Eine Reportage PASCH-Programm: Erfahrungen aus dem Akin Ogunpola Model College

PASCH Schule GI Nigeria
© Goethe-Institut


Ein ganz normaler Schultag am Akin Ogunpola Model College in Akinale Village –  einem unscheinbaren Städtchen an der Schnellstraße Lagos-Abeokuta in der Nähe der Zementfabrikation im Regierungsbezirk Ewekoro. Fahrer, die es eilig haben, übersehen es leicht.

Das Akin Ogunpola Model College, kurz AOMC, ist eine der kürzlich im Bundesstaat Ogun eingerichteten weiterführenden Schulen. Die Schule geht auf eine Initiative von Senator Ibikunle Amosun zurück und ist nach einer aus Akinale stammenden bedeutenden Persönlichkeit benannt. Am 16. September 2016 wurde offiziell der Unterricht aufgenommen. Zwei Jahre später ist die Schülerzahl stetig bis auf 116 angewachsen, bei einem Personalbestand von 76 Lehr- und anderen Kräften, die den Internatsbetrieb unterstützen.

Schulen: Das Akin Ogunpola Model College wurde zwei Jahre zuvor in die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ – besser bekannt unter dem Kürzel „PASCH“ – aufgenommen. Als eine der beiden PASCH-Partnerschulen im Bundesstaat Ogun (die zweite ist die Corona-Privatschule) erhielt die AOMC mit dem Beginn des Deutschunterrichts ihre Aufnahmeberechtigung für das PASCH-Programm. 
Deutsch ist eine von drei an der Modellschule unterrichteten Fremdsprachen (neben Französisch und Arabisch). Die ersten Schüler, die vor zwei Jahren mit dem Deutschunterricht begannen, befinden sich nun im letzten Unterrichtsjahr.

Mojisola Adenowo, die dritte Schulleiterin der AOMC, freut sich über die Resonanz, die Deutsch hier bei den Schülern findet.  Fremdsprachen sind zwar Wahlfächer, doch ist der Deutschunterricht gut besucht und bei den Schülern beliebt.

„Ich meine, alleine schon die Einrichtungen sind für die Schüler attraktiv. Wissen Sie, wenn es genug multimedial verwendbare Materialien gibt, unterstützt das den Lernprozess“,  witzelt sie und lobt die vom PASCH-Programm bereitgestellten Lernmittel. Das deutsche Sprachlabor war nicht nur für die Schüler verlockend; dank seiner waren auch die Lehrer anderer Fächer lebhaft am Erwerb grundlegender Deutschkenntnisse interessiert.

Ähnlich empfindet das Frau Oluwadamilola von der Corona School in Agbara. Die Schule führt derzeit für ihre Neuntklässler Deutsch als Pflichtfach ein; es gibt Pläne, die das Deutschangebot für alle dem Corona Schools Trust Council angeschlossenen Schulen sichern sollen.

In diesem Schuljahr wird der Deutschunterricht auch in jüngeren Klassen des Akin Ogunpola Model College eingeführt. Wisdom Ferdinand und Ruth Ogunleye, Absolventen des Fachs Deutsch an der Obafemi Awolowo University, scheinen der Aufgabe gewachsen.

Wisdom Ferdinand sieht gern, dass Deutsch schon in der weiterführenden Schule, nicht erst auf Hochschulebene angeboten wird, wie es noch in seinem grundständigen Studium in Ile-Ife der Fall war. Zwar sieht auch er das Problem der Ablenkbarkeit, da der Unterricht meist nachmittags stattfindet, doch äußert er sich anerkennend zur Multimedialität: „Meiner Meinung nach sind die audiovisuellen Medien bei Spracherwerb und Sprachvermittlung und auch die Muttersprachler der Hauptgrund für das starke Interesse am Deutschunterricht.“

Ruth Ogunleye, die in den unteren Klassen unterrichtet, ringt mit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne ihrer Schüler, doch probiert sie verschiedene Möglichkeiten aus, ihre Schüler mit Spaß und Freude für die Sprache zu interessieren.

Die Bedeutung, die man hier dem Deutschunterricht beimisst, zahlte sich vergangenen Sommer für beide Schulen aus: Am AOMC wurden drei Schüler – Olusola Bisola, Bakare Abdulrahman und Sekinat Ahmad – für das Sommerlager in Aachen ausgewählt, wo sie drei Wochen verbrachten. Es war ihr erster Auslandsaufenthalt, und man merkt ihnen immer noch die Aufregung der Flugreise und der Begegnung mit einem unbekannten Land an.

Die Schüler der beiden Schulen waren die einzigen aus Subsahara-Afrika. Ihre Erfahrungen waren vielfältig: Sie schlossen Freundschaften, lernten unterschiedliche Kochkünste kennen, nahmen an sportlichen Aktivitäten teil und besuchten täglich den Deutschunterricht.
Seit Abdulrahman, der Kernphysiker werden will, Deutschland besucht hat, hat sich seine Weltsicht positiv verändert. In seiner Freizeit übt er regelmäßig Deutsch und kann inzwischen deutsche Romane lesen.
Sekinat (16 Jahre) hält Deutsch zwar für eine anspruchsvolle Sprache, kommt inzwischen aber mit den für sie verwirrenden Konsonanten zurecht. Es fasziniert sie immer noch, wie fließend die Muttersprachler das Deutsche sprechen, und sie hofft, die Sprache einmal genauso zu beherrschen wie ihre eigene Sprache Yoruba.

Olusola Bisola hat seine A2-Prüfungen in Aachen bestanden, lässt in seinen Bemühungen jedoch nicht nach. „In den letzten beiden Jahren“, meint er, „habe ich durch das Deutsche sehr viel gelernt. Es hat mich beim Lernen und gesellschaftlich weitergebracht und meinen Blick auf die Dinge verändert.“ Er hofft, zum Medizinstudium nach Deutschland kommen zu können.
Das Spannendste an diesen Schülern, die zuhause zu Lokalmatadoren geworden sind, sind die Möglichkeiten, die sich durch ihre deutschen Sprachkenntnisse eröffnen. Ihr Dank dafür gebührt dem PASCH-Programm.