor: „Basierend auf verschiedene Diskussionen und Besuche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die muslimische Gemeinschaft, Journalisten oder sogar die Regierung die Gefahren des Radikalismus, insbesondere unter jungen Menschen, erkennen. Moscheen wurden auch als Mittel zur Deradikalisierung eingesetzt. Zum Beispiel bietet die Türkische Moschee in Berlin ein Konsultationsprogramm an, dass den Islam als eine Religion des Friedens vorstellt.“ © Deutsche Welle
  • Juwita Trisna Rahayu
    Juwita Trisna Rahayu, Antara-Journalistin: „Dieses Programm hat mich dazu geführt, den Islam in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Meiner Meinung nach kann die religiöse Toleranz in Deutschland als Vorbild dienen. Auf der anderen Seite spielen die Medien nach wie vor eine wichtige Rolle bei der öffentlichen Meinungsbildung. Und anscheinend wird in Europa das Thema Religion immer noch genutzt um Wahlkämpfe zu gewinnen.“ © Deutsche Welle
  • Marella Al Faton
    Marella Al Faton, Islamische Politikforscherin an der UI, Lazis-Muhammadiyah-Aktivistin in Garut: „Wir, die außerhalb Europas leben, betrachten Deutschland auch als der Diskriminierung gegen den Islam schuldig, aber tatsächlich trägt die deutsche Regierung den Bedürfnissen der Muslime durch den islamischen Religionsunterricht in den Schulen Rechnung. Dies muss betont werden, damit wir verstehen, dass Deutschland nicht gegen eine Integration des Islams in die Kultur des Landes ist, sondern dass die deutsche Gesellschaft aufgrund ihrer säkularen Anschauung die Religion als Privatsache betrachtet, die in der Öffentlichkeit keinen Platz hat.“ © Deutsche Welle
  • Ahmad Muttaqin
    Ahmad Muttaqin, Al-Quran-Studien-Absolvent an der Pascasarjana UIN Yogyakarta: „Am Interessantesten war die ausgeprägte akademische Freiheit in Deutschland. Auf den drei von uns besuchten Hochschulen begegneten wir verschiedenen Ansätzen der Islamwissenschaft und der Islamischen Theologie. Dadurch kann der Islam in einem breiteren Spektrum in einem dynamischen Kontext verstanden werden. Indonesien sollte sich mehr öffnen, und das beim Studium des Islam aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglichen.“ © Deutsche Welle
  • Maycherlita Supandi
    Maycherlita Supandi, Teilnehmerin des Magisterstudiengangs in Kulturwissenschaften an der UNAIR Surabaya: „Ich habe selbst gesehen, mit welcher Vorsicht Muslime in Deutschland den Koran interpretieren. Sie berücksichtigen alle Aspekte und untersuchen die sozialen, kulturellen, historischen und sogar politischen Kontexte. Ich habe noch keine islamische Gemeinschaft getroffen, die andere Gruppen bemängelt oder verunglimpft, obwohl es meiner Meinung nach auch kontextuelle Interpretationen gibt, die zu weit gehen.“ © Deutsche Welle

Fast zwei Wochen ist eine Gruppe von 15 muslimischen Intellektuellen aus Indonesien durch Deutschland gereist.
Sie haben in Göttingen, Frankfurt und Berlin andere Muslime getroffen, mit Islam-Wissenschaftlern diskutiert, das Auswärtige Amt besucht und in Neuköllner Moscheen erfahren, wie der muslimische Alltag in Deutschland funktioniert. In dieser Bildergalerie haben wir ihre Eindrücke zusammengetragen, um ihre Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen.