Future Perfect Licht in allen Regenbogenfarben

Maurits Groen, Umweltschützer
Maurits Groen, Umweltschützer | Foto: © mgmc BV

Von klein an mit einer „Antenne für Nachhaltigkeit“ ausgestattet, erhellt der Niederländer Maurits Groen heute weltweit Krisengebiete und Regionen ohne Strom. Seine WakaWaka-Lampe ist umso günstiger zu haben, je dringender man sie benötigt. 

Eines seiner schönsten Erfolgserlebnisse bescherte dem Niederländer Maurits Groen die Geschichte eines Flüchtlingshelfers vom Internationalen Rettungskommittee IRC. Der hatte auf der griechischen Insel Lesbos einen jungen Syrer getroffen, der lachend auf sein IRC-T-Shirt deutete: „Euch kenne ich“, habe der junge Flüchtende gesagt. „Dank euch hatte ich auf der Flucht Licht und konnte immer mein Handy aufladen!“ Worauf der junge Mann voller Freude jenes knallgelbe Gerät zum Vorschein holte, das er zwei Jahre zuvor in einem syrischen Flüchtlingslager von einem IRC-Helfer bekommen und während der Flucht wie seinen Augapfel gehütet hatte: eine so genannte WakaWaka-Lampe, gerade einmal 200 Gramm schwer, mit Solarzelle. Ein sonniger Tag reicht, um sie bis zu 150 Stunden lang Licht spenden zu lassen; obendrein kann sie als Handy-Ladegerät benutzt werden.
„Eine bessere Bestätigung meiner Arbeit gibt es nicht!“, sagt der Erfinder dieser Lampe, Maurits Groen. Der 62-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren als, wie er es selbst nennt, „nachhaltiger Unternehmer“ aktiv. 2010 wurde er vom Umweltministerium in Den Haag mit einer Nachhaltigkeits-Auszeichnung gewürdigt, und auf der Liste der 100 nachhaltigsten Niederländer, die jedes Jahr von der renommierten Tageszeitung TROUW aufgestellt wird, hat er 2015 den ersten Platz errungen.

Licht für Hausaufgaben und Behandlungen

Die WakaWakas – Suaheli für ‚helles Licht‘ – haben dem engagierten und schlanken Umweltschützer endgültig den internationalen Durchbruch beschert. Mehr als 650.000 hat er seit 2012 auf der ganzen Welt verteilen können. An Menschen in Entwicklungsgebieten, ohne Zugang zum Stromnetz. An Schüler in Kenia, die dadurch auch nach Sonnenuntergang noch ihre Hausaufgaben machen können. Aber auch an Überlebende von Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in Nepal im Frühjahr 2015 oder dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen Ende 2013. Und in Krisengebieten und Flüchtlingslagern an die Opfer von blutigen Konflikten und Kriegen, im Kongo und dem Sudan, im Gazastreifen und in Syrien. 15.000 WakaWakas gingen auch an die Ärzte und Krankenpfleger in den Ebolagebieten in Sierra Leone: „Damit sie ihre Patienten nachts weiterbehandeln konnten“, so Groen.
 
  • WakaWaka Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    WakaWaka
  • Wakawaka Solarzellen Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    Wakawaka Solarzellen
  • Bert Smit, Adventist Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    Bert Smit, Adventist
  • Schreibendes Kind in Haiti Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    Schreibendes Kind in Haiti
  • Kinder in Jordanien Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    Kinder in Jordanien
  • Wakawaka-Ausrüstung Foto: © mauritsgroen, mgmc BV
    Wakawaka-Ausrüstung

Zur Nachhaltigkeit geboren

In seiner Heimat gilt der Mann mit dem silbergrauen Haarschopf als unermüdlicher Weltverbesserer, der, so TROUW, mit einer „Antenne für Nachhaltigkeit“ geboren wurde. Schon als Kind hat er Altpapier gesammelt, weil er es faszinierend fand, dass aus alten Zeitungen neue gemacht werden können und in Geldscheinen Textilfasern verarbeitet sind. Altes war für ihn also alles andere als wert- und nutzlos. Doch damals, um 1960, erkannten das die wenigsten – was nicht mehr gebraucht wurde, landete in der Mülltonne.
Während seines Politologiestudiums begann sich Groen für den Umweltschutz zu interessieren, schloss sich der angesehenen niederländischen Umweltschutzorganisation Milieudefensie an und wurde Chefredakteur der gleichnamigen Zeitschrift. 2006 gelang es ihm, den ehemaligen US-Vizepräsidenten und Umweltschützer Al Gore nach Holland zu holen und dafür zu sorgen, dass dessen Buch über den Klimawandel, Eine unbequeme Wahrheit, ins Niederländische übersetzt wurde.

Licht für die Armen

Internationale Bekanntheit schließlich erlangte Groen 2010 zusammen mit seinem Geschäftspartner, dem niederländischen Unternehmer Camille van Gestel: Die beiden wollten die Fußball-WM in Südafrika klimaneutral machen. Doch der Plan, Millionen von Glühlampen durch LED-Licht zu ersetzen, scheiterte an der Finanzierung. Außerdem, seufzt Groen, hätten „die Armen und damit der größte Teil der Bevölkerung sowieso nicht von der Aktion profitiert, da sie keinen Zugang zum Stromnetz haben.“ So wie insgesamt 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt sind sie nach wie vor auf Kerosinlampen angewiesen – und die sind nicht nur ungesund und schädlich, sondern obendrein extrem feuergefährlich. Das kann in den Hütten und Baracken, in denen diese Menschen leben, verheerende Auswirkungen haben.
„Damals stellten wir uns die Frage, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, diesen Menschen auf andere Weise Licht zu besorgen“, erinnert sich Groen. Die Geburtsstunde der WakaWaka-Lampe hatte geschlagen.

Rot, oranje, solidarisch finanziert

Inzwischen ist sie in allen Regenbogenfarben zu haben. Bischof Desmond Tutu ist genauso begeistert von der kleinen Lampe wie Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen. Das Rote Kreuz hat gerade eine Ladung bestellt, passenderweise in rot. Und die niederländische Regierung 1000 Stück in oranje – rechtzeitig zum Beginn der EU-Ratspräsidentschaft am 1.1.2016: Den Haag will sie anstelle von Blumen als Gastgeschenk überreichen.
Der Preis der Leuchte: 69 Euro pro Stück. Jedenfalls für uns wohlhabende Menschen in der westlichen Welt. Nach dem Motto ‚Share the Sun‘ finanzieren wir damit eine zweite Lampe mit, die gratis in die Krisengebiete geht. Außerdem sorgen wir auf diese Weise dafür, dass der Preis in anderen, weniger reichen Ländern gesenkt werden kann. „In Ruanda zum Beispiel kostet sie nur knapp sieben Euro“, weiß Groen. Deshalb gibt es eine Standardfrage, die bei einer Bestellung als erstes gestellt wird: „Wo wohnen Sie?“