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Inspiriert durch mongolische Nomaden
Wohnen in einer Jurte

Vom Schiff in die Jurte: Maarten hat seit über 30 Jahren nicht mehr in einem richtigen Haus gewohnt. Mit seiner Frau Karen teilt er sich nun ein Zelt. Dabei sind sie auf das Wohlwollen der Gemeinde angewiesen.

Von Sanne Derks

  • Jurte © Sanne Derks
    Maarten und Karen vor ihrer Jurte
  • Jurte © Sanne Derks
    Maarten in seiner Jurte
  • Ofen © Sanne Derks
    Maarten und Karen schließen in einer Jurte den Ofen an
  • Nooitmeerhaast © Sanne Derks
    Sein Betrieb „Nooitmeerhaast“ liefert Jurten überall in den Niederlanden
  • 2. Jurte © Sanne Derks
    Eine zweite Jurte steht als Gästehaus auf dem Gelände

„Die Jurte ist wie ein Kleidungsstück. Man zieht sie an.“ Bereits seit 18 Jahren wohnt Maarten in Jurten an den unterschiedlichsten Orten in den Niederlanden. Seit dem Jahr 2009 lebt er an den Ufern der Ijssel außerhalb von Deventer (Niederlande) auf einem Industriegelände, das früher von Hausbesetzern bewohnt war. Seine Frau Karen ist vor fünf Jahren zu ihm gezogen. „Einige Menschen können es nicht ertragen, in runden Wohnungen ohne Fenster zu wohnen, aber ich finde es hier herrlich. Ich kann mir nicht vorstellen, wieder zu viereckigen Backsteinmauern zurückzukehren“, erzählt Karen. Maarten fügt hinzu: „Es ist eine ganz andere Art des Wohnens in einem Haus. Wir möchten demnächst kleiner wohnen und uns von einer Jurte mit einem Durchmesser von sechs Metern auf eine Jurte mit fünf Metern Durchmesser verkleinern. Das bedeutet, dass wir von 28 Quadratmetern Wohnfläche zu ca. 20 Quadratmetern wechseln. Dann müssen wir uns von einigen weiteren Sachen trennen, aber das klappt bestimmt. Das fühlt sich noch besser an.“ Maarten erklärt, dass eine Jurte als Lebensort gebaut ist. „Nicht jeder versteht das. Manchmal werden die Jurten als Yoga-Saal genutzt, aber so funktioniert es nicht. Es muss gelüftet und im Winter geheizt werden. Andernfalls bildet sich Kondensat und es entsteht Schimmel.“

Die ersten 40 Jahre seines Lebens hat Maarten in Steinhäusern gewohnt. Nachdem er 1986 h eine Arbeitsstelle als Schiffsführer in der Binnenschifffahrt bekommen hatte, wohnte er auf einem Schiff. „Ich musste sanieren, sonst wäre ich bankrottgegangen. Wenn man sein Boot verschrotten lies, erhielt man ein eine Kompensation. Ich bin zum ADM-Gelände [A1] [dem ehemaligen Werftgelände Amsterdamsche Droogdok Maatschappij, auf dem sich Wohnungsbesetzer niedergelassen haben, Amerkung der Redaktion], dem Freihafen in Amsterdam, gefahren, wo ich noch ein Jahr auf meinem Boot gewohnt habe, bevor dieses verschrottet wurde und ich in eine Jurte gezogen bin. Auf dem ADM-Gelände begegnete ich Froit, mit dem ich einen eigenen Betrieb zum Bauen von Jurten gegründet habe. Unser Betrieb ‚Nooitmeerhaast’ (‚Nie wieder Eile‘) besteht immer noch und wir verkaufen Jurten überall in den Niederlanden und auch außerhalb des Landes.“

Die rechtliche Grundlage für die Bewohnung von Jurten fehlt noch. Manchmal werden die Nomadenzelte geduldet, gelegentlich werden sie als Ferienwohnungen betrachtet, in denen das dauerhafte Wohnen nicht gestattet ist. Für Maarten stellt dies kein Problem dar: „Ich mache es doch schon seit Jahren, oder nicht? Die Beigeordneten in der Kommunalverwaltung sind wohlwollend und dulden das. Viele Vorschriften stammen noch aus anderen Zeiten. Beispielsweise, dass die Haustür 2,20 m hoch sein muss. Das sind Vorschriften, die eingerichtet wurden, um Menschen vor Verelendung und vor dem Wohnen in ungesunden Kellerräumen zu schützen. Aber inzwischen ist die niederländische Gesellschaft so reich, dass Wohnen in einer Jurte für uns eine Wahl und keine Notwendigkeit ist. Das verstehen die Beigeordneten auch sehr gut, wenn man es ihnen freundlich erklärt.“

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