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Mit weniger zufrieden
Tiny Houses in Rotterdam

Wohnen auf kleinstem Raum: Im umfunktionierten Schiffscontainer und eigens angefertigten Haus wohnen zwei Paare in Rotterdam. Ausgehend vom kleinen Eigenheim entstand die Idee, anderen beim Bau von Häusern im Miniaturformat zu helfen. Die „Tiny House Akademie“ war geboren.

Von Sanne Derks

  • Tiny House Jan Willem und Noortje © Sanne Derks
    Tiny House Jan Willem und Noortje
  • Tiny House Jan Willem und Noortje © Sanne Derks
    Tiny house Jan Willem und Noortje
  • Tiny House Jan Willem und Noortje © Sanne Derks
    Tiny house Jan Willem und Noortje
  • Tiny House Jeroen und Tessa © Sanne Derks
    Tiny House Jeroen und Tessa
  • Tiny House Jeroen und Tessa © Sanne Derks
    Tiny House Jeroen und Tessa

Auf einem brachliegenden Gelände in der Siedlung Heijplaat in Rotterdam stehen zwei sogenannte Tiny Houses. Die Siedlung bietet dem Projekt Concept Housing Village eine Unterkunft, in der innovative Wohnkonzepte und Bauprozesse entwickelt, getestet und demonstriert werden. Als Jan Willem van der Male und Noortje Veerman ihr eigenes Tiny House gestaltet und gebaut hatten, genehmigte ihnen die Stadt, auf der Heijplaat für die Dauer von einem Jahr darin Wohnung zu nehmen. Später kamen dort der zu einem vollwertigen Tiny House entwickelte Seecontainer von Jeroen Wijnhorst und Tessa Koogje hinzu.

Jeroen erzählt, dass der Bau seines Hauses ca. 30.000 Euro gekostet hat: „Der Seecontainer kostete 3.000 Euro. Diesen haben wir komplett zu einem vollwertigen Häuschen umgebaut: mit einer Fensterseite, von der viel Licht ins Haus kommt. Alles ist vorhanden: eine Dusche, eine Spüle mit einer kleinen Küche, ein Sofa, das wir zum Schlafen umbauen und wir haben sogar Fußbodenheizung. Wir haben ein sehr einfallsreiches, vom Stromnetz unabhängiges, sogenanntes „off-grid-System“ aus Solarplatten, die den Strom an Akkus weitergeben. Die Installation kostete mehr als ein Drittel des Gesamtpreises.“

Beide Häuser sind selbstgebaut und von den Bewohnern entworfen. Jan Willem ist Architekt und erzählt, wie alles mit seinem und Noortjes Wunsch, ein eigenes Haus zu bauen, begann. „Wir wollten auf keinen Fall dreißig Jahre lang von Hypotheken abhängig sein. Die wichtigste Motivation für mich und meine Freundin ist zuallererst, dass wir wirtschaftlich unabhängig leben wollen. Außerdem sind wir der Meinung, dass es nicht notwendig ist, immer mehr und größer wohnen zu wollen. Unser Ausgangspunkt ist es, sich mit weniger zufriedenzugeben. Schließlich sind wir gerne bereit, unsere ökologische Verantwortung zu übernehmen. In einem ‚Tiny-house‘ zu wohnen, ist auch eine Lebensweise.“

Während der Entwicklung seines eigenen Tiny House entstand die Idee, auch anderen beim Entwerfen und Bauen ihrer Tiny Houses zu helfen. Jan Willem ist Gründer der Tiny House Akademie, mit deren Hilfe auch Jeroen und Tessa ihr Haus bauten. Die Tiny House Akademie bietet Kurse, Workshops und Baubegleitung für alle, die auch diese Lebensweise anstreben.
Noortje erklärt: „Zurzeit ist das Wohnen in einem Tiny House wahnsinnig angesagt. Die Leute möchten gerne in einem komfortablen Haus wohnen. Außerdem verändert sich die Mentalität in der Weise, dass immer mehr Menschen ökologische Verantwortung übernehmen möchten. Es sieht natürlich auch ganz fröhlich und gemütlich aus, so ein schnuckeliges, gemütliches Häuschen.“

Es ist jedoch nicht immer nur einfach. So erzählt Jeroen: „Man kann netzunabhängig niemals den gleichen Komfort erhalten wie netzabhängig. Wir haben beispielsweise auch Fußbodenheizung anlegen lassen, aber im Winter wurde es nicht wärmer als 13 Grad. Manchmal wurde es nicht wärmer als 6 Grad. Im Dezember waren kaum Sonnenstunden und wegen unserer Solarplatten mussten wir oft wählen: entweder duschen oder kochen. Das ist nicht jedermanns Sache.“

Jan Willem würde am liebsten am Meer in den Dünen wohnen. Jeroen fühlt sich mehr von einer urbanen Umgebung angesprochen: „Ja, es ist mein Traum, mitten in der Stadt auf einer kleinen Stelle unser Häuschen auf zu bauen.“ Nach der Auffassung von Jan Willem sind die niederländischen Gesetze und Vorschriften noch nicht darauf eingerichtet. So werden die mobilen Häuschen oft als Ferienwohnungen betrachtet. Das niederländische Gesetz legt außerdem fest, dass Wohnraum eine Mindestoberfläche von 18 Quadratmeter haben muss. Die Tiny Houses sind oft noch kleiner.

„Solange es jedoch nicht für immer ist, ist viel möglich“, sagt Jeroen. Am liebsten würden beide Paare einen Platz finden, an dem sie auf jeden Fall zwischen fünf und zehn Jahren wohnen könnten. „Dann können wir auch endlich in einen Gemüsegarten investieren.“
 

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