Teilung oder Rückgabe von Objekten
Wie Afrika besitzen kann, was ihr gehört

Dinosaurs - Berlin’s Museum of Natural History Dinosaurs at Berlin’s Museum of Natural History © Meliha Mujanic / Unsplash Seit langer Zeit fordert Afrika die Rückgabe ihres geplünderten Erbes ein, das derzeit in den Museen ihrer ehemaligen Kolonialist*innen festgehalten wird. Diese anhaltende Aufregung wurde 2017 durch die Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron verstärkt, dass Frankreich damit beginnen werde, alle unrechtmäßig erworbenen afrikanischen Kulturgüter an ihre rechtmäßigen Besitzer*innen zurückzugeben. Auch wenn dieser Schritt sehr positiv aufgenommen und als längst überfällige Geste anerkannt wurde, wurden dadurch mehrere Folgefragen aufgeworfen. Einige davon betreffen die weitreichenden ungleichen Beziehungen, die zum Zeitpunkt des Erwerbs vorherrschten. Andere, eher logistische Fragen thematisieren, ob Afrika bereit ist, ihr Erbe zu erhalten, da argumentiert wurde, dass der Kontinent nicht über eine angemessene Infrastruktur für die Lagerung, Ausstellung oder sogar Konservierung dieser Objekte verfügt. Nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung über die unzureichenden Bedingungen, unter denen afrikanische Objekte im Humboldt-Museum in Berlin gelagert wurden, ist nun klar, dass die Nennung der Infrastruktur als Hindernis für die Rückgabe lediglich ein Ablenkungsmanöver ist.

Ein weiterer Problempunkt ist die Tatsache, dass afrikanische Objekte aus ihrem natürlichen Habitat (d.h. tropischem Klima) entfernt wurden, wo sie nicht wie in den gemäßigten Zonen, in denen sie derzeit untergebracht sind, spezielle Konservierung benötigten: Diese gemäßigten Gebiete sind durch extreme Wetterbedingungen gekennzeichnet (Bedingungen, die ironischerweise eine aggressive Bändigung erfordern). Darüber hinaus dienten die afrikanischen Objekte unterschiedlichen Zwecken und waren ständig in Gebrauch, so dass eine langfristige Lagerung, Ausstellung oder Konservierung nicht erforderlich war.

Das kulturelle Erbe wurde nach Europa gebracht, um die afrikanische "Rückständigkeit" und "Barbarei" in den Augen des Kolonisierenden und Erobernden zu demonstrieren und so die "Überlegenheit" der Kolonisator*innen zu bestätigen. Das Naturerbe wurde seinerseits zum Zwecke der Forschung und des Studiums sowie zur Stärkung des Gefühls des Stolzes und sogar der Allwissenheit des Kolonisierenden - dass es nichts auf der Erde gäbe, was diese*r nicht gesehen habe oder nicht wisse - genutzt.

Als ich kürzlich an einer vom Berliner Naturkundemuseum organisierten Konferenz teilnahm, hatte ich das Privileg, eine Sammlung von Dinosauriern aus Tansania zu sehen, die zwischen 1909 und den 1930er Jahren von Werner E. M. Janensch erworben wurde. Einer dieser Dinosaurier, der Giraffatitan brancai, ist im Guinness-Buch der Rekorde als der größte jemals montierte Dinosaurier eingetragen. Es ist ein großartiger, faszinierender Anblick und verständlicherweise das Herzstück der gesamten Institution. Menschen kommen von weit her, um die phänomenale Kreatur zu sehen, die vor 150 Millionen Jahren lebte, deren Skelett 22 Meter hoch ist und die zu Lebzeiten bis zu 78,3 Tonnen gewogen haben könnte. Während es gewertschätzt wird, dass Deutschland in der Lage war, diese Knochen aus Tendaguru (Lindi), Tansania, in eine für die Welt zugängliche Sehenswürdigkeit zu verwandeln, stellt sich gleichzeitig die Frage: Welche Welt? Oder besser gesagt, ist es tatsächlich ein zugänglicher Anblick für die Besitzer*innen dieses Erbes - die Tansanier*innen?

Es ist bedauerlich, dass Afrikaner*innen, die Eigentümer*innen einiger der bemerkenswertesten Gegenstände sind, die in den Ländern der ehemaligen Kolonisator*innen aufbewahrt werden, nie die Chance haben werden, sie zu sehen. Dies ist nicht nur ein Problem der Beschaffung der notwendigen Gelder für Reisekosten, sondern auch eine Folge zahlreicher starrer Migrationsgesetze und Verdächtigungen, denen afrikanische Reisende ausgesetzt sind. In vielen Fällen spielt es keine Rolle, ob man reist, um an einer Konferenz teilzunehmen, zu studieren, Geschäfte zu machen oder sogar zum Vergnügen in den Urlaub zu fahren. Werden die Dorfbewohner*innen in Tendaguru, von wo diese Knochen stammen, jemals eine Chance haben, sie zu sehen oder etwas darüber zu erfahren? Haben sie nicht ein Anrecht auf dieses Erbe? Nach Aufrufen zur Rückgabe des Dinosauriers bot die deutsche Regierung Tansania kürzlich an, bei der weiteren Erforschung von Tendaguru zu helfen, die Förderung der Fossilienerhaltung im Museum fortzusetzen und weitere wissenschaftliche Forschungen in Tendaguru zu unterstützen, um ähnliche Fossilien zu finden, da die Rückgabe des angeforderten Dinosauriers "eine komplizierte Angelegenheit" sei.

Der Tendaguru-Fall ist kein Einzelfall. Zahlreiche andere archäologische und paläontologische Objekte aus dem östlichen Afrika befinden sich in den Sammlungen westlicher Museen. Das Bedauerlichste ist, dass afrikanische Forscher*innen nicht wissen und keine umfassenden Aufzeichnungen darüber haben, was es da draußen gibt. Einige Museen haben Inventare dieser Gegenstände erstellt und sie der Öffentlichkeit in wissenschaftlichen Publikationen und auf ihren Websites zugänglich gemacht. So stammen beispielsweise von den 47.000 Objekten der archäologisch wertvollen Sammlungen des Pitt Rivers Museums in Oxford 35 Prozent aus Afrika, wobei Kenia nach Ägypten und Südafrika den drittgrößten Beitragsanteil hat. Der größte Teil dieser Sammlungen wurde dem Museum von den Kolonisatoren vor dem Zweiten Weltkrieg übergeben. Dies dient als Beispiel für eine große Anzahl archäologischer Materialien, die in einem einzigen Museum gefunden wurden. Paläontologische Exemplare aus Afrika werden an anderen Orten aufbewahrt, darunter mehrere Naturkundemuseen der westlichen Welt: Unter anderem das Horniman Museum in Großbritannien, das Smithsonian in den USA und das Musée de l'Homme in Frankreich.

Ein weiteres gutes Beispiel sind die "Menschenfresser von Tsavo", zwei berüchtigte Löwen, die beim Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Uganda und Kenia getötet wurden: Sie durchstreiften den Tsavo-Nationalpark in Kenia und töteten mehrere Eisenbahnbauer. Kenianer*innen können darüber nur in Geschichtsbüchern lesen, weil die Löwen derzeit sehr weit weg sind. Sie wurden vom Chicago Field Museum in den USA erworben und dort montiert. Während Kenianer*innen afrikanischer und indischer Herkunft ihre Vorfahren 1898 von diesen Tieren zerfleischen und töten ließen, wird die Geschichte des Baus dieser Eisenbahn Kenianer*innen stets ohne die bedeutende Rolle erzählt, die diese Löwen in der Erzählung spielten - obwohl ihre Geschichte neben den Löwen selbst andererorts in vollem Umfang verfügbar ist. Dies veranschaulicht, dass naturhistorische Objekte und bedeutende Sammlungen aus Afrika möglicherweise nie von den rechtmäßigen Eigentümer*innen des Kulturerbes oder generell in ihren Herkunftsländern gesehen werden.

Die Problematik des illegalen Transfers sowohl von naturhistorischen Exemplaren als auch von paläontologischen Fossilien dauert bis heute an. Mangels lokaler Forschungsgelder nutzen Personen, die Verbindungen zum Westen haben, wo finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, jede sich bietende Gelegenheit, um her zu kommen und Forschungen durchzuführen. Es ist jedoch bekannt, dass sie diesen großzügig gewährten Zugang nutzen, um die Stätten zu plündern und die wichtigsten Funde sogar mitzunehmen. Dies erinnert an den unbekannten Aufenthaltsort des zweitältesten menschlichen Vorfahren der Welt, Orrorin tugenensis, der etwa 6 Millionen Jahre alt ist. Nach dem unerklärlichen "Verschwinden" dieses Hominiden, der im Jahr 2001 in Tugen Hills, Baringo, ausgegraben wurde, ist sein/ihr aktueller Aufenthaltsort immer noch ungeklärt. Wir können derzeit nur in internationalen Publikationen über ihn/sie lesen. Auch wenn es selbst in der heutigen Zeit nicht ungewöhnlich ist, dass Eigentümer*innen von Kulturerbe keinen Blick auf die paläontologischen und archäologischen Funde ihres Landes werfen können, gibt das Vorhandensein dieser Sammlungen in den örtlichen Nationalmuseen den Eigentümer*innen des Kulturerbes die realistische Hoffnung, sie eines Tages zu sehen und kennen zu lernen, und schafft darüber hinaus die Möglichkeit, alle möglichen wesentlichen Geschichten zu erzählen und sich mit diesen wertvollen Funden im Mittelpunkt an sie zu erinnern.

Im Gegensatz zu dem, was an beweglichem Kultur- und Naturerbe gelitten hat, wurde jedes unbewegliche Kulturerbe, das Forscher*innen der Kolonialzeit als wertvoll erachteten, wie die Steinmauern der ostafrikanischen Küste oder die großen Mauern von Simbambwe, anderen races als der Afrikanischen zugeschrieben. Beispiele dafür sind die phänomenalen, massiven Brunnen im Norden Kenias und im Süden Äthiopiens, bekannt als Tula-Brunnen, die als Verdienst von weißen Menschen angesehen werden. Darüber hinaus wurde auch das unbewegliche Naturerbe, wie große Seen und hohe Berge, in der "Weltgeschichte" als von weißen Menschen "entdeckt" dargestellt.

Indem er lokale Erinnerungen beschädigte, schuf der Westen eine vorherrschende Weltanschauung, die Afrikaner*innen als ohne eine bedeutungsvolle Geschichte oder Grundlage für technologisches Wachstum darstellte, wodurch permanente Lücken im Bewusstsein des afrikanischen Kindes entstanden. Diese falschen Vorstellungen sind in Schulbüchern allgegenwärtig und erlauben es dem afrikanischen Kind nicht, sich eine Vergangenheit vorzustellen, in der seine Vorfahren kreativ oder innovativ waren oder sogar in Ländern lebten, in denen ihre natürlichen geographischen Bedingungen für sie oder ihre Lebensweise von Bedeutung waren. Darüber hinaus bleibt die Rettung dieser afrikanischen Vergangenheit schwer fassbar, da die Zeremonien, Rituale und funktionalen Werte des gestohlenen Kulturerbes (ob spirituell oder ästhetisch) aufgrund der Bruchstellen, die durch ihre Plünderung und absichtliche Zerstörung entstanden sind, nicht leicht zu erreichen sind. Dies führte nicht nur zu Gedächtnisverlust, sondern auch zu einem umfassenden Verschwinden des technischen Know-hows für die Reproduktion dieser Objekte, da einige (insbesondere Ritualgegenstände) zum Zeitpunkt ihres Diebstahls die letzten verbliebenen Exemplare gewesen sein könnten.

Während ein Teil des gestohlenen Erbes unter miserablen Bedingungen in den Museen ihrer Entführer*innen verblieben ist, hat vieles davon eben diesen zu Reichtum und wissenschaftlichem Wissen verholfen. "Forschung" wurde als Hauptgrund für die Entfernung von naturhistorischen Fossilien, wie z.B. Dinosaurierknochen, aus ihren Heimatländern genannt. Für manche mag dies legitim klingen. Doch die Zwecke, denen sie heute in diesen Dauerausstellungen dienen, haben weit mehr mit Wirtschaft als mit Wissenschaft zu tun. Fragen im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Nutzen oder der Schaffung günstiger Umgebungen für die Aufbewahrung und Ausstellung nach der Rückkehr müssen angegangen werden, damit sich unsere Kinder und die Öffentlichkeit die Geschichte der von ihnen geerbten Umwelt vorstellen sowie diese wertschätzen und nachbilden können.

Die entscheidenden Fragen, die es zu klären gilt, liegen nicht nur in der Bedeutung des geraubten Erbes als spirituelle und kulturelle Identität der Menschen - es müssen auch alle damit verbundenen wirtschaftlichen Gewinne berücksichtigt werden, da diese mit relativer Leichtigkeit zurückgewonnen werden können, selbst in unmittelbarer und kurzer Zeit. Als sich die Dinosaurier beispielsweise in Tendaguru befanden, wurden sie von den Einheimischen zur Verehrung verwendet und de facto als in situ Exponate geschützt, auch wenn sie nicht im westlichen Stil ausgestellt wurden. Die Menschen staunten auch damals über sie und sahen sie sich an. Aus diesem Grund nahmen die Menschen in Tendaguru die eingereisten Deutschen mit zu der Stätte, woraufhin diese die Stätte plünderten. Die Deutschen beanspruchten umgehend das Land, auf dem die Dinosaurierknochen lagen, und entfernten sie daraufhin systematisch durch absichtlich ungleich aufgestellte Regelungen.[13] Einer der Dinosaurier, der ausTendaguru entfernt wurde, trug damals den Namen "Nyorosaurus" nach Seliman Nyororo, dem Tansanier, der die Deutschen zu ihm geführt hatte. Heute heißt er Dicraeosaurus sattleri, nach einem deutschen Bergbauingenieur.

Es ist anzumerken, dass, wenn die Dinosaurier und andere Exemplare der Naturgeschichte an Ort und Stelle oder in afrikanischen Museen, wo die klimatischen Bedingungen denen der Umgebung, in der sie gefunden wurden, am nächsten sind, konserviert und ausgestellt worden wären, übermäßige Kosten für die Konservierung und Montage niemals entstanden wären. Diese Ausstellungen hätten Besucher*innen und Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt angezogen und den Herkunftsländern die Möglichkeit gegeben, von ihrem eigenen Erbe zu profitieren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Hauptverantwortung der Museen der Kolonisator*innen in den Rückführungsdebatten neu einzuschätzen. Es wird sehr lange brauchen, die unfassbaren negativen Auswirkungen dieser Gräueltaten wieder rückgängig zu machen, während viele von ihnen für immer unumkehrbar bleiben werden - aber die greifbaren wirtschaftlichen Vorteile für die Besitzer*innen dieses Erbes können unmittelbar und selbsttragend sein.