Interview mit Una Mullally Das Internet und das Ich

Justitia
© Public Domain: CC0 Creative Commons

Wer wir sind, ist heute gar nicht so leicht zu beantworten: Unser wahres Ich und unsere Eigendarstellung im Internet sind mit einander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig - sagt Journalistin Una Mullally. Im Interview plädiert sie für eine Erweiterung von Freuds berühmtem Struktur-Modell. 

Inwiefern wissen die Sozialen Medien mehr über uns, als wir es selbst tun?
Die Sozialen Medien wissen mehr über uns, weil sie Datensätze über uns sammeln.
Wir denken sehr oft darüber nach, was wir mögen und gut finden, aber aufgrund der Menge an Informationen, die wir den Sozialen Medien geben, müssen diese nicht darüber nachdenken, sie wissen es sofort.

Wenn Sie über das „Online Ego“ sprechen: Was meinen Sie damit?
Das „Online Ego“ oder „I-go“, wie ich es nenne, ist das vierte Element der gegenwärtigen Psyche. Dabei kreieren wir eine digitale Repräsentation unserer Selbst und stellen diese ins Netz. Diese Version von uns wiederum formt dann unser Selbst im echten Leben.

Weil wir so viel online leben und online denken, sollten wir der Frage nachgehen, wie das Selbst und die eigene Identität sich über die traditionellen Struktur, die von Freud vorgeschlagen wurde, hinweg erweitern.
 

Hier können Sie die ganze Rede von Una Mullaly nachschauen.
 
Welche Rolle spielt unser echtes Ich, wenn wir über Identität sprechen?

Unsere Identitäten sind eine Mischung aus dem, was wir online von uns präsentieren und wer wir wirklich sind. Wir denken alle, dass wir autonome Wesen sind und unsere Meinungen originell sind. Diese wird aber vielmehr von Algorithmen verformt und beeinflusst, die vorgeben, welche Newsfeeds wir sehen und welche Informationen wir bekommen.
Daher beeinflusst unsere Onlinepräsenz unser wahres Ich immer stärker. Es ist mir nicht mehr möglich zu sagen, was unsere Identitäten überhaupt noch sind!
Ich denke sie sind eine Mischung aus vielen Dingen.