Filmemacher, Regisseur und Schreiber
Close-Up Schott

Florian Shoot Katutura 2 slide
©Tulinane Entertainment

Bekannt in Namibia für seinen Film „Katutura“, hat Schott mit seiner Passion die hiesige Filmindustrie maßgeblich beeinflusst. The Weekender dreht den Spieß nun um und durchleuchtet Schotts Leben, als Mann hinter der Bühne mit Jump-Cuts, Flashbacks und selbstverständlich der Nahaufnahme.

Der ursprünglich aus Essen, Deutschland stammende Schott wuchs zusammen mit seinen beiden älteren Schwestern auf. Seine Eltern waren beide Apotheker. „Als jüngstes Kind, so glaube ich, hatte ich den meisten Freiraum raus zu gehen und die Welt zu erforschen und dabei meine Liebe für Geschichten und das Kino zu entdecken,“ so der Regisseur.

Schott war schon immer interessiert an der Unterhaltungsbranche und vor allem dem Erzählen von Geschichten. Als junges Kind liebäugelte er somit davon, einmal Magier zu werden. „Ich wollte Menschen diesen Wow-Effekt liefern“, sagt er. „Als ich 11 Jahre alt war, nahm mich mein Vater unerlaubterweise mit in die Vorführung von ‚Jurassic Park‘. Der Film war eigentlich erst ab 12, doch allein dieses Erlebnis zeigte mir, was ich später machen wollte – Geschichten erzählen, Welten erstellen, Charaktere prägen und Situationen zeigen, die für das Publikum vielleicht nicht unbedingt so existieren“, so der Filmenthusiast.

Nachdem er seine Frau Cherlien bei einem Filmdreh kennenlernte, wechselte Schott die Szene von Deutschland nach Namibia – er lebt hier nun seit gut einer Dekade. Schott hat sich seit 2002 einen Ruf in der hiesigen Unterhaltungsbranche gemacht und darüber hinaus in Europa, Südamerika, der Antarktis und anderen afrikanischen Ländern als Assistenzregisseur gearbeitet. Die harte Arbeit des Regisseurs hat sich ausgezahlt, sodass eine Vielzahl seiner Werke mit Preisen und Vorführungen international gewürdigt wurde.

  • Shooting Baxu 1 ©MaMoKoBo Video & Research
  • Shooting Baxu 2 ©MaMoKoBo Video & Research
  • Baxu Premiere ©MaMoKoBo Video & Research
Schott schrieb und leitete sein selbstfinanziertes Filmprojekt „Everything Happens For a Reason“. Der  Kurzfilm mit Chops Tshoopara, Muhindua Kaura, Joel Haikali, Lize Ehlers, David Ndjavera, Lynn Strydom, Armas Shivute und Norman Job, war in einem Take gedreht worden und gewann den  Afrinolly-Kurzfilmwettbewerb in Nigeria im Jahr 2014. Zudem wurde er im selben Jahr als bester Regisseur und bester Schnitt bei den Namibian Theatre and Film Awards (NTFAs) ausgezeichnet.

Die YouTube Zuschauerin Rosy Henschel schrieb zum Film: „Ich bin sprachlos. [Ich] wusste nicht, dass wir solche Produkte haben. Gut gemacht – bleib am Ball. Danke fürs Teilen.“  Benyamen Jesaya wiederholte die Worte, indem er schrieb: „Das ist wunderschön. Das Talent vom „Land of the Brave“.“

Zwei Jahre später schrieb der Filmemacher in Kooperation sein Regisseurdebüt „Katutura“ ein Feature-Film mit Tshoopara. Der Film wurde von Tulinane Entertainment produziert und spielte in Windhoeks Township Katutura. Er hatte unterschiedliche Charaktere im Fokus und wurde einer der erfolgreichsten Filme im Land.

Dieses Jahr begann Schott in einer ähnlichen Rolle mit seinem Kurzfilm „Baxu and the Giants“. Der Film gewann die Titel Bestes Produktionsdesign (Tanya Stroh), Bester Schnitt (Roberts Scott) und Beste weibliche Schauspielerin (Camilla Jo-Ann Daries) bei den NTFAs.

Mit einer Vielzahl anderer Projekte, wirkt er auch maßgeblich auf das deutsche Fernsehen ein. Doch wie jongliert er seinen anstrengenden Beruf mit seinem persönlichen Leben? „Schwierig. Es ist nicht immer einfach. Glücklicherweise weiß meine Frau, dass ich sowohl mit ihr als auch mit dem Film verheiratet bin“, sagt er. Er fügt hinzu, dass er versucht, seine Sonntage als Familienzeit zu verstehen und an Abenden versucht, mit seinen Liebsten zusammen zu sein.
  • Shoot Katutura 1 ©Tulinane Entertainment
  • Shoot Katutura 2 ©Tulinane Entertainment
  • Shoot Katutura 3 ©Tulinane Entertainment
  • Shoot Katutura 4 ©Tulinane Entertainment
  • Shoot Katutura 5 ©Tulinane Entertainment
"Es funktioniert nicht immer, aber Cherlien ist sehr verständnisvoll und ich könnte weder die Kraft noch die Energie für meine Arbeit aufbringen, wenn ich nicht meine Freunde und Familie als Ausgleich hätte.“
In Anbetracht der Geschichte des namibischen Kinos, ist 2019 ein besonders erfolgreiches Jahr mit einem Überfluss an lokalen Geschichten auf großer Leinwand. Dies verdeutlicht das langsame Wachstum der Industrie. „Ich glaube die Filmgemeinschaft Namibias (Es ist noch nicht ganz eine Industrie) ist an einem Knackpunkt“, so Schott. „Auf der einen Seite konnte Namibia in den letzten zwei Monaten, drei neue Filme betrachten; 'Hairareb', 'The White Line' und '#LANDoftheBRAVEfilm' – sowie eine Vielzahl an Kurzfilmen wie 'Baxu and the Giants', und die 'Invisibles'. Gleichzeitig wurden aber alle mit einem so eingeschränkten Budget gedreht, dass es sich auf Dauer kaum lohnt, Filme zu produzieren.“

Schott erwähnt des Öfteren, dass Filmemacher ihre Kollegen nicht in Anbetracht ihres Talentes entlohnen. Somit stellt sich die Frage: „Wie kann man sicher stellen, dass es weiterhin lokale Filmemacher gibt, auch wenn kein Geld da ist, um den Prozess tatsächlich zu begleiten?“

„Meiner Meinung nach ist der nächste Schritt, eine einzigartige namibische Geschichte zu produzieren, die sich international verkaufen lässt, sodass wir in Zukunft die Chance haben, mit internationalen Partnern zu arbeiten und unsere Filme außerhalb des Landes zeigen können.“
  • Florian Zanzibar ©Florian Schott
  • Everything Happens ©Florian Schott
  • Die Chefin 1 ©Network Movie
  • Die Chefin 2 ©Network Movie
In Anbetracht seines Erfolges sieht Schott ein, dass er Glück hatte, in sowohl der lokalen namibischen, wie auch der europäischen Industrie, Fuß gefasst zu haben. Besonders als jemand, der nicht in Namibia aufgewachsen ist, so sagt er selbst, besitzt er eine westliche Sensibilität für die Geschichten die er gerne sehen würde, begleitetet von einem lokalen Gefühl, Probleme aufzuzeigen und zu hinterfragen.

„Am Ende – und so ist es mit jedem meiner Projekte – kommt es darauf an, ob ich mir diesen Film oder diese Serien selber angucken würde. Würde ich mich freuen, würde ich Geld dafür bezahlen es im Kino zu sehen? Wenn die Antwort ‚ja‘ ist, dann ist dem so, weil ich eine solche Geschichte noch nicht gesehen habe oder weil die Art der Erzählung neu ist. Ich hoffe, dies auch in anderen Menschen finden zu können, sodass man in einer Geschichte vereint ist,“ so Schott.

Mit seinen Händen in unzähligen kreativen Projekten, kann er zu jeder Zeit neue Geschichten entdecken, bis eine heraussticht und seine eigene Neugier anstachelt. Die Folgefrage sind immer die Produktionskosten.
„Ich bin sehr erfreut über die Feature-Filme, die ich mache. Einer ist ein Überlebens-Thriller, welcher auf wahren Begebenheiten in der Sahara beruht. Ich sitze an dem Projekt seit 2014. Zusätzlich arbeite ich an einem urbanen, weiblichen Actionfilm und einem weiteren romantischen Film, der die Fabeln Namibias entdeckt und die Wichtigkeit des Erzählens von Geschichten in sich spiegelt.“

„Auch bin ich sehr begeistert über die Mini-Serie, eine wahrlich namibische Geschichte, die in den Achtzigern spielt und für die ich gerade Forschungen betreibe“