Museumsgespräche 2019

Projector museumconversations ©Creative Lab for Goethe-Institut Namibia

Es gibt keinen blueprint für Restitution

Vom 18. bis 20.09. 2019 fand in Windhoek die Abschlusskonferenz der Museumsgespräche statt, die mit Keynotes von Prof. Klaus-Dieter Lehmann und dem Kenianer George Abungu eröffnet wurden. 2018 hat das Goethe-Institut Museumsgespräche an sieben verschiedenen Standorten veranstaltet: In Kigali, Ruanda; Windhoek, Namibia; Ouagadougou, Burkina Faso; Kinshasa, Demokratischen Republik Kongo; Accra, Ghana; Dar Es Salaam, Tansania; und Lagos, Nigeria wurden in kleineren Veranstaltungen lokale Fragestellungen erörtert, die die Grundlage für das Programm der Abschlusskonferenz legten.

 

Nun konnten in Windhoek nicht nur diese Themen zusammen geführt werden, sondern in vielen inhaltlichen Fragen auch fortgeführt werden. Etwa bei der Rückführung von menschlichen Überresten ist eine klare Position formuliert worden, wie diese behandelt werden sollen. Sammlungen von Gebeinen in Museen seien „crime scenes“  so Wandile Kasibe, der junge südafrikanische Wissenschaftler forderte daher deutlich, diese Orte auch so zu behandeln. Mit dieser Forderung beschränkt man sich aber nicht nur auf die Sammlungen in Nordamerika und Europa, so hat etwa auch Südafrika zweifelhafte Sammlungen aus den ehemals besetzten Ländern wie Botswana und Namibia die baldmöglichst restituiert werden müssten.
 
Goethe-Institut
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Darüber hinaus waren die Museumsgespräche Plattformen für einen verstärkten inhaltlichen Austausch etwa zur Nutzung digitaler Medien in den Museen oder zur aktiveren Einbindung von Museen in Schulbildung. Ein weiteres wichtiges Thema ist und bleibt die innerafrikanische Vernetzung. 10 innovative Ansätze der Museumsarbeit wurden vorgestellt und lieferten afrikanischen Kuratierenden neue Ideen für die eigene Arbeit. Auch das Humboldt-Forum stellte in Windhoek die bisherigen Ausstellungskonzepte vor.

Manche Themen sind von der Wirklichkeit deutscher Museumsmacher*innen gar nicht so weit weg. So etwa die gezielte Ansprache von jungen Zielgruppen, die früh den Wert von Museen erkennen müssen um diese als selbstverständlichen Teil ihrer lebenslangen Bildungsbiographien zu begreifen. Aber auch die wachsende Zusammenarbeit mit Communities ist ein Thema, das nicht nur historische Museen betrifft. Verstärkt werden Museen als sichere, öffentliche Räume begriffen und auch für weitere zivilgesellschaftliche Anliegen genutzt. Immer häufiger versuchen auch Kunstmuseen und weitere eine stärkere Zusammenarbeit mit den Menschen in ihrem direkten Umfeld zu erreichen umso, organischere, passendere Angebote und Zugänge zu schaffen.

Am letzten Tag wurde mit einer Paneldiskussion die Rückgabe der Witbooi-Bibel nach Namibia als Beispiel einer ersten wichtigen Rückführung nach Namibia aus Sicht der beteiligten Partner diskutiert. Trotz dieser ersten vorzeigbaren Erfolge, zeigte sich in einer anschließend teils heftigen und emotionalen Debatte aber auch große Frustration in der jungen Generation die schnellere und deutlich mehr Rückführungen fordert. Prof. Wiebke Ahrndt vom Überseemuseum in Bremen machte aber auch deutlich: Es kann keinen blueprint für Rückführungen geben, den man als Muster empfiehlt. Viel wichtiger sei, es dass die Herkunftsgesellschaften klar ihre Vorstellungen formulieren und man den Prozess dann entsprechend gestalte.
 
Kontaktieren Sie: museum-conversations@goethe.de für weitere Informationen.

Hier finden Sie eine umfangreiche Zusammenfassung aller Vorträge und Diskussionen:
Die „Museumsgespräche“ sind eine Projektreihe der Goethe-Institute in Afrika südlich der Sahara und finden an den beteiligten Standorten in Zusammenarbeit mit dortigen Nationalmuseen, Museumsverbänden Ministerien und der UNESCO statt. Sie bieten Raum für die Initiierung eines innerafrikanischen Diskurses
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