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ADM
Das Ende des Amsterdamer Freihafens?

Auf dem Gelände eines ehemaligen Trockendocks leben seit über 20 Jahren mehr als hundert Menschen. Alle Versuche, sie zu vertreiben, sind bisher gescheitert. Doch jetzt sieht es so aus, als wäre bald das Ende des "Freihafens" gekommen.

Von Sanne Derks

  • Suwanne in ihrem Wohnwagen © Sanne Derks
    Suwanne in ihrem Wohnwagen
  • Tüftler Bart Sabel hat sein eigenes Labor auf dem Boot, auf dem er mit Tara wohnt. © Sanne Derks
    Tüftler Bart Sabel hat sein eigenes Labor auf dem Boot, auf dem er mit Tara wohnt.
  • Es sind mehrere Kinder auf dem ADM-Gelände geboren und aufgewachsen. © Sanne Derks
    Es sind mehrere Kinder auf dem ADM-Gelände geboren und aufgewachsen.
  • Padmini Peng kam aus London zum ADM , um sich für den Erhalt der Gemeinschaft einzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Freund und ihrem Baby wohnt sie auf dem ADM-Gelände. © Sanne Derks
    Padmini Peng kam aus London zum ADM , um sich für den Erhalt der Gemeinschaft einzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Freund und ihrem Baby wohnt sie auf dem ADM-Gelände.
  • Der Einschlag des Krans ist sichtbar und wurde durch Bewohner zu einem Kunstwerk umgestaltet. © Sanne Derks
    Der Einschlag des Krans ist sichtbar und wurde durch Bewohner zu einem Kunstwerk umgestaltet.
  • Auf der kreativen Baustelle werden keine Bauvorschriften durchgesetzt. Jährlich wird hier das alternative Zirkusfestival „Jetlag“ abgehalten. © Sanne Derks
    Auf der kreativen Baustelle werden keine Bauvorschriften durchgesetzt. Jährlich wird hier das alternative Zirkusfestival „Jetlag“ abgehalten.
„Wenn wir von hier vertrieben werden, dann will ich nicht mehr.“ Suwanne Huijboom hat sich mit großem Eifer für die ADM-Gemeinschaft eingesetzt. Sie war seit der ersten Stunde mit dabei. „Im Jahr 1997 wurde das Gelände der ehemaligen Schiffswerft „De Amsterdamse Droogdok Maatschappij“ besetzt. Vom Wasser und vom Land sind wir mit ca. 150 Personen auf dem Gelände angekommen. Ich habe mitgeholfen, Matratzen, Tische, Stühle und Baumaterialien auf das Boot ‚de Papillon‘ zu laden, mit dem wir am Tag der Besetzung zum Gelände gefahren sind. Das Boot steht jetzt als Ikone auf dem Land und kann als Bar, Werkstatt-Raum oder Gästezimmer benutzt werden.“

Es wohnen zurzeit noch ca. 125 Personen auf der kulturellen Freistätte. Das Gebiet umfasst 42 Hektar, wovon die Hälfte aus Wasser besteht. „Die Bäume haben wir zum größten Teil selbst angepflanzt. Menschen wohnen in Wohnwagen, Bussen, LKWs und selbstgebauten Häusern. Es wohnen auch Menschen in dem Gebäude der Schiffswerft, andere sind auf Booten und Schiffen auf dem Wasser. Es ist nicht so, dass wir alles, was wir hier kreiert haben, einfach so an einem anderen Ort übertragen könnten. Es würde so viel kulturelles Erbgut verloren gehen, wenn wir vertrieben werden sollten.“
Suwanne beschreibt, wie Bertus Lüske 1997 das Gelände des ehemaligen Trockendocks aus Spekulationszwecken gekauft hat. Sein Vorhaben war es, das Gelände nach einiger Zeit zu einem wesentlich höheren Betrag zu verkaufen. Zudem wollte er das Gelände zur Wohngegend erklären lassen.  Zweimal versuchte er, die Bewohner zu vertreiben. „Man sieht den Einschlag des Krans noch, mit dem er versuchte, das Gebäude abzureißen, während wir da oben geschlafen haben! Das ist versuchter Totschlag!“

Im Jahr 2003 wurde er bei einem Attentat getötet. Seine Erben versuchen aber bis heute, die Bewohner aus den Häusern zu vertreiben. Obwohl innerhalb der europäischen Gesetzgebung Hausbesetzer das Gelände im Laufe der Zeit beanspruchen können, gilt dies nicht, wenn der ursprüngliche Eigentümer dies anfechtet.. Da jedoch Lüskes Erbe 2015 ein Verfahren gegen die Bewohner einleitete, gilt das in diesem Fall nicht. „Wir berufen uns auf die im Kaufvertrag festgelegte Veräußerungsbeschränkung, die an den nächsten Käufer weitergegeben werden muss: Demnach ist eine Schiffswerft und das Gelände darf nur an einen Betrieb verkauft werden, der sich mit der Fertigung von Schiffen beschäftigt.“ Sie verweist auch auf den kulturellen Wert: „Das hier ist ein Platz für eine kreative Gemeinschaft, einen Nährboden, was in dieser Größenordnung einzigartig ist, nicht nur in den Niederlanden, sondern in der ganzen Welt. Wir organisieren Feste und Festivals.
 
Auch Bart Sabel und Tara Downs, die gemeinsam auf einem Boot auf dem Gelände wohnen, erklären, dass es nicht um geringe Wohnkosten gehe, auch wenn das ein zusätzlicher Vorteil sei. „Es geht um die Gemeinschaft, in der Raum und Freiheit besteht, kreativ zu sein. Meines Erachtens gibt es Aktionsbesetzer und Freiheitsbesetzer. Bei der ADM geht es vor allem um Freiheitsbesetzer, die ihren freien Hafen behalten möchten“, sagt Bart. Suwanne fügt hinzu: „Freiheit hört sich schön an, aber im Laufe der Jahre habe ich entdeckt, dass ein Leben in Freiheit harte Arbeit bedeutet. Freiheit muss man sich erkämpfen.“

Die Immobiliengesellschaft Chidda (Erbengemeinschaft Bertus Lüske) beabsichtigt, das Gelände an das niederländische Unternehmen „Koole Maritiem“ zu vermieten, das sich mit Abrissarbeiten, Asbestsanierung und Abfallentsorgung beschäftigt. Die heutigen ADM-Bewohner berufen sich weiterhin auf die Auflagebestimmung, in der festgelegt ist, dass die alte Trockendockgesellschaft nur als Schiffswerft benutzt werden darf. Seit Jahren wird die Gemeinschaft mit der Vertreibung bedroht.
Im August 2018 kam das Urteil des Staatsrates, dass das Gelände am ersten Weihnachtsfeiertag geräumt sein muss. Die ADM-Bewohner versuchen jedoch, die Genehmigung anzufechten und für den Erhalt ihres "Freiplatzes" zu streiten.

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