Social Business Unternehmensziel bessere Welt

Das Gründertrio von „Was hab ich?“
Das Gründertrio von „Was hab ich?“ | © Amac Garbe

Sie sind organisiert wie kleine Firmen, arbeiten aber eher für andere als für den eigenen Gewinn: Unter dem Schlagwort Social Business entstehen immer mehr Projekte, die gesellschaftliche Missstände beseitigen wollen.

Ein Finanzinvestor würde wahrscheinlich den Kopf schütteln: In der GemüseAckerdemie treffen Schüler auf örtliche Bauern und lernen bei ihnen etwas über Gemüseanbau. Der Verein AIAS macht aus Studenten potenzielle Lebensretter, indem er an Universitäten Registrierungsaktionen für Stammzellenspender organisiert. Und im Programm Canto Elementar haben sich Senioren zusammengetan, um traditionelles Liedgut an die nächste Generation weiterzugeben. Spannende Ideen, die vieles versprechen – aber keinen großen finanziellen Gewinn. Trotzdem gehören sie zu den Unternehmenskonzepten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2014 im Rahmen des Wettbewerbs Start Social auszeichnete. Die Verantwortlichen erhalten ein Stipendium, um ihr Projekt mit Trainern aus der freien Wirtschaft weiterzuentwickeln. Viele der Ideen können so unter dem Begriff Social Business weiterleben und wachsen.

Der Begriff bezeichnet Initiativen, die häufig wie kleine Unternehmen organisiert sind. Der Unterschied zu herkömmlichen Firmen: Ein Social Business ist darauf ausgerichtet, soziale Missstände zu beseitigen oder Umweltprobleme zu lösen. In Deutschland wenden sich Sozialunternehmen vor allem auch Themen wie Bildung und Integration zu. Erwirtschaften diese Unternehmen Gewinne, fließen sie zurück in das Projekt. Die eigentliche Rendite ist der Fortschritt für die Gesellschaft.

Muhammad Yunus machte das Konzept weltbekannt

Die Initiatoren solcher Vorhaben sind häufig junge Menschen, die mit viel Elan aus der Ausbildung oder dem Studium kommen. Doch auch ältere Arbeitnehmer, die lange in einem gewöhnlichen Unternehmen angestellt waren, gehören dazu: „Viele Beschäftigte wünschen sich einen Job, der wirklich Sinn macht“, sagt Laura Haverkamp. Sie arbeitet für Ashoka, eine internationale Non-Profit-Organisation zur Förderung von Sozialunternehmen. Auch Muhammad Yunus zählte zu den von Ashoka unterstützten Gründern. Durch seine Mikrokredite, die heute in vielen Entwicklungsländern Menschen dabei helfen, sich eine eigene Existenz aufzubauen, wurde das Konzept des Sozialunternehmens weltweit bekannt. Für sein Engagement in Bangladesch erhielt Yunus 2006 den Friedensnobelpreis.

Auch einige deutsche Social-Business-Projekte sind im Laufe der Zeit von regionalen Initiativen zu bundesweit tätigen Unternehmen herangewachsen. Die 2002 gegründete Firma Wellcome aus Hamburg etwa ist mittlerweile mit mehr als 250 Teams unterwegs, um junge Familien in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes zu begleiten. Doch gerade erfolgreiche Sozialunternehmer wissen: Eine gute Idee reicht nicht, sie muss professionell umgesetzt werden, nicht zuletzt in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Zwar ist es auch für die Initiatoren von sozial orientierten Start-ups üblich, Finanzpläne zu entwickeln. Diese sind im Gegensatz zu den Konzepten für manch gewöhnliches Unternehmen aber nicht auf maximalen Gewinn und rasantes Wachstum ausgelegt. „Der Plan kann auch Spenden oder staatliche Förderung als Finanzierungsquellen beinhalten“, erklärt Laura Haverkamp. Zudem empfehle sich eine schlanke Organisation. „Es geht darum, flexibel zu bleiben – und das richtige Gespür dafür zu haben, wann man den passenden Mitstreiter an Bord holt.“

Unterstützung aus der freien Wirtschaft

Häufig bringen sich andere Unternehmen als Unterstützer ein. Für sie läuft das Engagement dann unter der Überschrift Corporate Social Responsibility, also der unternehmerischen Verantwortung für die Gesellschaft. So ist etwa der Softwarehersteller SAP Partner des Programms Social Impact. Unter anderem über Stipendien ermöglicht es jungen Sozialunternehmern, in Ruhe ihr Projekt zu planen und zu realisieren. Auch die Stiftung der Deutschen Bank fördert engagierte Firmengründer. Über die Internetplattform Social Impact Finance können sie nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

Allerdings: Wenn es richtig gut läuft, kann sich ein Sozialunternehmen selbst überflüssig machen. So hoffen die Betreiber der erfolgreichen Website Was hab’ ich?, dass sie irgendwann gar nicht mehr gebraucht werden. Über das Online-Portal beraten sie verunsicherte Patienten, die vor lauter Fachbegriffen ihre Diagnose nicht verstehen. Ein Team aus Ärzten und Medizinstudenten höherer Semester übersetzt den Befund in gebräuchliche Sprache. Dieses neue Ärztedeutsch, so das Ziel, soll sich unter Medizinern durchsetzen.