Übersetzer

Übersetzer © Pixaby

Gielkens, Jan © Ilja Nieuwland Jan Gielkens (Kerkrade, 1952) studierte Germanistik an der Universiteit Utrecht. Seine erste literarische Übersetzung wurde 1977 veröffentlicht, seitdem erschienen etwa dreißig Bücher, darunter zwölf von Günter Grass. 
Andere übersetzte Autoren: Nicolas Born, Botho Strauss, Franz Böni, Victor Klemperer, Georg Büchner, Paul Celan, Sarah Kirsch, Maxim Biller. 1984 erschien die zusammen mit Ton Naaijkens herausgegebene Anthologie Spiegel van de Duitse poëzie van 750 tot heden. 
Von 1978 bis 2000 war Jan Gielkens Mitarbeiter des Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis in Amsterdam, wo er an verschiedenen Quelleneditionen mitarbeitete und u.a. zu kulturellen Phänomenen der Arbeiterbewegung publizierte. 
Seit 2000 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Huygens Instituut in Den Haag, wo er u.a. die Volledige Werken von Willem Frederik Hermans mitherausgibt. 

Auswahl an übersetzten Titeln:

- Günter Grass: De blikken trom (Die Blechtrommel). Meulenhoff, 2009
- Günter Grass: De rokken van de ui (Beim Häuten der Zwiebel). Meulenhoff, 2007
- Victor Klemperer: Tussen de wal en het schip [dagboeken 1945-1959] (Tagebücher 1945-1959). Atlas, 2002.
- Maxim Biller: Motti Wind (Die Tochter). Meulenhoff, 2001

Drei Fragen an Jan Gielkens:

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?


Übersetzen ist eine der Berufsmöglichkeiten, wenn man sich für Literatur und Sprache interessiert, und in meinem Fall hat die Kombination von Interesse, anregendem Studium und günstigen Umständen dazu geführt, dass ich mit Übersetzungen, aber auch mit anderen Aktivitäten mein Geld verdiene.

Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Die Blechtrommel von Günter Grass, weil es ein phänomenal schönes und wichtiges Buch ist, das ich durch meine Übersetzung und durch die persönliche Bekanntschaft mit dem Autor noch besser kennengelernt habe.

Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Die Briefe von Georg Weerth (Detmold 1822 – Havanna 1854), der Kaufmann und Schriftsteller, der wunderschöne Briefe über seine Reisen in Europa und Amerika schrieb, an seine Freunde Karl Marx und Heinrich Heine, die meisten aber an seine Mutter. 1989 war ich Mitherausgeber der deutschen Ausgabe seiner Korrespondenz.
Der Übersetzer Wil Hansen hat unter anderem die Tagebücher von Viktor Klemperer übersetzt. Des weiteren Thomas und Klaus Mann, Elias Canetti, Robert Schneider, Bernhard Schlink – alle großen Verlage verpflichten ihn als Übersetzer.
Gleichzeitig ist Wil Hansen Mitherausgeber und Lektor im Verlag Cossee (gegründet 2001), der von Christoph Buchwald und Eva Cossee geleitet wird. Seit 2004 arbeitet er als freischaffender Übersetzer, aber auch für den Verlag De Bezig Bij.

Auswahl an übersetzten Titeln:

- Marcel Beyer: De nacht dat het dode kraaien regende (Kaltenburg). Cossee, 2009
- Burkhard Spinnnen: Diepgang (Mehrkampf). Ailantus, 2008
- Hermann Hesse: Liefdesverhalen (Liebesgeschichten). Single Pockets, 1999
- Klaus Mann: Opgejaagd, gedoemd, verloren : dagboek 1933 - 1949. Geselecteerd, geannoteerd, vertaald en van een voorwoord voorzien door W. Hansen (Tagebuch 1933-1949). Uitgeverij de Arbeiderspers, 1996
- Victor Klemperer: Tot het bittere einde Geselecteerd, vertaald, van noten en een nawoord voorzien door W. Hansen (Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten). Uitgeverij Atlas 1997
Hauth- Grubben, Goverdien © Hauth- Grubben, Goverdien Nach ihrem Slawistik-Studium Anfang der 1980er Jahre an der Universität von Leiden und einem zweijährigen Aufbaustudium in Mainz hat Goverdien Hauth-Grubben 1985 einen deutschen Slawisten/Übersetzer geheiratet und lebt seitdem mit Mann und Kindern im Süden der Niederlande. 
Seit 2001 übersetzt Goverdien Hauth-Grubben aus dem Deutschen, wobei ihr Interesse für Osteuropa und seine Geschichte nicht nachgelassen hat. 




Auswahl an übersetzten Titeln:

- Julia Franck: De middagvrouw (Die Mittagsfrau). Wereldbibliotheek, 2008
- Jakob Hein: Jensen houdt het voor gezien
(Jensen steigt aus). Uitgeverij De Arbeiderspers, 2007
- Dietlof Reiche: Het vuur van de Kelten (Keltenfeuer). Leopold, 2007
- Heinrich Böll: Brieven uit de oorlog 1939-1945 (Briefesammlung, zusammengestellt, übersetzt und herausgegeben von Goverdien Hauth-Grubben). Uitgeverij De Arbeiderspers, 2007
- Jakob Hein: Misschien is het zelfs wel mooi (Vielleicht ist es sogar schön). Uitgeverij De Arbeiderspers, 2006
- Uwe Tellkamp: De toren (Der Turm). Uitgeverij De Arbeiderspers, 2009

Drei Fragen an Goverdien Hauth-Grubben:

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?


Ob Übersetzen wirklich immer mein Traumberuf war, weiß ich jetzt nicht mehr, aber im Laufe der Jahre ist es das sicherlich geworden! Ich wüsste keine andere Tätigkeit, die so gut zu mir passt und die ich so gerne mache.

Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Da gibt es mehrere: Narziß und Goldmund (weil es das erste Buch war, das ich auf Deutsch gelesen habe), Die Buddenbrooks (weil es mich irgendwie an De boeken der kleine zielen von Louis Couperus, eines meiner Lieblingsbücher, erinnert), Der Turm (weil es mir eine andere Welt eröffnet hat).

Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

F.C. Delius, Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus, und vom selben Autor Bildnis der Mutter als junge Frau (und weil aller guten Dinge drei sind, möchte ich auch noch Die Flatterzunge erwähnen; es geht mir also eigentlich mehr um einen Autor als um ein bestimmtes Buch).
Hengel, Ria van © Hengel, Ria van Ria van Hengel ist seit 1963 Übersetzerin. Anfangs befasste sie sich mit deutschen und englischen Sachbüchern (Theologie, Geschichte, Sozialwissenschaften) und arbeitete nebenbei als Redakteurin bei Zeitschriften und Verlagen. Später spezialisierte sie sich auf das Übersetzen deutscher Literatur. 
2007 ist sie mit dem Martinus Nijhoff Prijs für ihr Gesamtwerk an literarischen Übersetzungen aus dem Deutschen ausgezeichnet worden. Dieser Preis ist der wichtigste Übersetzerpreis in den Niederlanden. 


Auswahl an übersetzten Titeln:

Neben Büchern von einzelnen Autoren übersetzte sie:

- alle literarische Werke von W.G. Sebald (Essaybände folgen noch)
- die meisten Werke von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (für Die Kinder der Toten wurde sie 1999 für den europäischen ''Aristeion''- Übersetzerpreis nominiert); Nobelpreisträgerin Herta Müller (als letztes Atemschaukel); Martin Walser, Marlen Haushofer und Helmut Krausser
- klassische Werke: Novalis, Heinrich von Kleist, Goethe (u a. Die Wahlverwandtschaften) und Brüder Grimm (für Sämtliche Märchenbekam sie den Kinderbücherpreis '' Zilveren griffel'' 2006)

Drei Fragen an Ria van Hengel:

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?


Ich habe immer schon gerne übersetzt und bereits auf dem Gymnasium Preise dafür bekommen. Trotzdem sah ich das Übersetzen lange nicht als einen Beruf - ich machte das immer nebenbei und beschränkte mich auf Sachbücher. Als ich mich 1986 zum ersten Mal an das Übersetzen von Literatur wagte und mich dann auch hauptberuflich diesem Fach gewidmet habe, war dies die beste Entscheidung, die ich je getroffen hatte. 
Für mich ist es ein Privileg, etwas, was in einer anderen Sprache bereits ein Kunstwerk ist, Niederländischsprachigen zugänglich zu machen und gleichzeitig soweit wie möglich gerade die Elemente zu erhalten, die das Werk zu einem Kunstwerk machen. 
Das Übersetzen passt auch zu meiner Persönlichkeit: Ich arbeite gern allein und ich finde es herrlich, so lange konzentriert an einem Text zu feilen, bis ich damit zufrieden bin. Das schönste am Übersetzen ist für mich, dass ich in die Haut von ganz unterschiedlichen Autoren schlüpfen kann und für jeden von ihnen wieder ein ganz eigenes Niederländisch finden muss.

Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Von den Autoren die ich übersetzt habe, gefällt mir das Werk von W.G. Sebald am besten: sein einzigartiger Stil, seine Gelehrtheit sowie die melancholische Stimmung. Dass Sebald, der leider verstorben ist, etwas Besonderes mit seinen Übersetzern macht, zeigt sich daran, dass ein lebendiges Netzwerk aller Sebald-Übersetzer aus mindestens 10 Ländern besteht, die sich gegenseitig helfen und stimulieren. 
Ich bin auch ein großer Fan von Marlen Haushofer (vor allem „Die Wand“) und Herta Müller.
Gleichermaßen Spaß hat es gemacht, Grimms Märchen und die Geschichten von Kleist zu übersetzen.

Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Ich habe ohnehin schon zu wenig Zeit für die Autoren, die ich aktuell übersetze und von denen ich gerne weitere Werke übersetzen möchte (Herta Müller, W.G. Sebald, Martin Walser, Goethe) – mit Träumen bezüglich anderer Aufträge bin ich derzeit nicht beschäftigt.
Hunfeld, Katja © Hunfeld, Katja Katja Hunfeld hat an der Universität Amsterdam Publizistik und europäische Kulturgeschichte studiert. Seit 1996 arbeitet sie als Übersetzerin, seit 2002 ist sie auf literarische Übersetzungen spezialisiert. Für die Übertragung von Claudia Schreibers Emmas Glück ins Niederländische erhielt sie 2006 den Euregio Schüler Literaturpreis. Katja Hunfeld wohnt in Deutschland und ist seit 2009 Koordinatorin und Dozentin für den Bereich Niederländisch beim TaalCöordinatiePunt der Universität Twente. Sie ist verheiratet und Mutter dreier Töchter.




Auswahl an übersetzten Titeln:

- Linus Reichlin: Het verlangen van atomen (Sehnsucht der Atome), MM uitgeverij, 2010
- Andrea Maria Schenkel: Bunker, uitgeverij Signatuur, 2009
- Ouarda Saillo: Dochter van Agadir : Mijn verloren jeugd in Marokko (Tränenmond). Uitgeverij Sirene, 2008
- Sabine Kuegler: Terug naar de jungle (Der Ruf des Jungles). Uitgeverij Sirene, 2008
- Jakob Arjouni: Chez Max (Chez Max). Uitgeverij Sirene, 2007
- Hape Kerkeling: Ik ben er even niet : Mijn voettocht naar Santiago de Compostela (Ich bin dann mal weg). Standaard Uitgeverij, 2007

Drei Fragen an Katja Hunfeld:

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?


Ich bin eher zufällig Übersetzerin geworden, habe jedoch schnell erkannt, dass es mein absoluter Traumberuf ist. Es ist ein wunderbar kreativer, sehr intensiver, fordernder, manchmal einsamer und sehr erfüllender Beruf.

Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Es gibt viele, aber für mich ist nach wie vor Emmas Glück von Claudia Schreiber ein sehr eindrucksvoller Roman, da die Geschichte so schlicht geschrieben ist, aber dennoch so tief geht. Sie hat mich sehr berührt.

Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Es gibt keine Übersetzung von den Werken Heinrich Heines. Der niederländische Autor Grunberg hat vor einigen Jahren Geld zur Verfügung gestellt für einen mutigen Übersetzer, der sich dieses enorme Projekt zutraut. Ich habe mich bis heute nicht getraut. Lyrik bleibt eine Herausforderung. Der nächste Hape Kerkeling würde mich freuen und ich mag den Stil von Elke Heidenreich.
Kanon, Jan Bert © Kanon, Jan Bert Jan Bert Kanon (Eelde, 1960) hat an der Reichsuniversität Groningen Germanistik studiert. Nach seinem Studium zog er nach Den Haag, wo er u.a. in der Nationalbibliothek literaturwissenschaftliche Forschungen betrieb und beim SDU-Verlag im Maschinenpark und dem Filmarchiv arbeitete. Zurück in Groningen wurde er Übersetzer. Zunächst von Sachtexten, in den letzten zehn Jahren zunehmend von guten Sachbüchern und Literatur.





Auswahl an übersetzten Titeln:

- Sylvia Bovenschen: Ouder worden (Älter werden). Atlas, 2008
- Erich Kästner: Nota bene ’45 – Een dagboek (Notabene 45 – Ein Tagebuch). Atlas, 2008
- Mirko Bonné: IJskoude hemel (Der eiskalte Himmel). Querido, 2009
- Rolf Lappert: Naar huis zwemmen (Nach Hause schwimmen). Signatuur, 2011
- Rolf Lappert: Benjamin Schillings droom (Pampa Blues). Signatuur, 2012

Drei Fragen an Jan Bert Kanon:

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?


Nicht in dem Sinn, dass ich von Kindheit an nichts anderes vor Augen hatte. Ich bin da sozusagen hineingeraten und habe noch immer viel Spaß dabei. Kollegen haben mich auf den Geschmack literarischer Übersetzungen gebracht, wofür ich ihnen noch immer dankbar bin.

Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum? 

Der Tod in Venedig von Thomas Mann, wegen des Visuellen, der Schönheit und des Verlangens. Weiterhin mag ich sehr gerne literarische Sachbücher wie z.B. Tagebücher, Briefe und Autobiografien wegen des persönlichen Touchs und der Verbindung zur Welt von gestern. Bücher dieser Art, die einen großen Eindruck bei mir hinterliessen: Eine Jugend in Deutschland von Ernst Toller und die Tagebücher von Brigitte Reimann.

Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Aus dem oben genannten Genre Schreib das auf, Kisch!, das Tagebuch von Egon Erwin Kisch aus dem 1. Weltkrieg.