Technischer Fortschritt und die Schaffung der Zukunft
Kultursymposium Weimar 2019

Weimar Light Man slide
©Bernhard Ludewig

Vor wenigen Wochen entsandte das Goethe-Institut Namibia die afrofuturistische Autorin und Fotografin Masiyaleti Mbewe zu ihrer Teilnahme am Kultursymposium 2019, das vom 19. bis 21. Juni unter dem Thema „Die Route wird neu berechnet“ in Weimar stattfand. Unter der Organisation des Goethe-Instituts brachte das internationale Event Menschen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam über die Bedeutung von Technologie und ihre Rolle in der Formulierung des zukünftigen menschlichen Geistes nachzudenken.

“Die angesprochenen Themen umfassten den Stand von Technologie, Politik, Kunst, dem Klima und der Weltwirtschaft mit dem Versuch, sich nicht abhängen zu lassen und vorhandene Pläne so zu verändern, dass sie entsprechend angepasst und erweitert werden können, da die Zukunft unvorhersehbar ist“, so Mbewe. Mehr als 70 Vortragende aus 35 Ländern präsentierten ihr Verständnis von Trends im Hinblick auf Kunst und kulturelle Entwicklung durch Vorlesungen, Diskussionen und künstlerische Darbietungen. Mbewe merkt an, dass die einzelnen Themen relevant und wichtig für Namibia sind. „Es ist wichtig für uns, die Art, auf die technischer und politischer Fortschritt uns auf globaler Ebene beeinflussen, zu analysieren. Was ist unser Platz in der Schaffung dieser Zukunft? Selbstreflexion ist notwendig, um festzulegen, wie nachhaltig diese Zugänge sind. Wir müssen solche Ergebnisse besprechen und vorraussehen“, erklärt sie.

  • Masi Weimar 1 ©Mbewe
  • Masi Weimar 2 ©Mbewe
  • Masi Weimar 3 ©Mbewe
Eine Vortragende, die Mbewe besonders im Gedächtnis geblieben ist, war Nanjira Sambuli, die, wie sie erzählt, eine kritische und informative Diskussion über die Beziehung zwischen Geschlechtern und Technologie abhielt. „Lasst uns aus namibischer Perspektive einen Blick darauf werfen, wie Online-Sprache sich strukturiert, wenn Geschlechter diskutiert werden, wie wir diese inklusiver gestalten können. Wie beginnen wir damit, einen digitalen Raum frei von binären Geschlechternormen und geschlechtsgebundenen und erzwungenen, darauf basierenden Verhaltensweisen zu etablieren?“, fragt sie. Sambuli ist eine politisch aktive Wissenschaftlerin aus Kenia. Aktuell leitet sie eine Initiative zur politischen Befürwortung zur Förderung digitaler Gleichberechtigung im Zugang und der Nutzung des Netzes bei der World Wide Web Foundation.

Digitale Segregation, Zugang zum Internet und Inklusion waren heiß diskutierte Angelegenheiten auf dem Kultursymposium und Mbewe hebt hervor, dass diese von Künstlerinnen und Künstlern in Afrika als wichtig angesehen wird, um ihre Arbeit zu digitalisieren, während andere Personen diesem Umstand keinerlei Bedeutung beimessen. „Ich empfinde es als problematisch, anzunehmen, dass nur digital archivierte Arbeit wichtig ist. Natürlich haben einige Künstlerinnen und Künstler Aufmerksamkeit und traurige Berühmtheit durch die Nutzung sozialer Medien und eigener Websites erlangt, deshalb ist es eine komplexe Frage; Die, die Ahnung haben, haben Ahnung, die, die keine Ahnung haben, haben keine. Dies ist nicht abträglich für den Wert der Arbeit, dennoch problematisiert dies die Reichweite der Kunst, falls die Leute es vorziehen, Kunst online zugänglich zu haben“, führt Mbewe an.

Mit einem vorausschauenden Blick darauf, wie Veränderungen in Technologie und globalen Schauplätzen der Wirtschaft und Politik die Entwicklung von Kunst und Kultur beeinflussen, bemerkt Mbewe, dass Afrika einige zentrale Punkte beachten muss, bevor es sich in das neue Feld der technologischen Entwicklung stürzt. „Wir müssen uns anschauen, was die Beziehungen zwischen diesem Vorankommen und marginalisierten Personen ausmacht. Wie können sie Technologie als Waffe einsetzen und mit welcher Ethik ist sie zu gebrauchen? Werden Randfiguren für diesen Prozess der Entwicklung des Fortschritts befragt und wird dabei bedacht, wie oft sie ausgegrenzt wurden? Wir brauchen Antworten auf diese Fragen“, fasst sie die Situation zusammen.